Reportage

E-Government Monitor 2018: Deutsche nutzen ihren Personalausweis kaum für digitale Behördenleistungen

Deutsche sind zurückhaltend, wenn es um die Nutzung digitaler Behördenleistungen geht. (Foto: Shutterstock-F8 studio)

Wie der aktuelle „E-Government Monitor 2019“ zeigt, steigt die Inanspruchnahme digitaler Behördenleistungen in Deutschland kontinuierlich. Allerdings weitaus langsamer als in unseren Nachbarländern.

Digitale Behördenleistungen, ob echte Dienste oder bloße Informationen, nutzen inzwischen 48 Prozent der deutschen Bürger mit Internetzugang. So hat es der E-Government Monitor 2019, eine repräsentative Befragung von 1.000 Teilnehmern, ergeben. Das ist ein Anstieg von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr und an sich zu begrüßen.

E-Government in Deutschland kommt nicht voran

Bei näherer Betrachtung jedoch sind seit der ersten Erhebung 2012 Schwankungen zu verzeichnen, die den Anstieg jetzt höher erscheinen lassen als er tatsächlich ist. Denn schon bei der ersten Erhebung lag die Nutzungsrate bei 45 Prozent. In der Langzeitbetrachtung hat sich also in den letzten sieben Jahren kaum etwas getan.

Im Vergleich zu unseren Nachbarn in Österreich und der Schweiz lesen sich die Zahlen noch deutlich nüchterner. In der Schweiz nutzen bereits 58 Prozent der Bürger digitale Dienstleistungen der nationalen Behörden. In Österreich liegt dieser Wert sogar bei 70 Prozent.

Auch die EU-Studie DESI 2019 (PDF) hatte sich mit digitalen Behördenleistungen in ihren Mitgliedsstaaten befasst. Bei der Inanspruchnahme von E-Government-Leistungen belegt Deutschland in der DESI-Studie Platz 26 von 28.

Interessant an der D21-Studie ist zudem die Betrachtung gesellschaftlicher Unterschiede. So betont Hannes Schwaderer, D21-Präsident, dass sich die Nutzung insgesamt nicht mehr am Alter, sondern an der Bildung festmache. Dabei nutzten Menschen mit hohem Bildungsabschluss zu 67 Prozent digitale Behördenangebote. Die Zahl sinke mit dem Bildungsabschluss.

Schwaderer fordert daher Behördenangebote mit „einfacher Sprache, intuitiver Bedienung und nachvollziehbarem Mehrwert“ für die Bürger. Immerhin würden digitale Behördenangebote gerade für Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen nützlich sein können.

Das sind die Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands im Ländervergleich

Die Ursache für das schlechte Abschneiden Deutschlands als Letzter im Testfeld sieht der „E-Government Monitor“, der von der Initiative D21 in Kooperation mit den Marktforschern von Fortiss herausgegeben wird, in zwei wesentlichen Bereichen.

Zum einen seien Behördenangebote teils schlicht unübersichtlich, nicht durchschaubar. Viele Dienste gebe es zudem nur regional oder sie bedürften zur Nutzung einer zusätzlichen Hardware. Mangelnde Bekanntheit sei nach wie vor ein Grund für die Nichtnutzung. Für Österreich ermittelten die Studienersteller deutlich mehr behördliche Dienstleistungen, die über die dortige Behörden-ID zugänglich sind. Österreich stellt sogar eine zentrale E-Government-Plattform zur Verfügung, die im Browser oder per App genutzt werden kann.

Zum anderen erweist sich die Identifizierung des Nutzers gegenüber der Behörde als Hemmschuh. Grundsätzlich könnte hier der elektronische Identitätsnachweis, die sogenannte eID, verwendet werden. Die findet sich seit 2017 im aktivierten Zustand auf jedem neu ausgegebenen Personalausweis, sofern der Antragsteller die eID nicht ausdrücklich abgelehnt hatte.

Laut der D21-Studie ist die eID trotz ihrer relativ großen Verbreitung nur wenigen bekannt. Nur ein Viertel derer, die einen Personalausweis mit eID haben, nutzen ihn auch oder wissen wenigstens damit umzugehen. Das kann auf verschiedene Weisen geschehen.

Technische Voraussetzungen für die eID vielfach vorhanden, aber unbekannt

Konventionell ist für Nutzung der eID ein zusätzliches Kartenlesegerät erforderlich, das nur insgesamt sieben Prozent der Bürger überhaupt besitzen. Die seit 2017 bestehende Möglichkeit, ein Android-Smartphone mit seinem NFC-Chip zum Auslesen der eID zu benutzen, war den Befragten in der D21-Studie weitestgehend unbekannt. Von 17 Prozent der Studienteilnehmer, die die technischen Voraussetzungen hatten, wussten zwei Drittel davon nichts.

Mit der neuen Generation 11 der iPhones aus dem Hause Apple können nun auch diese Smartphones für die digitale Identifizierung via eID genutzt werden. Die dafür nötige Ausweis-App 2 steht kostenlos im App-Store bereit.

Im Ergebnis nutzten so nur sechs Prozent der Befragten ihre Online-Ausweisfunktion innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren zwei bis drei Mal, und wenn, dann meist über ein Kartenlesegerät.

Deutsche bevorzugen konventionelle Authentifizierung mit verschiedenen Kennungen

Selbst ein Vorzeige-Digitaldienst wie die Elster-App der Finanzverwaltung erfreut sich unterdurchschnittlicher Nutzung. Nur ein Drittel der Steuerpflichtigen verwenden den Dienst für die eigene Steuererklärung.

Deutsche Nutzer verlassen sich zur Verwaltung ihrer Online-Zugänge immer noch weitgehend auf die klassische Kombination aus Benutzername und Passwort. Erst danach folgen Pin- und Tan-Verfahren. Der Drang zur einen Online-Identität, mit der sich das gesamte digitale Ich verwalten ließe, ist bei den Befragten überaus schwach ausgeprägt. Stattdessen wird die Verwaltung vieler verschiedener Kennungen als sinnvoll für den Schutz der eigenen Privatsphäre empfunden.

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