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Kommentar

Ebay vernichtet ein Alleinstellungsmerkmal

Ebay beschädigt sich gerade selbst. (Logo: Ebay Montage: t3n)

Imaginäre Milliardenverluste bringen Ebay dazu, die Veröffentlichung von Kontaktdaten zu verbieten. Eine Katastrophe, meint t3n-Redakteur Jochen G. Fuchs.

Ebay versucht an vielen Stellen Amazons Vorsprung aufzuholen, auch der jüngste Vorstoß des US-Unternehmens wirkt wie ein solcher Versuch – aber in die falsche Richtung, hin zu amazonesken, restriktiven Regeln für die Gestaltung von Listings. Zukünftig dürfen Händler ihre Kontaktdaten dort nicht mehr veröffentlichen. Das erschwert dem Kunden den Kontakt und treibt Händler reihenweise in die Verzweiflung. Der Grund dafür: Eine interne Untersuchung des Unternehmens fabuliert von 2,5 Milliarden entgangenen Gebühren-Umsatzes durch angebliche Geschäfte, die an der Plattform vorbei geführt worden sein sollen. Oder wie es ein Händler in einer Facebook-Gruppe ausdrückte: Gier frisst Hirn.

Ebay verbietet Kontaktdaten: Eine Katastrophe

Viele Händler binden sehr prominent und deutlich Kontaktdaten in ihre Ebay-Angebote ein. Es ist ein offenes Geheimnis unter Ebay-Händlern, dass Artikelbeschreibungen eher gescannt, statt sorgfältig gelesen werden. Viele Details werden dann gerne telefonisch erfragt, besonders bei erklärungsbedürftigen Produkten. Als Kaufbestätigung oder auch um schlicht beigelegtes Zubehör zu erfragen.

Oft steht die Information schon in der Artikelbeschreibung, trotzdem braucht der Kunde noch den Kontakt. Sei es jetzt, weil er die Info übersieht oder weil er noch weitere Fragen hat. Dann erst kommt der Kauf zustande bei Ebay. Jetzt finden sich die Kontaktdaten nur noch in den rechtlichen Informationen des Händlers – auf die der Händler laut Ebay-Grundsatz auch nicht hinweisen darf.

Hoffentlich findet der Kunde die Kontaktdaten dann eben zufällig. Die Erfahrung mit den nur oberflächlich gelesenen Artikelbeschreibungen zeigen, dass diese Hoffnung trügerisch ist. Die Händler sind verzweifelt und verärgert. Kunden dürften sich über die Regelung auch nicht freuen, wird doch der Kontakt zum Händler erschwert.

Die Milliarden, die nur in der Fantasie existieren

„Möge dich ein Controller heimsuchen“, das ist entweder ein sehr alter oder ein sehr neuer chinesischer Fluch. Diesmal hat er Ebay getroffen.

Im Wahnwitz einer internen Studie hat jemand entschieden an die Bestellungen, die an Ebay vorbei, auf dem offenen Markt getätigt werden könnten, ein Preisschild zu hängen: 2,5 Milliarden US-Dollar.

Wohlgemerkt, bei dieser Erhebung kann es sich nicht um belastbare Zahlen handeln, sondern um eine hypothetische Hochrechnung, die sich auf ebenso hypothetische Annahmen bezieht. Denn Ebay hat kein mir bekanntes Werkzeug, um tatsächlich ermitteln zu können, wie viele Kunden bei Händlern aufgrund einer Kontaktanbahnung über Ebay etwas außerhalb von Ebay bestellt haben.

Ebay denkt nämlich gerade erst über eine Art „Kontakt-Button“ nach, der bei genauerer Betrachtung nur zwei Funktionen haben wird: Den Kontakt erschweren und messen, wie oft ein Kunde bei einem Händler auf den Kontakt-Button klickt.

Das Preisschild in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar scheint dann zu einer Panikreaktion beim US-Management geführt zu haben. Und zum Kontaktverbot. Das übrigens nicht nur den Handel an Ebay vorbei erschwert, sondern den kompletten Handel auf Ebay.

Damit ließe sich dem 2,5 Fantasie-Milliarden-Verlust dann ein reeller Umsatzverlust gegenüberstellen. Besonders wenn noch zusätzlich Händlerzuwachs ausbleibt. Denn durch das Kontaktverbot vernichtet Ebay aus der Sicht eines Händlers ein Alleinstellungsmerkmal des Marktplatzes.

Let's play Amazon! Oder: Wie Ebay ein Alleinstellungsmerkmal vernichtet

Amazon gilt als sehr restriktiv, weil das Unternehmen im Regelfall seinen Händlern keine großen Gestaltungsfreiheiten einräumt. Kontaktdaten in Angebote einzufügen gestattet Amazon nicht.

Ebay tat es bisher, diese Möglichkeit einer persönlicheren Kundenbetreuung verleiht dem Händler ein Gesicht in der Uniformität des Marktplatzes. Ein klares Alleinstellungsmerkmal aus Sicht der Händler. Mit dem Kontaktverbot vernichtet Ebay dieses Alleinstellungsmerkmal und macht die Plattform unattraktiver für Händler. Schwächt sich selbst. Und alles nur, weil ein Controller schlecht geträumt hat.

Und das in Zeiten, in denen Händler wie Kunden sich eine starke Alternative als Gegengewicht zu Amazon auf dem Markt nur wünschen können. Schade, Ebay.

Zu diesem Kommentar gehört eine Meldung: Wegen Milliardenverlust: Ebay verbietet Händlern die Veröffentlichung von Kontaktdaten.

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8 Reaktionen
Klaus Gehringer

der grösste teil was Deutschland betrifft ist diese nicht rentabel EBAY soll bleiben so wie es ist,
den irgendwan ist die verdienst grenze erreicht und umso mehr hürden, ? werden sich rechen

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Dieter

Lern mal Deutsch Junge

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vera

Beratungsintensive Produkte werden sich dadurch in Zukunft schlecht bis gar nicht auf eBay verkaufen. Bislang haben Käufer Fragen zum Produkt durch einen schnellen Anruf klären können um dann den Kauf auf eBay abzuschließen. Es geht da auch ein Stück um Bequemlichkeit, als Mitglied bei eBay ist ein Kauf dort Ruck Zuck abgeschlossen. Die meisten Käufer haben schlichtweg keine Lust nach Klärung Ihrer Fragen noch einmal den Shop des Verkäufers aufzusuchen, sich dort aufs neue das passende Produkt zu suchen um anschließend dort das Anmelde- und Zahlungsprozedere zu durchlaufen.

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Holle

Ich hoffe, das belebt das Geschäft. Die hohen Gebühren sind mir seit langem ein Dorn im Auge, aber bisher kann niemand mit eBay konkurrieren, dafür ist die Plattform zu prominent. Ein bisschen wir auf Mitfahrbörsen.
Hoffentlich bewegt der Schritt mehr Händler dazu, auf andere Plattformen zu wechseln.

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Thomas

Eine krampfhafter Versuch an vermeintliche Gelder zu gelangen. Das verschreckt Käufer genauso wie Verkäufer. Wie soll ein vernünftiges Geschäft ohne Kommunikation funktionieren?
Den einzige Vorteil haben die schwarzen Schafe unter den Verkäufern- mehr Ruhe vor aufgebrachten Kunden.
Bei 10% Provision die Verkäufer zu berappen haben, ist Ebay schon bei Vielen nicht mehr die erste Wahl was den Verkauf angeht.

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Bibo

Also ich persönlich habe noch nie Kontakt zu einem Händler aufgenommen bevor ich was gekauft habe. Ich denke das trifft nur auf größere oder spezielle Anschaffungen zu.

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Taxi

mE hat ebay durch diesen Schritt ein reales Problem für sich erkannt - die hohen Gebühren die ebay kassiert können so umgangen werden. Gleiches gilt für Amazon. Beim Preisvergleich gehe ich selbst regelmäßig auf die "privaten" Stores der Händler. Eine Kommunikation mit dem Händler zb via Telefon die nun erschwert werden soll kann ich nicht nachvollziehen. Absprachen laufen über das kontaktform bei ebay und seltenst will ich mit dem Händler sprechen, eigentlich nie. Im übrigen veröffentlicht Amazon den Händler genauso. Nur die meisten Händler füllen das Impressum mäßig aus. Wohlwissend!

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Christian

Und neben dem Kontaktverbot, welches nicht nur zu weniger Verkäufen, sondern wohl auch zu einer höheren Retourenquote führen wird, sollen wir auch noch kostenlose Retouren innerhalb von 60 Tagen anbieten, also effektiv steigende Kosten. Dabei sind die Kosten auf eBay durch die höheren Shop-Preise und gestrichene Rabatte schon gestiegen.

Irgendwann ist einfach die Schmerzgrenze erreicht. Vor allem wo wir alle unsere Artikelbilder und Texte den Wettbewerbern ab August kostenlos zur Verfügung stellen sollen.

Ich glaube eBay schaufelt sich da sein eigenes Grab.

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