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Analyse

Trubel bei den Fintechs: Wie Donald Trump die Szene beeinflussen könnte

Donald Trump soll den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen planen. (Foto: dpa)

Trumps Wahl zum Präsidenten war erst der Anfang – doch wie sehen mögliche Auswirkungen der Wirtschaftspolitik von Donald Trump auf europäische Fintechs aus? Eine Analyse. 

Vier Monate ist es jetzt her, dass Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde. Jobs schaffen und die Konjunktur ankurbeln – so lauteten seine zentralen Wahlversprechen. Dazu plant Trump ein Bündel an Maßnahmen: unter anderem Steuersenkungen, Infrastrukturinvestitionen, Deregulierung und natürlich Protektionismus – häufig unter „Trumponomics“ zusammengefasst.

Entscheidungen, die im Weißen Haus getroffen werden, betreffen allerdings in der Regel nicht nur die USA. Sie wirken sich auf die ganze Welt aus, insbesondere auf den historisch und ökonomisch stark mit den Vereinigten Staaten verwobenen Europäischen Staatenbund. Dies gilt vor allem für den global vernetzten Technologiesektor und hier im Speziellen für die Fintech-Branche, auf die Trumps Politik durch eine Reihe von Schlüsselbestimmungen immensen Einfluss haben kann.

Deregulierung der Finanzmärkte in den USA

Als am 10. November klar war, dass Donald Trump der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird, spielten die Finanzmärkte sofort verrückt. Zunächst sackten die Börsen ab, um sich wenige Stunden später wieder auf Rekordniveau zu erholen. Märkte und Investoren wetteten darauf, dass Trump seiner protektionistischen Linie treu bleiben würde, stark in die Infrastruktur investieren und die Steuern für US-Unternehmen senken würde, was der US-Wirtschaft einen Schub versetzen würde.

Bereits während des Wahlkampfs kündigte Trump eine Reihe von Maßnahmen an. Dazu zählt eine drastische Senkung der Körperschaftssteuer, die Unternehmen auf Gewinne bezahlen, von etwa 35 auf 15 Prozent. Mit diesen Steuervergünstigungen will Trump US-Firmen Anreize setzen, wieder mehr in den USA zu investieren. Die Körperschaftssteuer gilt zwar für alle Unternehmen in allen Branchen, allerdings zahlen Banken aufgrund ihrer hohen Einkommensströme die meisten Steuern und würden so besonders von einer Steuersenkung profitieren.

US-Fintechs in der Abwärtsspirale?

Für US-Fintechs sind die Aussichten weit weniger rosig als für US-Banken.

Für US-Fintechs sind die Aussichten weit weniger rosig als für US-Banken. Hauptgrund dafür: Trump plant, den Dodd-Frank-Act zur Regulierung der Finanzbranche, den die Obama-Regierung 2010 als Reaktion auf die Finanzkrise erlassen hat, zu wiederrufen. Das Gesetz zielt auf eine Stabilisierung des US-Finanzmarkts, indem es die Verantwortlichkeiten und Transparenz im Finanzsystem reguliert. Unter anderem soll damit verhindert werden, dass Großunternehmen und -banken mit Steuergeldern gerettet werden müssen.

Außerdem hat der Dodd-Frank-Act seinerzeit mehrere Regulierungsbehörden geschaffen, darunter das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB).

Es hat die Aufgabe, undurchsichtige Kreditpraktiken zu verhindern und zu überwachen, dass Hypothekenkredite nicht mehr so leichtsinnig vergeben und Verbraucher bei Finanztransaktionen nicht getäuscht werden. Bis 2016 wurden durch die Behörde bereits Strafen in Milliardenhöhe gegen Geldinstitute verhängt. Nun plant Trump, die Autonomie und das Budget des bisher äußerst Fintech-freundlichen CFPB zu reduzieren. Darunter dürfte die Förderung von Fintechs durch das CFPB stark leiden.

Wenn das Dodd-Frank-Gesetz aufgehoben würde, erhielten US-Banken wie internationale Banken außerdem durch höhere Gewinnspannen einen Anreiz, ihr Geschäft in die USA zu verlegen, wohingegen Fintechs nicht mit Vorteilen rechnen könnten. Die Aussicht auf eine Lockerung der Bankenregulierung durch Trump hat die Aktien von Geldhäusern bereits stark steigen lassen.

Der Sektor für Finanztechnologie war durch agile Technologien und Geschäftsprozesse in vielen Bereichen bis dato im Vorteil gegenüber etablierten Banken. Dies war immer auch ein entscheidender Faktor für sein starkes Wachstum. Durch die neuen Freiheiten der Banken würde er jedoch erstmals unter starken Druck seitens des Marktes geraten. Wenn Banken höhere Gewinne erzielen, werden sie risikoreicheren Geschäftspraktiken nachgehen, im Kreditmarkt beispielsweise eher zur Vergabe risikoreicher Kredite bereit sein. Im Ergebnis würden Marktanteile aus der alternativen Finanzbranche hin zu multinationalen Banken wandern.

Europäische Finanztechnologie im Aufwind

Im Vergleich zu den USA ist in Europa ein gegenteiliger Trend zu beobachten: Hier zeigen sich mit der Neuauflage der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, die bis 2018 implementiert werden muss, Anzeichen für eine Regulierung, von der Fintechs deutlich profitieren dürften. Die Prämissen, auf denen die PSD2 basiert, sind vielversprechend: Die durch die Direktive geschaffene Rechtssicherheit schafft Vertrauen in Anbieter von Finanzdienstleistungen, was von Verbraucherseite für vermehrtes Kapital im gesamten Markt sorgen dürfte. Außerdem ist davon auszugehen, dass innovative Player im Fintech-Bereich die PSD2 deutlich schneller umsetzen können als traditionelle Banken. Daraus ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für Fintechs. So ist beispielsweise schon jetzt zu beobachten, dass der alternative Finanzsektor deutlich schneller und zu niedrigeren laufenden Kosten Kredite vergeben kann als traditionelle Banken.

Die USA bewegt sich unter Trump auf ein traditionelles Bankenmodell zurück, indem traditionelle Banken dereguliert und Fintech-freundliche Regulierungen eingeschränkt werden. Das könnte dazu führen, dass traditionelle Banken Europa Richtung USA verlassen.

Indem die EU Fintech-freundliche Regulierungen implementiert, trägt sie dazu bei, dass der alternative Finanzsektor das in Europa durch den Fortgang der traditionellen Banken entstehende Machtvakuum füllen könnte. Auf diese Weise könnten Trumponomics der entscheidende Faktor sein, einen starken europaweiten Fintech-Markt zu etablieren.

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