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Eklat beim W3C: EFF verlässt Web-Gremium unter Protest

W3C-Direktor und Web-Erfinder Tim Berners-Lee. (Foto: Shutterstock.com)

Der Streit um die Einführung eines Kopierschutzstandards für Web-Inhalte ist eskaliert: Nach einer knappen Abstimmung verlässt die Bürgerrechtsorganisation EFF jetzt unter Protest das W3C-Gremium.

Streit beim W3C: Electronic-Frontier-Foundation verlässt das Web-Gremium

Seitdem das Ende von Flash absehbar war, arbeiten Medienkonzerne und Streaming-Anbieter an einem offiziellen Web-Standard, der eine Einbindung von Kopierschutzmechanismen direkt in den Browser erlauben soll. Das Thema sorgt unter den verschiedenen Mitgliedern des World-Wide-Web-Consortium (W3C), das als Gremium für die Standardisierung von Web-Technologien zuständig ist, bereits seit einer ganzen Weile für Streit. Der ist jetzt eskaliert: Die Electronic-Frontier-Foundation, die sich für die Bürgerrechte im digitalen Raum einsetzt, hat sich unter Protest aus dem W3C zurückgezogen.

Auslöser war zunächst eine Entscheidung von W3C-Direktor und WWW-Erfinder Tim Berners-Lee, der sämtliche Einwände gegen den Kopierschutzentwurf abgewiesen hatte. Daraufhin hat die EFF offiziell Einspruch eingelegt, was ein bislang einmaliger Vorgang in dem Web-Gremium ist. Als Folge kam es zu einer Abstimmung die mit 58,4 Prozent der Stimmen für den Browser-Kopierschutz denkbar knapp ausging. Die EFF zog daraus ihre Konsequenzen und hat mit sofortiger Wirkung das W3C verlassen.

Die Electronic-Frontier-Foundation (EFF) hat unter Protest das World-Wide-Web-Consortium (W3C) verlassen. (Grafik: Electronic-Frontier-Foundation)

W3C: Was die EFF an dem Kopierschutzmechanismus bemängelt

Der Web-Standard um den es geht nennt sich „Encrypted-Media-Extension“ (EME). Dabei handelt es sich um eine API über die sich Kopierschutzmechanismen, deren genaue Funktion vom Nutzer nicht einsehbar sein soll, direkt in den Browser integriert werden können. Für die EFF liegt das Problem vor allem darin, dass es in den USA und anderen Nationen grundsätzlich illegal ist, Kopierschutzmechanismen zu umgehen.

Nach Argumentation der Bürgerrechtsorganisation würde das jedoch bedeuten, dass auch Sicherheitsforscher keinen legalen Weg hätten, um etwaige Sicherheitslücken aufzuspüren, die potenziell alle Web-Nutzer betreffen würden. Daher hatte die EFF einen Konsensvorschlag unterbreitet: Das W3C sollte über seine Patentrichtlinien sicherstellen, dass Unternehmen eine Umgehung des Kopierschutzes nur dann juristisch verfolgen dürfen, wenn sie mit einer tatsächlichen Urheberrechtsverletzung einhergeht.

Dieser Vorschlag wurde jetzt jedoch mehrheitlich abgelehnt. Der EFF-Sprecher und Science-Fiction-Autor Cory Doctorow erklärt dazu in einem offenen Brief: „Heute hat das W3C den Browsern von Milliarden von Menschen einen rechtlich nicht überprüfbaren Angriffsvektor vermacht. Sie geben Medienunternehmen die Möglichkeit diejenigen zu verklagen oder einzuschüchtern, die Videos für Menschen mit Behinderungen anpassen wollen. Sie stellen sich gegen Archivare, die versuchen, die öffentlichen Aufzeichnungen unserer Ära zu bewahren.“

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