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Anonymes Recruiting: Diese Job-App kämpft gegen Diskriminierung von Bewerbern

Anonymes Recruiting: In der Job-App „Meetfrank“ spielen Alter, Geschlecht und Herkunft keine Rolle. (Foto: Shutterstock-Flamingo Images)

Die estländische Job-App Meetfrank will anonymes Recruiting in Deutschland salonfähig machen. Diskriminierungen im Bewerbungsprozess könnten bald vom Tisch sein.

Alter, Geschlecht oder Herkunft – oft tragen diese Angaben eine gehörige Mitschuld daran, dass Bewerber es nicht einmal bis ins Vorstellungsgespräch schaffen. Und das, obwohl sie von ihren Fähigkeiten her bestens auf die Stelle passen würden. Auch wenn es wohl kaum ein Recruiter zugeben würde, aber dass Arbeitgeber schon mal Frauen aussortieren, weil sie im besten Alter sind, um Kinder zu bekommen, ist ein offenes Geheimnis. Auch viele Menschen mit Migrationshintergrund haben es als Bewerber in Deutschland oft schwerer als Deutsche. So kann schon der Familienname ein Grund für eine Absage sein. Beide Szenarien zeigen deutlich, wie es auf dem Arbeitsmarkt zu Ungerechtigkeiten kommen kann – ob bewusst oder unbewusst.

Recruiting ohne Vorurteile: Job-App Meetfrank fördert anonyme Bewerbungen

Job-App Meetfrank setzt auf anonymes Recruiting: Die Gründer Kaarel Holm und Anton Narusberg (v.l.) (Foto: t3n.de)

„Bewerber aufgrund von privaten Informationen vom Prozess auszuschließen ist schlicht und einfach gesagt diskriminierend“, erklärt auch Kaarel Holm, Mitgründer von Meetfrank, einer Job-App aus Estland, die anonymes Recruiting salonfähig machen will. Nach Auffassung der Gründer sind Angaben zu Alter, Geschlecht und Herkunft gar nicht nötig, um Bewerber mit den passenden Arbeitgebern zusammenzubringen. „Viel wichtiger sind Erfahrungen, das Wissen und die Ansprüche des Bewerbers an den Arbeitgeber“, erklärt der estländische Unternehmer gegenüber t3n.de am Rande des Tech-Open-Airs in Berlin. Auch deshalb verzichtet Holm ins seiner Anwendung auf entsprechende Abfragen.

Bewerber müssen lediglich ihre Fähigkeiten und beruflichen Ziele angeben, damit die App ihnen passende Stellenausschreibungen vorschlagen kann. Die Meetfrank-App fungiert dabei als Chatbot und interagiert direkt mit den Nutzern. Interessiert sich ein Anwender für eine der vorgeschlagenen Stellen, kann er einen privaten Chat mit dem Unternehmen starten, um mehr über die Stelle zu erfahren. Die Unternehmen hingegen sind nicht anonym. Sie schreiben detaillierte Stellenanzeigen aus und Meetfrank sorgt dafür, dass sie nur passende Bewerber zu Gesicht bekommen. „Wir übernehmen somit den Vermittlungsprozess“, erklärt Kaarel Holm die Funktionsweise. Für Nutzer ist der gesamte Service kostenfrei.

„Bewerber aufgrund des Alters, des Geschlechts oder der Herkunft auszuschließen ist diskriminierend.“

Mit dem heutigen Tag wagen die Estländer den Deutschlandstart. Bereits 2.000 Unternehmen nutzen die Recruiting-App, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Zu den ersten Kunden in Deutschland zählen große Firmen wie Daimler, Eon, Delivery Hero, Sumup, Blinkist, High Mobility und Mytaxi. Somit haben sich Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen als Kooperationspartner angemeldet – vom schnell wachsenden Startups bis hin zum großen Player der Old Economy. Auf dem Tech-Open-Air in Berlin hat sich Meetfrank vor zwei Wochen der hiesigen Unternehmerszene erstmals vorgestellt. Während des Pre-Launchs hatten Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland die Möglichkeit, das anonyme Matchmaking in der Praxis zu testen.

Dass der Service nicht nur gesellschaftlich eine wichtige Funktion übernimmt, sondern auch Unternehmen deutlich von divers aufgestellten Teams profitieren, hat eine McKinsey-Studie bereits im Jahr 2015 herausgefunden. Unternehmen, die eine ethnische Vielfalt im Team sicherstellten, waren oftmals erfolgreicher als andere Firmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Umsätze über dem Branchendurchschnitt liegen würden, erhöhte sich um bis zu 35 Prozent. „Diskriminierung aufgrund von persönlichen Daten ist bei uns ausgeschlossen und somit wird die Diversität in Unternehmen gefördert“, erklärt Kaarel Holm. Wer sicherstellen möchte, völlig vorurteilsfrei in den Bewerberprozess zu starten, kann die App jetzt ausprobieren.

Übrigens, auch dieser Beitrag könnte dich interessieren: Keine Antwort auf Bewerbung? Das sind die oftmals perfiden Gründe

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3 Reaktionen
zitrone

Ein interessanter Artikel! Danke!

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Chri

Nur ein kleiner Hinweis: in einem Beitrag über Diskriminierung von Berwerber*innen könnte Gendering dazu beitragen, den Inklusionsgedanken deutlicher zu machen.
t3n ist eine tolle Seite und ich nutze sie regelmäßig, um mich zu informieren, doch warum gendern sie nicht?
Grüße

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Andreas Weck

Hallo Chri, danke für deine wichtige Frage. Die Antwort darauf ist aktuell noch: Aus Gründen der Lesbarkeit. Gendergerechtes Schreiben geht, wir wissen aber noch nicht wirklich, wie der beste Weg aussieht. Für uns ist klar, dass wir von Konstruktionen wie "der/die Unternehmer/in" in Texten eher absehen. Das mag für dich vielleicht kein Argument sein, aber Leserumfragen zeigen deutlich, dass durch solche Beispiele der Textfluss doch sehr gestört wird.

Anfang der Woche haben wir einen Gastartikel veröffentlicht, der gegendert wurde (https://t3n.de/news/digitalisierung-teamwork-1092342/). Das hat auch in der Redaktion für Gesprächsstoff gesorgt. Wir haben deshalb auch ein Meeting für Montag angesetzt und diskutieren das Thema einmal durch. Ausgang ist ganz klar offen.

Gruß, Andreas

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