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Don’t text and drive: Wie das Handy-Verbot am Steuer verschärft wird

An der Ampel eine Kurznachricht tippen? Viele Autofahrer finden nichts dabei. Der Staat will nun mehr Härte zeigen, um riskantes Handy-Hantieren zu stoppen. Ab Donnerstag gelten die neuen Regeln.

Eigentlich ist die Sache klar: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht“, heißt es gleich ganz vorn in der Straßenverkehrsordnung. Aber da ist so einiges, was Autofahrer ablenken kann: das Navigationsgerät, ungeduldige Kinder auf dem Rücksitz – und immer öfter Handys am Steuer, ein bestehendes Verbot hin oder her. Experten warnen schon seit langem vor wachsenden Unfallgefahren durch die ständig lockenden digitalen Begleiter. Jetzt will die Politik die Regeln schärfen, um eine abschreckendere Wirkung aufzubauen. Ab Donnerstag treten die neuen Regeln in Kraft. Bringt das Leichtsinnige am Lenker zur Vernunft?

Wo ist das Problem?

Dass Handys beim Fahren schon seit Jahren nicht in der Hand gehalten werden dürfen, wird offenkundig nicht richtig ernst genommen. „Der telefonierende Kraftfahrzeugführer mit dem Handy am Ohr und der Kurznachrichten eintippende Fahrer mit dem Mobiltelefon in der Hand gehören bedauerlicherweise zum täglichen Verkehrsgeschehen“, lautet die ernüchterte Bilanz des Bundesverkehrsministeriums. Die Verstöße passierten immer vorsätzlich, und vielen komme das nicht mal falsch vor. Dabei bedeutet ein Sekundenblick aufs Smartphone bei Tempo 50 schon 14 Meter Blindflug, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) warnt. Für neue Regeln sei es daher höchste Zeit.

Was soll geändert werden?

„Ablenkung ist eines der größten Unfallrisiken, das vermeidbar ist“, sagt auch Minister Alexander Dobrindt (CSU). Das Verbot, das bisher nur Mobil- und Autotelefone nennt, wird daher erweitert werden. Erfasst werden nun alle Geräte zur „Kommunikation, Information oder Organisation“ – also auch Tablets, Laptops und sonstige Kleincomputer. Erlaubt bleibt, Anrufe per Taste oder Wischen übers Display anzunehmen, solange man das Gerät nicht hochnimmt. Weiter zulässig sind auch Sprachsteuerungen und ein „kurzer“ Blick aufs Gerät. Dabei gibt der DVR aber zu bedenken, dass Autofahrer ja ganz individuelle Interpretationen für den Begriff „kurz” hätten.

Wie sehen die Sanktionen aus?

Dobrindt ließ vor der Abstimmung im Bundesrat im September keinen Zweifel daran, dass das Verbot auch schärfere Zähne bekommen soll. Oder wie es seine Beamten formulierten: „Die Rechtstreue der Bevölkerung muss durch eine Heraufsetzung der Bewehrung gestärkt werden.“ Statt bisher 60 Euro sollen 100 Euro Buße fällig werden, weiterhin verbunden mit einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei. Im schlimmsten Fall mit Sachbeschädigung drohen künftig bis zu 200 Euro plus ein Punkt plus ein Monat Fahrverbot. Das soll ein Denkzettel sein und Hemmungen erhöhen. Auch für Radler mit Handy in der Hand wird es teurer: 55 Euro statt bisher 25 Euro.

Welche Detailvorschriften gelten künftig noch?

Zum Handy greifen darf man weiterhin, wenn das Fahrzeug steht und der Motor aus ist – auch wenn sich im Stau nichts mehr bewegt. Nicht gilt dies aber, wenn sich der Motor an einer Ampel nur kurz selbst ab- und anschaltet. Länger auf einen kleinen Kamera-Monitor schauen dürfen Fahrer auch, wenn sie mit dieser Hilfe zum Beispiel in Schritttempo einparken. Eigens vermerkt ist, dass Fahrer von Linienbussen auch mit laufendem Motor auf Bordcomputer blicken dürfen, um an Haltestellen Tickets zu verkaufen. Videobrillen am Steuer sind generell tabu.

Wie geht es weiter?

Was härtere Sanktionen bewirken, muss sich zeigen. „Eine stärkere Prävention auch mit höheren Geldbußen ist für mehr Verkehrssicherheit richtig“, argumentiert der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow. „Wichtig sind aber auch mehr Kontrollen.“ Auf frischer Tat ertappt oder eindeutig per Blitzer-Foto überführt werden längst nicht alle Smartphone-Sünder. Zur Beweisführung nach Unfällen müssen Handys aufwendig untersucht werden. Gerade gesetzlich geregelt wurde, dass Fahrer E-Mails lesen können, wenn Autos computergesteuert fahren – der Mensch am Steuer muss aber jederzeit eingreifen können. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag richtet den Blick auch schon auf ein verwandtes Problem: die Ablenkung von Fußgängern durch Elektrogeräte. dpa

Aktualisiert am 19. Oktober 2017. 

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8 Reaktionen
C64

Was hilft es, wenn die Straßen wie hier in Berlin ein rechtsfreier Raum sind?
Da kannst Du mit einem Tablet am Ohr im Cabrio einen Streifenwagen innerorts mit 80 überholen - was juckt es die Polizei. Wenn kein Personal für VERKEHRS-Polizei vorhanden ist, nützen die ganzen Strafen nichts - egal wie hoch sie sein mögen.

Antworten
-.-

1. Generelles Fahrverbot von Personen älter als 60. Der Sekundenblick nutzt nix, wenn die Information vom Sehnerv zum Bremsfuß durch das Gehirn unterbrochen wird.

2. Fahrer die telefonieren fahren langsamer. Fahrer die sich aufs Fahren konzentrieren, fahren hier in Wiesbaden zumindest grundlegend 60-80 Sachen innerorts und neigen zu schnellen Zick-Zack-Dreispurmanövern. Fahren soweit auf, dass man nicht mal mehr den Kühlergrill im Rückspiegel sehen kann und ergänzen Ihr verhalten mit Lichthupe, drängeln und machen Druck von hinten.

Die Ordnungshüter beschränken sich aber viel lieber auf angenehmes automatisiertes Blitzen in 30er Zonen und durchweg zu Bürozeiten von 8 bis 16 Uhr.

Aber, aber: Dashcams wurden eben nicht erlaubt. Die können sich also deren Pünktchen sonstwo hinstecken, wenn die nicht aus den Puschen kommen.

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-.-

hach, ich hab ja fast vergessen: die meisten TaunusBigFoods haben RÜD im Kennzeichen hängen...

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Achim Trumpfheller

Komplett lächerlich! Man nehme die aktuelle Strafe (60 EUR) und hänge eine Null dran. Dann wird vielleicht ein Schuh draus. Dummerweise hält das niemanden ab, wenn quasi niemals kontrolliert wird.

100 EUR sind jedenfalls lächerlich. Das ist so, wie wenn ich grundsätzlich 15 km/h zu viel fahre und vielleicht alle drei Jahre mal geblitzt werde. Das ist dann eben der "Express-Zuschlag", den ich bereit bin zu bezahlen …

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Uwe Keim

Schweizer Verhältnisse fände ich sehr gut.

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Lars

Ich finde es ehrlich gesagt gut, wenn man sich nicht an Gesetze halten muss und einfach kein Kontrolldruck herrscht.

Uwe Keim

Die (subjektive) Vielzahl von Autofahrern, die aktuell schon während der Fahrt ganz offen das Handy am Ohr haben, sagt mir, dass es primär an den fehlenden/geringen Kontrollen liegt, und nicht an fehlenden Gesetzen.

Gesetze machen (und Kameras installieren) ist halt günstiger, als Polizisten einzustellen und auszubilden.

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Lars

Wer will schon Polizist werden? Weder der Saftladen der sich BRD nennt, noch das Hungergehalt geben einen echten Anreiz.

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