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Drogerieketten attackieren Amazon: „Kaum ein Artikel davon darf hierzulande überhaupt vertrieben werden“

Die Ketten Rossmann, Dm und Douglas haben 24-Beauty-Bestseller von Amazon untersucht und Mängel festgestellt. (Foto: dpa)

Die Drogerieketten Dm, Rossmann und die Parfümeriekette Douglas haben 24 Amazon-Artikel untersucht und klagen rechtliche Mängel an. Ausländische Verkäufer sollen mangelhaft kontrolliert worden sein. Die Einzelhändler fordern medienwirksam Abhilfe.

Dm, Rossmann und Douglas haben 24 von 100 Artikel der Kategorie Beauty in einem Labor untersuchen lassen und bei 22 davon insgesamt 93 Rechtsverstöße festgestellt – in einem Haarwuchsmittel auch pathogene Keime. Die Ergebnisse haben die Händler zusammen mit der Forderung nach mehr Regulierung großer Plattformen wie Amazon und Ebay der Bundesregierung übergeben, so berichtet am 6. Juni die Hannoversche Allgemeine Zeitung.

Dm, Rossmann und Douglas beklagen erhebliche Wettbewerbsnachteile und Verbrauchergefährdung

Im Gegensatz zu stationären Händlern sollen Plattformen wie Amazon keinen Produktkontrollen unterliegen, da die Behörden die Plattformen aufgrund des Sitzes im nicht-europäischen Auslands nicht sanktionieren können. So beklagen sich Dm, Rossmann und Douglas in einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung.

Die Händler sehen darin „erhebliche Wettbewerbsnachteile“ und eine „immense Gefährdung der Verbraucher“. Und fordern von den zuständigen Bundesministerinnen Katarina Barley (Justiz), Julia Klöckner (Verbraucherschutz) und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär, dass Plattformbetreiber wie Amazon und Ebay „in die Produktverantwortung genommen werden“.

22 von 24 untersuchten Beauty-Artikeln bei Amazon rechtlich mangelhaft

Dm, Rossmann und Douglas haben im Marktplatz von 100 ausgewählten Artikeln 24 in einem Labor untersuchen lassen, darunter auch umsatzstarke Bestseller. Nur zwei der Artikel sollen rechtlich einwandfrei gewesen sein. Die 93 Verstöße sollen unter anderem fehlerhafte oder unverständliche Warnhinweise auf der Verpackung, nicht deklarierte Allergene oder unlautere Werbeaussagen beinhalten – in einem Einzelfall war ein Haarwuchsmittel laut Untersuchung „stark mit pathogenen Keimen belastet“.

Die Schlussfolgerung der Kettenbetreiber: „Übertragen auf alle kosmetische Mittel, die millionenfach auf Plattformen wie dem Amazon Marketplace in Deutschland erhältlich sind, bedeutet dies: Kaum ein Artikel davon darf hierzulande überhaupt vertrieben werden.“

Angesichts der Stichprobengröße von 24 Artikeln aus einem Sortiment von Millionen Artikeln stellt sich die Frage, wie viel Aussagekraft die Untersuchung im Hinblick auf das gesamte Sortiment von Ebay und Amazon besitzt. Rossmann verweigerte auf Nachfrage die Herausgabe der Untersuchung an t3n und verwies auf den Artikel „Gefährliche Bestellung“ im Spiegel vom 2. Juni 2018. Auf die Frage, ob die Veröffentlichung der Untersuchung geplant sei, hat Rossmann bisher geschwiegen. Der Spiegel führt in seinem Artikel neben dem bereits erwähnten, keimverseuchten Haarwuchsmittel drei weitere Beispiele auf: ein Puder, das die zulässigen Grenzwerte für Blei und Parabene überschreitet, ein Öl, das nichtdeklarierte Allergene enthält und einen Etikettenschwindel bei einem Arganöl-Shampoo ohne Arganöl.

Ein Sprecher von Amazon betont, dass die Sicherheit der Kunden oberste Priorität habe: „Wir überprüfen die auf unserer Website gelisteten Produkte mit Blick auf Sicherheitsbedenken und sofern notwendig, entfernen wir ein Produkt und wenden uns an Verkäufer, Hersteller und Behörden, um mithilfe zusätzlicher Informationen eventuelle weitere Maßnahmen zu ergreifen.“ Amazons Untersuchung der fraglichen Produkte würde noch laufen, der Konzern wolle alle notwendigen Maßnahmen ergreifen.

Forderungen der Einzelhändler sind medienwirksam, aber wenig realistisch

Da es sich bei den getesteten Artikeln unter anderem auch um Bestseller handelt, die tausendfach verkauft wurden, ist das Ergebnis der Untersuchung ohne jeden Zweifel relevant. Dass Dm, Rossmann und Douglas von 24 Bestsellern undifferenziert auf Millionen Produkte im Onlinehandel schließen, ist eher dem eigenen Werbeinteresse zuzurechnen.

Die Forderung, Amazon in die Produktverantwortung zu nehmen, ist abstrus, weil Amazon wie jeder Onlinehändler theoretisch rechtlich schon in der Produktverantwortung ist. Dass die angebotenen Produkte formell die rechtlichen Anforderungen erfüllen, dass alle notwendigen Produktinformationen klar verständlich auf der Website präsentiert werden – das kann und muss eingefordert werden. Das wesentliche Problem, das es hingegen politisch zu lösen gilt, ist die generell mangelhafte Kontrolle der Produkte im europäischen Onlinehandel durch die staatlichen Organe. Die Kontrolle der Lebensmittelsicherheit ist Aufgabe staatlicher Organe und hat nichts in den Händen eines Marktplatzbetreibers wie Amazon zu suchen.

Was Verbraucher beim Kosmetik-Kauf im Netz beachten sollten

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit empfiehlt in einem umfangreichen Flugblatt unter anderem, darauf zu achten, dass der Sitz des Kosmetikverkäufers innerhalb der EU liegt, denn nur dann könnten Verbraucher auch davon ausgehen, dass die Produkte in der EU verkehrsfähig sind – und so auch theoretisch die dazugehörigen Verordnungen und Bestimmungen einhalten. Diese Informationen finden Verbraucher im Impressum des Händlers, das bei Amazon durch einen Klick auf den Verkäufernamen im jeweiligen Produktangebot erreichbar ist.

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2 Kommentare
Rolf Kloepping

Sehr überraschend finde ich doch den Hinweis des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, man solle darauf „achten, dass der Sitz des Kosmetikverkäufers innerhalb der EU liegt, denn nur dann könnten Verbraucher auch davon ausgehen, dass die Produkte in der EU verkehrsfähig sind“. Ist das wirklich das gleiche Bundesamt, das von Politikern gesteuert wird, die gerade durch eine Vielzahl sogenannter „Handelsabkommen“ für eine völlige Aufgabe des europäischen Verbraucherschutzes sorgen ?

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Rolf Kloepping

Mich überrascht vor allem, dass das „Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit empfiehlt, darauf zu achten, dass der Sitz des Kosmetikverkäufers innerhalb der EU liegt, denn nur dann könnten Verbraucher auch davon ausgehen, dass die Produkte in der EU verkehrsfähig sind – und so auch theoretisch die dazugehörigen Verordnungen und Bestimmungen einhalten.

Ist das wirklich das gleiche Bundesamt, das von Politikern gesteuert wird, die gerade über eine Vielzahl von sog. „Handelsabkommen“ jeglichen Verbraucherschutz in Europa außer Kraft setzen und mittels des eingebauten Investitionsschutzes und der Sondergerichtsbarkeit Konzern-gesteuerter Schiedsgerichte wirksame Verbraucherschutzmaßnahmen für alle Zukunft verhindern?

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