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Das Tunnelsystem von Elon Musk soll auch Fußgänger und Radfahrer transportieren

Boring Company. (Screenshot: Elon Musk)

Tesla-Gründer Elon Musk rückt von bisherigen Plänen für sein Tunnelsystem ab. Doch das Konzept für die Boring Company wirft viele Fragen auf.

Die von Elon Musk gegründete Boring Company will ihr bisheriges Transportkonzept ändern. „Alle Tunnel und Hyperloops werden Fußgänger und Radfahrer gegenüber Autos bevorzugen“, twitterte Musk am Freitag und fügte hinzu: „Sie werden weiterhin Autos transportieren, aber erst wenn alle Bedürfnisse nach personalisiertem Massentransport erfüllt sind.“ Das sei eine Frage der Höflichkeit und Fairness. Menschen, die sich kein Auto leisten könnten, sollten zuerst befördert werden.

Die Boring Company erhielt im Februar 2018 die Zusage, unter der US-Hauptstadt Washington einen Tunnel graben zu dürfen.

„Menschen, die sich kein Auto leisten könnten, sollten zuerst befördert werden.“

Musk reagiert damit offenbar auf Kritik an seinem bisherigen Konzept, das die Beförderung von Autos durch ein Tunnelsystem zum Ziel hatte. In einem kurzen Video ist zu sehen, wie eine Art gläserner Kleinbus per Aufzug in einen Tunnel abgesenkt wird und dort mit etwa 200 Kilometern pro Stunde zum Ziel fährt.

„Ein besseres Video wird folgen, aber es würde ungefähr so aussehen“, ergänzte Musk. Zudem erläuterte er: „Das urbane Kreislaufsystem von Boring Co. würde Tausende von kleinen Stationen von der Größe eines Einzelparkplatzes haben, das einen sehr nahe zu seinem Ziel bringt.“ Das würde sich nahtlos in das Stadtgefüge einbinden lassen, im Gegensatz zu der geringen Zahl großer Bahnhöfe wie bei einer U-Bahn.

Boring Company: Musk als ÖPNV-Hasser

Auf die Frage eines Twitter-Nutzers, ob es sich bei dem Konzept um einen Untergrund-Bus handele, antwortete Musk: „Ich denke, man könnte sagen, es ist ein 200 Stundenkilometer schneller, autonomer, elektrischer Bus, der automatisch zwischen Tunneln und Aufzügen hin- und her wechselt. Daher, ja, ein Bus.“ Das steht in einem gewissen Widerspruch zu früheren abfälligen Äußerungen Musks zum öffentlichen Personennahverkehr. So hatte er erst im Dezember 2017 gesagt, öffentlicher Verkehr sei „total nervig“, deswegen möge das niemand. Weil im selben Bus möglicherweise ein Serienmörder sitzen könne, würden die Menschen Individualverkehr bevorzugen.

Wie ein solches Konzept in die Praxis umgesetzt werden soll, ist jedoch fraglich. Das US-Magazin Wired stellte die Frage, ob es nicht viel, viel billiger und einfacher wäre, ein schnelles Bussystem mit eigenen Busspuren aufzubauen. Angesichts des jahrzehntelangen Aufwandes, den es bedeutet, in Berlin nur die U-Bahnlinie 5 um einige Kilometer zu verlängern, scheint ein solches Konzept hierzulande ziemlich unrealistisch. Da dürften sogar die Flugtaxis von Digitalstaatsministerin Dorothee Bär noch eher unterwegs sein.

Autor des Artikels ist Friedhelm Greis.

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