Analyse

E-Commerce: Berechnung schätzt den Consumer-Markt auf mehr als 100 Milliarden Euro

(Foto: Shutterstock)

22Die deutschen Konsumenten haben 2016 erstmals über 100 Milliarden Euro online ausgegeben – mehr als ein Fünftel des gesamten Marktvolumens im Einzelhandel, sagt eine Berechnung.

Wie groß das gesamte Volumen im Einzelhandel ist? Das Statistische Bundesamt und der Verband HDE beziffern es auf 486 Milliarden Euro. Eine Berechnung der Unternehmensberatung Schickler soll den gesamten B2C-Onlinemarkt abbilden.

„Wir betrachten dabei nur den privaten Konsum, das bedeutet, keine Käufe durch Unternehmen“, erklärt Janko Binnewies, Data-Scientist bei Schickler in Hamburg. Erfasst wird das gesamte Netto-Umsatzvolumen, unabhängig davon, ob es sich um Einmalzahlungen oder Abonnements handelt. Bei Marktplätzen und Aggregatoren wie Check24 betrachtet Schickler den gesamten Wert der Waren und Dienstleistungen und nicht nur die Gebührenerlöse. Gebühren, Steuern oder Strafzahlungen bleiben dagegen außen vor.

Zur Aufbereitung der Zahlen hat Binnewies eine Struktur eingeführt, die auf Begrifflichkeit beruht, die bislang im Markt nicht üblich sind. Er unterteilt erstens die Käufe in offline und online, zweitens die Auslieferung von Waren und Dienstleistungen in diese beiden Dimensionen. So ist zum Beispiel E-Learning ein Produkt, das online gekauft und geliefert wird, wogegen Reisen und Fotos online gebucht beziehungsweise bestellt, aber physisch erfahren und ausgeliefert werden. Zugrunde liegen dabei Berechnungen und Prognosen von Organisationen wie dem BeVH und PwC sowie eigene Berechnungen.

E-Commerce auch in Zukunft größter Bereich

Den weitaus größten Bereich macht auch in Zukunft der klassische E-Commerce aus, also der Handel mit physischen Produkten. Im vergangenen Jahr waren es rund 52,5 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 12 Prozent. 2017 sollen es 57,7 Milliarden sein – 10 Prozent mehr als 2016. Auch mit physischen Dienstleistungen wie Reisen und Fotos wird ordentlich Umsatz gemacht. Das Volumen lag 2016 bei 44,9 Milliarden Euro, 2017 sollen es 48,2 Milliarden sein. Digitale Produkte und digitale Dienstleistungen sind dagegen ein kleinerer Bereich. Zu digitalen Produkten gehören Software, Video, Audio und E-Publishing. Sie kommen auf 6,1 Milliarden Euro und werden auch 2017 mit 20 Prozent weiter stark wachsen.

Digitale Dienstleistungen entwickeln sich deutlich langsamer. Dazu zählt Schickler Glücksspiel, Kontaktportale wie Partnerschaftsbörsen und Datingportale sowie E-Learning, die zusammen 2016 rund 2,1 Milliarden Euro Volumen umsetzten und damit gerade mal 5 Prozent Zuwachs erzielten. Insgesamt lag der Umsatz, den Schickler auf diese Weise ermittelt hat, damit bei 105,6 Milliarden Euro – eine Verdopplung verglichen mit 2010. 2016 lag das Wachstum im Vorjahresvergleich bei 10 Prozent, für 2017 prognostizieren die Berater einen Anstieg um weitere 9 Prozent.

„Der digitale Handel erobert die Welt, aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann alles digital gekauft wird, ist anhand dieser Daten nicht sehr hoch“, sagt Schickler-Partner Alexander Kahlmann. Er geht davon aus, dass sich das Wachstum verlangsamen wird, zumindest solange keine weiteren bahnbrechenden Innovationen geschehen.

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