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Vom Einhorn zum Insolvenzfall: Wie dieses Startup 99,8 Prozent an Bewertung einbüßte

Ve Interactive galt einst als vielversprechendes Startup. Das war einmal. (Screenshot: Ve Interactive)

Einst galt das britische Startup Ve Interactive als Einhorn und wurde mit 1,5 Milliarden Pfund bewertet. Doch eine geplatzte Finanzierung ließ diesen Wert nun auf einen Bruchteil schrumpfen.

Noch im März 2016 bezahlten Investoren für einen Anteil von 0,43 Prozent an dem Startup Ve Interactive vier Millionen Pfund (etwa 4,7 Millionen Euro). Die Bewertung des britischen Adtech-Unternehmens lag zu Hochzeiten sogar bei rund 1,5 Milliarden Pfund (1,8 Milliarden Euro). Mit dem Versprechen, die Konversionsraten im E-Commerce zu erhöhen, zog es Investoren in Scharen an.

Diese Zeiten sind allerdings vorbei: Ende April musste die 2009 gegründete Firma Insolvenz anmelden und wurde in einem so genannten Management-Buyout veräußert. Jetzt wurde bekannt, wie viel sie zu diesem Zeitpunkt noch wert war: nur noch zwei Millionen Pfund. Damit hat sich die einstige Bewertung um unglaubliche 99,8 Prozent reduziert.

Investoren „enttäuscht“ von früherem Hype-Startup

Der Fall von Ve Interactive ist eine der spektakulärsten Pleiten der vergangenen Jahre. Seit März 2017 gingen deutliche Warnsignale von dem Unternehmen aus. Das Startup erhielt eine Rettungsfinanzierung in Höhe von drei Millionen Pfund, die Bewertung sank auf 300 Millionen Pfund, der Gründer und Geschäftsführer David Brown musste gehen. Der britische Telegraph schrieb schon damals, der Wert des Unternehmens sei „zerfetzt“ worden. Doch das Geld kam zu spät, der Insolvenzantrag folgte nur einen Monat später. Im Zuge dessen wurde öffentlich, dass das Unternehmen dem britischen Staat allein 1,3 Millionen Pfund an Steuern schuldet. Insgesamt warten Gläubiger auf 50 Millionen Pfund von Ve Interactive.

Morten Tonnesen ist seit März 2017 der Chef von Ve Interactive, einem Adtech-Startup. Die Insolvenz konnte er nicht mehr verhindern. (Foto: Ve Interactive)

Die früheren Investoren zeigen sich angesichts der Riesenverluste wenig begeistert. Er sei „sehr enttäuscht“ von dem Verfall der Bewertung, heißt es jetzt vom Risikokapitalgeber Concha. Der Wert sei „ausgelöscht“ worden. Der Investor hatte schon zuvor erwogen, das Management-Buyout zu verhindern. In seinem jetzigen Statement betont er, dass er die „Handlungen der Verantwortlichen dieses Untergangs“ weiter untersuchen werde.

Ve Interactive hat seine Gewinnziele mehrfach verfehlt.

Ve Interactive war im April von seinem Management-Team gekauft worden. Dadurch erhoffte sich die Führungsriege, das Unternehmen und etwa 250 Arbeitsplätze zu erhalten. Sie will den Kern der Firma restrukturieren und das verbleibende Bargeld nutzen, um schnell profitabel zu werden. Zuvor hatte Ve Interactive die Gewinnziele mehrfach verfehlt. Allein 2015 machte das Unternehmen ein Minus von 16,5 Millionen Pfund. Um die ausstehenden Forderungen der Gläubiger zu begleichen, sollen alle Vermögenswerte des einstigen Einhorns begutachtet und gegebenenfalls veräußert werden. Die Insolvenzverwalter von Smith and Williamson sagten, sie wollten die „Position der Gläubiger maximieren“.

Solche massiven Abwertungen eines Unternehmens sind nicht ungewöhnlich, aber in so einem späten Stadium selten. Dass die Bewertung von Ve Interactive ursprünglich so hoch lag, hing mit den Erwartungen der Risikokapitalgeber zusammen. Wie viel ein Startup wert ist, berechnen sie auf der Grundlage von Prognosen. Wenn diese nicht erfüllt werden, ziehen sich Geldgeber oft zurück – wie auch in diesem Fall. Das Unternehmen hätte Anfang 2017 noch einmal 20 Millionen Pfund benötigt. Doch den Investoren fehlte schlicht das Vertrauen in den Erfolg der Firma, um noch einmal so viel Geld locker zu machen. Die drei Millionen Pfund, die das Startup im März erhielt, reichten am Ende nicht aus, um es am Leben zu erhalten.

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