Ratgeber

Elektrogeräte-Rücknahme wird zur Abmahnfalle für Händler – alle Infos im großen Ratgeber

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Was Onlinehändler jetzt machen müssen: Pflichten aus dem Elektro-Gesetz in der Übersicht

  1. Verbraucher über die Pflichten des Händlers und des Verbrauchers ausführlich informieren: Dazu gehören gesetzliche Grundlagen, Rücknahmestellen des Händlers sowie die Pflicht des Verbrauchers zur sachgerechten Entsorgung. Zudem muss der Verbraucher darüber informiert werden, dass er selbst für die Sicherheit seiner Daten Sorge trägt: Massenspeichermedien müssen eigenständig gelöscht oder gesichert werden.
  2. Das Mülltonnen-Symbol: Verbraucher müssen mit dem Symbol einer durchgestrichenen Mülltonne auf der Verpackung vom Hersteller darüber informiert werden, dass das Gerät nicht in den Hausmüll darf. Onlinehändler müssen ihren Kunden das Symbol zeigen und erklären.
  3. Rücknahmestellen in räumlicher Nähe des Kunden anbieten oder eine Versandlösung anbieten: Praktisch bedeutet das, dass entweder die Rücknahme der Geräte in den Retourenprozess eingearbeitet werden muss oder ein Entsorgungspartner beauftragt werden muss, der ein entsprechendes Netz an Annahmestellen unterhält. Die Unternehmen Take-e-Way oder Wee Return bieten diese Dienstleistungen beispielsweise gegen monatliche Pauschalen an. Preislich variieren die Angebote am Markt enorm. Die beiden genannten bieten monatliche Tarife im zweistelligen Euro-Bereich an, bei eigener Registrierung und Anmeldung liegen die Branchenschätzungen im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich. Hinzu kommen jeweils die Gebühren für die tatsächlich zur Entsorgung gemeldeten Geräte.
  4. International tätige Onlinehändler müssen sich in jedem Land der EU registrieren: Spätestens hier wird es schwierig. Händler müssten für eine Registrierung der Ware bei der Stiftung EAR eine Niederlassung und einen Rücknahmebeauftragten vorweisen. Ab hier hilft nur noch der Entsorgungspartner – die Versandlösung alleine ist nicht mehr ausreichend.
  5. Elektrogeräte zurücknehmen: Unabhängig davon, ob der Kunde etwas kauft oder nicht, muss jedes Elektrokleingerät mit einer Kantenlänge von maximal 25 Zentimeter zurückgenommen werden. In Verbindung mit einem Kauf eines gleichartigen Gerätes, können Kunden auch Elektrogeräte jeder Größe zurückgeben – zum Beispiel einen Kühlschrank, wenn gleichzeitig ein neuer Kühlschrank gekauft wird.

Weiterführende Informationen zum Elektro-Gesetz für Onlinehändler finden sich unter anderem in einer Broschüre vom Verband Bitcom, einem ausführlichen Post im Shopbetreiber-Blog oder bei der IT-Recht-Kanzlei München.

Beispiele für eine Umsetzung der WEE-Richtlinie beziehungsweise des Elektrogesetzes finden sich auf den Recycling-Seiten von Amazon.de, Notebooksbilliger.de und Reichelt.de. Letztere setzen die Rücknahme im Retourenprozess um und bieten Kunden rechtskonform ein kostenfreies Retourenticket an. Reichelt verwies bis vor kurzem auch auf die Wertstoffhöfe der politischen Gemeinden, was von Rechtsexperten als problematisch betrachtet wird. Auf einen solchen, zusätzliche Hinweis sollten Händler besser verzichten – aufgrund unseres Hinweises verzichtet auch Reichelt mittlerweile darauf.

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2 Kommentare
HerrHandel
HerrHandel

Dieses Gesetz ist schon ein echter Super-Gau. Übernimmt Amazon eigentlich diese Pflichten, wenn man nur über Amazon-FBA macht?

Antworten
Rainer Bloedsinn
Rainer Bloedsinn

Ich habe schon viel Bürokratie erlebt, aber die Stiftung EAR schlägt alles, selbst deutsches Steuerrecht. Was nur ein Hinweis darauf ist, wie hoch die EAR die Latte für andere gelegt hat. Die „Umsetzung“ kann man nur als die kranke Kopfgeburt eines völlig durchgeknallten Beamten bezeichnen – die obendrein am eigentlichen Ziel im Ergebnis auch noch vorbeischießt.
Ohne Details zu nennen: Ich sollte einmal ein Unternehmen registrieren, welches nur „zufällig“ in den Regelungsbereich des Gesetztes fiel, da es sich ansonsten von Elektroprodukten fernhält. Die fraglichen Mengen und beträge waren lächerlich.
3 Anläufe zur Registrierung schlugen fehl – teilweise aus haarsträubenden bürokratischen Einwendungen der Stiftung EAR.
Ein vereinfachten Pauschal-Gebühren-Verfahren für Kleinmengen gibt es nicht (Originalkommentar zu dieser Frage: „Na so einfach wollen wir es ihnen aber nicht machen…“).
Nachdem dann auf ZDF NEO zufällig ein Bericht über die Müll-Mafia lief in dem gezeigt wurde, wie tonnenweise Kühlschränke, TV-Geräte und und und nach Afrika zur „Verwertung“ (sprich: Kinder kokeln das Plastik von den Kabeln…) geschickt werden, habe ich es einfach dran gegeben.
Gut gemeint ist nicht gut gemacht – die Stiftung EAR gehört sofort eingestampft, denn sie ist für mich DAS Beispiel sinnfreien bürokratischen Overkills aus politischer Motivation heraus.

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