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Kolumne

Das Ende des Kursverfalls: Schafft Twitter doch noch den Turnaround?

(Foto: Twitter)

Seit Bekanntgabe der neuesten Quartalszahlen befindet sich die Twitter-Aktie auf Comeback-Kurs. Bis zu einem echten Turnaround ist der Weg jedoch lang, analysiert Nils Jacobsen in seiner neuen Kolumne.

Der Absturz war dramatisch. Seit Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey am 1. Juli 2015 zunächst als Interims-CEO die Geschicke beim angeschlagenen 140-Zeichen-Dienst übernommen hatte, zeigte der Trend schnurgerade in eine Richtung: steil nach unten. Nichts klappte: Neue Features wurden nicht angenommen, neue Erlösquellen nicht gefunden, mögliche Übernahmegerüchte lösten sich in Luft auf.

Bei sechs aufeinanderfolgenden Quartalsbilanzen gelang Dorsey das fragwürdige Kunststück, die Wall Street zu enttäuschen. Um in der Spitze 65 Prozent verlor die Twitter-Aktie seit seinem Amtsantritt an Wert. Beim siebten Anlauf schienen dann aber doch noch Zeichen und Wunder zu geschehen: Bei Vorlage der jüngsten Geschäftsbilanz für das abgelaufene März-Quartal konnte Twitter die Wall Street in der vorvergangenen Woche noch überzeugen.

Twitter-Bilanz löst Kursplus von 30 Prozent aus

Seitdem kennt die Aktie kein Halten mehr und haussierte binnen eineinhalb Wochen um in der Spitze knapp 30 Prozent. Anleger reagierten euphorisch auf den so genannten „Trump Bump“: Seitdem Donald Trump Präsident ist, legen die zuvor stagnierenden Nutzerzahlen wieder nachhaltig zu. Der Zuwachs von neun Millionen Nutzern war das größte Plus seit zwei Jahren.

Wenige Tage später folgte dann die Ankündigung, dass Twitter bis zum Jahresende einen Rund-um-die-Uhr-Live-Video-Dienst aufbauen will – und dafür News-Partnerschaften mit Bloomberg, Viacom, Buzzfeed, Vox Media (The Verge, Recode), WNBA und PGA eingehen will. Gleich 16 Streaming-Partner habe der Mikrobloggingdienst gewonnen.

Projekt Turnaround: Es bleibt weiter viel zu tun

Als dann auch noch Aktienkäufe von Jack Dorsey und Mark Cuban bekannt wurden, zogen die Anteilsscheine weiter an. „Ich glaube, sie reißen sich jetzt endlich zusammen mit Initiativen im Bereich von künstlicher Intelligenz“, begründete der Dallas-Mavericks-Besitzer sein Investment.

Allein: Fundamental hat Twitter noch einen weiten Weg vor sich, um das Vorschussvertrauen zu rechtfertigen. Zwar konnte der Social-Media-Pionier die deutlich reduzierten Wall-Street-Erwartungen überbieten, musste aber gleichzeitig den ersten Umsatzrückgang in der über elfjährigen Konzerngeschichte verbuchen – die Erlöse reduzierten sich um gleich acht Prozent von 595 auf 548 Millionen US-Dollar.

Mehr noch: Die Werbeumsätze gaben gar um elf Prozent nach, auf dem Heimatmarkt USA betrug das Minus sogar 17 Prozent. Zwar konnte Twitter zudem seine Verluste um 18 Millionen auf 62 Millionen Dollar begrenzen, doch auch im zwölften Jahr des Bestehens ist ein Breakeven nicht in Sicht.

Unter dem Strich bleibt Twitter auch nach dem jüngsten Befreiungsschlag an der Wall Street damit ein eklatanter Sanierungsfall: Die Umsätze schrumpfen, während aufs Jahr hochgerechnet noch immer eine Viertelmilliarde Dollar verbrannt wird –  an welcher Stelle berechtigt die Bilanzentwicklung zur Euphorie beziehungsweise wieder zu einer Bewertung von 13,5 Milliarden Dollar?

Blanker Aktionismus: Immer neue Initiativen, aber keine Trendwende

Jack Dorsey müsste zumindest zügig eine Rückkehr des Umsatzwachstums erzwingen, um das Langzeitprojekt Turnaround nicht aus den Augen zu verlieren. Die neuen Initiativen machen sich als Hoffnungsträger gut, doch sie bleiben unter dem Strich nicht mehr als Ankündigungen. Auch Periscope, das News-Feature Moments und der Streaming-Deal mit der NFL wurden zunächst als Gamechanger-Augenblicke gefeiert.

Fest steht jedoch, dass Periscope von Facebook Live brutal in den Schatten gestellt wurde, Moments in der Nutzung keine Relevanz besaß und still durch den Reiter „Explore“ ersetzt wurde und Twitter gerade erst die Verlängerung des NFL-Deals an Amazon verloren hat. Und wenn trotz des größten Nutzerzuwachses seit zwei Jahren erstmals ein happiger Umsatzrückgang verbucht wurde – worin besteht dann der eigentliche Hoffnungsschimmer für einen Turnaround?

Es bleibt bis auf Weiteres dabei: Twitter ist eine Großbaustelle, auf der mit Aktionismus so viele Löcher gestopft wie neue gerissen werden.

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