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„Double Irish With a Dutch Sandwich“ – so funktioniert Apples kurioser Steuertrick

Apple soll es tun – Google, Amazon Cisco und Dell auch. Zahlreichen Tech-Konzernen wird vorgeworfen, kaum Steuern zu zahlen. Wie der kuriose Steuertrick funktioniert.

Neben Apple, das Milliarden an Steuern nachzahlen soll, wird unter anderem auch Google, Amazon, IBM, Microsoft und Starbucks ein Steuertrick mit einem kuriosen Namen vorgeworfen: das „Double Irish With a Dutch Sandwich“.

Die Zutaten für das irisch-niederländische Sandwich lauten: ein internationaler Großkonzern wie Apple oder Google, der Steuern sparen will, ein europäisches Tochterunternehmen, das Geld verdient, zwei Tochterunternehmen in Irland und ein Tochterunternehmen in den Niederlanden.

Daher das Doppel-Sandwich: Zwei irische Töchter umschließen eine niederländische Tochter – und am Ende zahlt der Großkonzern so gut wie keine Steuern auf seine Milliardengewinne. Im Falle von Apple sollen es nach Berechnungen der EU-Kommission im Jahr 2014 nur noch 0,005 Prozent gewesen sein. Auf eine Million Euro Gewinn (nicht Umsatz!) soll Apple so am Ende 50 Euro Steuern gezahlt haben. Auch Google soll 2010 mit Hilfe des Sandwich-Tricks laut Frankfurter Allgemeine Zeitung nur drei Prozent Steuern auf seine internationalen Gewinne gezahlt haben.

Schon den Überblick verloren? An sich ist das Konstrukt gar nicht so kompliziert. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Ein internationaler Großkonzern mit Hauptsitz in den USA wie Amazon, Apple oder Google gründet ein europäisches Tochterunternehmen, zum Beispiel in Deutschland, und macht dort Gewinne.

So drücken Apple und Google die Steuerlast fast auf null

Ein Teil dieser Gewinne werden als Lizenzgebühr an ein irisches Tochterunternehmen gezahlt. Damit fällt dieser Teil des Gewinns nicht mehr in Deutschland an, sondern in Irland, das innerhalb der EU besonders niedrige Steuersätze für Unternehmen hat. Doch damit ist der Trick noch nicht vorbei. Mit Hilfe der Doppelsandwich-Struktur schaffen es die Konzerne, die Steuerlast fast auf null zu drücken.

Das irische Tochterunternehmen zahlt nun wiederum Tantiemen an ein anderes Tochterunternehmen in den Niederlanden. Dadurch fällt bei diesem Tochterunternehmen so gut wie kein Gewinn mehr an. Damit allein wäre noch nicht viel gewonnen, weil der Gewinn dann in den Niederlanden anfällt.

Doch auch in den Niederlanden ist die Reise des Geldes noch nicht zu Ende – jetzt kommt die zweite irische Brötchenhälfte ins Spiel. Die niederländische Gesellschaft zahlt das Geld an eine andere irische Tochtergesellschaft. Der Mutterkonzern ist in diesem Fall allerdings nicht der Konzern mit Sitz in den USA, sondern eine Tochter in einem Steuerparadies wie beispielsweise den Bermudas.

Weil es sich bei der letzten Überweisung von den Niederlanden nach Irland um eine Transaktion innerhalb der EU handelt, fallen dabei keine Steuern an. Und das letzte Unternehmen in der Kette zahlt keine Steuern, weil es lediglich eine Tochterfirma eines Unternehmens mit Hauptsitz in einem Steuerparadies ist, das seine Unternehmen nicht zur Kasse bittet. Die Sandwich-Konstruktion ist dabei notwendig, weil bei einer direkten Transaktion aus Irland an ein Unternehmen in einem Steuerparadies nach irischem Recht eine Quellensteuer anfallen würde. Das Konstrukt funktioniert, weil es zwischen den Niederlanden und Irland ein Abkommen gibt, das Lizenzgebühren von Steuern ausnimmt.

Bis 2020 gelten Ausnahmen

Ob dieses komplizierte Verfahren legal ist, ist umstritten. Apple steht auf dem Standpunkt, dass dies der Fall sei und bekommt Unterstützung von der US-Regierung. Die EU-Kommission hat die Steuerpraxis diese Woche für illegal erklärt und fordert von Apple Steuernachzahlungen von 13 Milliarden Euro plus Zinsen für die Jahre 2003 bis 2014.

Laut EU-Kommission sind das nur die Steuern, die bei einer normalen Versteuerung der Gewinne über die ohnehin sehr niedrigen irischen Unternehmenssteuersätze angefallen wären – keine Strafe. Ende 2014 hatte Irland angekündigt, dass neu angesiedelte Unternehmen ab 2015 ihre in Irland erwirtschafteten Gewinne auch auf der Insel versteuern müssen. Für Unternehmen, die bereits von der kuriosen Sandwich-Konstruktion profitieren, gilt aber eine Übergangsfrist bist 2020. Sollte die EU-Kommission sich aber gegen Irland durchsetzen, gilt auch diese Ausnahme nicht mehr.

Mehr zum Thema: Schäm dich, Apple! Ein Steuersatz von 0,005 Prozent ist obszön

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4 Reaktionen
Ralle

Moin moin, ist schon komisch, wenn andere Geld verdienen fällt der EU ein das die Wege plötzlich illegal sind, nutzt die EU aber selbige Konstruktionen ist das legitim , versucht man Verträge mit Firmen die für den "Staat" oder die "EU" arbeiten einzusehen, unterliegen die der Geheimhaltung, eine deutsche GmbH muß aber ihre Interna offen legen.... man könnt fast denken das hier die selben Sachen mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen werden .

Grüße Ralle

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Endlich mal die Erklärung

@Jason:
Die Erklärung hätte man gleich bringen können.
Die Effekte sind schon seit Jahren bekannt. Die Shop-Lizenzen habe nur ich vor Jahren schon kritisiert.
Die Presse berichtet praktisch immer nur hinterher und wir müssen Firmen und Branchen immer und immer wieder mit Zilliarden retten.
Uns geht es seit den 70ern ständig schlechter.
Denn die Presse erfüllt Ihre Kontroll- und Verbesserungs-Funktion nicht.

Argumente habe ich keine gesehen. Also habe ich wohl Recht.
Form follows function: Erst kritisiert man die inhaltlichen Argumente. Danach die Tippfehler, Syntax und Formulierungen oder Kleinschreibung und Wortfehler. Semantik (Function, Sinn, Zweck) vor Syntax (Formalistische Formalien aka 'Form'): Form follows Function. Es gibt noch eine zweite - mainstreamigere - Interpretation. Aber diese ist ja auch nicht falsch.

Das ist nicht an Dich gerichtet sondern an die gängigen TooLongToRead-Leute: Meist jammern bezahlte Social-Media-Teams, der Text wäre zu lang, weil sie keine Gegen-Argumente gefunden haben und somit ihre Bezahlungs-Quote sinkt. Früher wurden Zeitung-Schreiber ja nach Wort-Zahl bezahlt... Bei Social-Media-Teams welche auf Keywords per Google-Alerts warten und dann entsprechende Postings (meist für den Auftraggeber aber vielleicht auch gegen z.B. Linux oder wen man grade für Geld nicht leiden soll) verbreiten, also "Bezahlposter" (tausende bezahlte Rezensionen bei Amazon wurden ja längst bewiesen) absetzen, sind lange Postings oft wohl unbeliebt...

Die Presse könnte oft viel besser berichten. Also sind die Kommentare das Korrektiv und ergänzen, was im Text fehlt. Bald vielleicht aber auch nicht mehr.

Antworten
Endlich mal die Erklärung

Das Derailing im Sinne des Systems führt halt dazu, das immer systematisch an den falschen Stellen diskutiert wird. Also z.b. keiner ausser mir die Lizenzkosten in Frage stellt und das diese einheitlich für alle weltweiten Apple-Stores gleich zu sein hätten.

Eine gute Presse könnte fordern das alle Apple-Stores dieselben Lizenpreise zu zahlen hätten.
Davon abgesehen müssten diese Preise öffentlich bekannt sein und ausserdem natürlich nur steuerlich absetzbar (nicht zulässige "verkappte Gewinn-Ausschüttung" z.b. über Geschäftsführergehälter kennt hier jeder Freiberufler aus den Flyern beim Steuerberater) wenn der Franchise-Nehmer (also der Apple-Store) vollständig jemandem anderen gehört was bei MacDonalds ja wohl der Fall ist.
Aber sowas wird als "konstruktiver Journalismus" (weil man keine eigenen Ideen hat) schlechtgeredet damit die Reichen immer reicher werden und die Staats-Schulden weiter steigen und das System sich weiter dick die Pensionen und Abendsonnen finanzieren kann wie schon die bösen Adeligen in den ganzen Filmen oder Once-upon-a-time, böse Eis-Königin, Narnia, Spartacus (Serie),... usw. .

"Wenn es in der Familie(=Firmen-Geflecht) verbleibt, wird es als Kollektiv versteuert". Wieso fordert das keiner von der EU-Komission ? Wieso wurde das bei Murdoch nie erwähnt ausser von mir. Der kann in seinem Firmengeflecht die Gelder oft wohl so fliessen lassen, wie es optimal ist. Auch weil die Finanzminister keine Preiskontrolle machen. Jeder hier hingegen weiss wo man die Marken-Jeans (dank Bundespresse und Bundespolitik) in USA billiger bekommt und dafür nach der Lohnsteuer noch 19% Einfuhr-Umsatz-Steuer bezahlen soll was die Presse wohl auch gut findet weil sie wohl Presserabatte kriegt und nutzt....

Bei Java gibts kein multiples Erben. Bei Apple anscheinend schon weil sie ja zwei Firmen haben die sich über die dritte die Kohle rüberschieben. Das da was nicht stimmt und man gucken muss, wo jetzt besteuert wird, sollte klar sein. Bei Steuererklärung gibts "Besserstellungs-Prüfung". Dasselbe gilt auch hier aber natürlich für "keine Tricks um sich arm zu rechnen". Energie und Materie kann man transformieren. Aber Lizenzen bleiben Lizenzen bzw. weil der Applestore ja zu 100% Apple gehört WAREN UND SIND ES IMMER GEWINNE und können niemals "Lizenzen" werden, nur weil man den Aufkleber ändert wie es die Drogenhändler machen wenn sie einen LKW "Milchpulver" über die Grenze fahren wollen aber von NCIS, FBI, DEA, Longmire,... oder anderen überlegenen Super-COPS erwischt werden. Ausser man zahlt sie an Samsung für die ARM-Chips oder ARM (jetzt Japanisch) für die ARM-Chips oder an Musiker im Trailer-Park für iTunes-Songs usw.

Davon abgesehen hätte man das SOFORT erklären können.

Und so toll ist Deutschland auch nicht:
http://www.investopedia.com/articles/wealth-management/121515/top-10-european-tax-havens.asp

WIR bezahlen ständig.
Apple verprasst die Gewinne der Kleinaktionäre zumindest nicht, wohingegen Google oder Yahoo fast alle Aufkäufe in den Sand gesetzt haben und fürs Volk extrem super-nützliche Produkte wie Google Glass oder ARA auch nicht mal mehr existieren. Skype und Paypal werden auch nicht besser seit dem Aufkauf durch Ebay vor 10-15 Jahren.

Wer beim Neuen Markt alles verloren hat, preist Apple und verachtet Boni-Mis-Manager und ihre Lobby-Freundes-Kreise welche für das Unheil verantwortlich sind. Auch die Presse bejubelt und dann guckt man doof aus der Wäsche wenn mal wieder alle arm sind oder ihr Kickstarter-Projekt nicht kriegen oder Cisco 14.000 Stellen streicht während der angebliche Fachkräftemangel immer noch monatlich bejammert wird obwohl jedes mal mehr widersprechende Kommentare unten drunter erscheinen. Da kann man auch Werbung für Blackberry oder Nokia-Handies oder Benziner-Autos machen, wenn es längst das Iphone oder den Tesla3 gibt.

Mal sehen wie die Wahl ausgeht... Aber bei BREXIT dachten die möchtegern-cewlen Hippster-iphone-Twitter-Facebook-Instagramm-smarty-Smartphone-Engländer ja auch "Ach ich geh nicht wählen." und haben jetzt den Salat und waren wohl weit weniger smart als ihr Smartphone... Das sollte jeder Imbiss-Döner-Besitzer jedem Kunden klar machen. Sonst wird der Döner und Pizza vielleicht verboten... Aber hinterher ist man immer schlauer. So wie die vielen selbstverliebten UK-Hipster welche sich zu kewl waren um zur Wahl zu gehen weil da Rentner ohne Handy in der Schlange stehen und man seinen Wahlschein nicht twittern darf... Mal sehen ob um 18:01 am Sonntag das Gejammer groß wird. Das Gesicht der FDP bei der letzten Bundeswahl war ja auch "überraschend"...

Wie üblich fehlt immer noch eine Theorie der Besteuerung. Aber munter Nobelpreise während Wirtschaftskrisen verteilen und dabei sind die gar nicht offiziell von Nobel gestiftet worden und heissen offiziell wohl auch anders... . Da haben sich die BWLer und ihre Freunde einfach copy-cat-mäßig drangehangen so wie die Samwers Alando als Ebay-Clone aufbauten.
Die nächste Rezession kommt sicher. Zwingt der Staat die DAX-Konzerne zu sparen und die Abwrack-Prämie endlich durch die Bonis zurückzuzahlen ? Oder ist jedes räudige Eichhörnchen im Wald schlauer und muss nicht mit Milliarden gerettet werden obwohl Leute mit Diplom und Dr.Titeln die Unternehmen anführen ?

Die deutsche Wirtschaftspresse hat uns weder vor den Ost-Immobilien, noch vor dem Newconomy-Neuen Markt Crash und natürlich auch nicht vor Lehmann-Brothers-Immobilien-Banking-Auto-...Krise 2009(oder so) gewarnt. Damit ist deren Wert zur Verbesserung fürs Volk recht klar einzuschätzen... Da wird sogar kritiklos Mindestlohn-Feinden von Startups mit Zillionen-Runden Recht gegeben.
Davon wird das Land nicht besser.

Ein 1860er soll erst mal selber voran kommen, bevor er an Bayern München herumkritisiert.
Apples Aktionäre werden nicht von Boni-Managern ausgeplündert welche die Firma zum Verkauf herunterwirtschaften (Nokia und Yahoo) und dann oft wohl noch Millionen-hohe Abfindungen kriegen.

Antworten
Jason

Was zur Hölle stimmt mit dir (BOT?) nicht?!

Antworten

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