News

Endlich lassen sich auch mit Android Hörgeräte wie Bluetooth-Kopfhörer verwenden

Bluetooth-Pairing mit Hörgerät mit. Android 10. Foto: Google Promo-Video

In Version 10 gestattet Android das Pairing mit Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Hörgeschädigte können damit Musik, Podcasts und natürlich auch Telefonate ohne Zusatzgeräte auf ihre Hörhelfer streamen – zunächst allerdings nur beim Google Pixel 3.

„Audio Streaming for Hearing Aids“ (ASHA) hat Google sein neues Protokoll genannt, mit dem sich Audiodaten direkt auf Hörgeräte streamen lassen. Klingt eigentlich selbstverständlich, schließlich gibt es Bluetooth-Kopfhörer und entsprechende Standards seit vielen Jahren. Die ließen sich allerdings nicht ohne weiteres in Hörgeräte und Cochlea-Implantate implementieren, vor allem weil der Energieverbrauch bei Bluetooth Music Classic zu groß ist – nicht nur für das Smartphone, sondern vor allem für das Hörgerät.

ASHA verwendet stattdessen Bluetooth Low Energy, das ursprünglich nicht für Streaming sondern den gelegentlichen Transport kleiner Datenhäppchen bei niedrigem Energieverbrauch und geringer Reichweite unter anderem im Internet of Things gedacht war. Deshalb sind das Koppeln von Kopfhörern und das Koppeln von Hörgeräten mit dem Smartphone zwei verschiedene Dinge.

Mit ASHA lassen sich Audio-Inhalte direkt aufs Hörgerät oder Cochlea-Implantat streamen. Dabei startet der Stream automatisch, etwa wenn das Telefon klingelt, ohne dass noch irgendwelche Tasten gedrückt werden müssen. Was nach Luxus klingt, erleichtert hörgeschädigten Menschen erheblich das Leben, da der Klang in der Regel viel besser ist als bei Lautsprechern und Kopfhörern, die in die Nähe eines Hörgerätes gehalten werden.

Für Apple-Nutzer ein alter Hut

Außerdem können Hörgeräte und Cochlea-Implantate so konfiguriert werden, dass während des Telefonierens oder Musikhörens die eingebauten Mikrofone herunter geregelt oder ganz abgeschaltet werden, sodass Hintergrundgeräusche leiser werden oder sogar ganz verschwinden. Für eine vergleichbare Funktionalität mussten Hörgerätenutzer bisher eher frickelige, proprietäre und zumeist auch teure Zusatzgeräte, Adapter oder Spezialkabel verwenden, die für jedes Telefonat erstmal eingestöpselt werden müssen.

Apple bietet bereits seit Jahren eine vergleichbare Lösung unter dem Namen Mfi („Made for iPhone“) an, die ebenfalls auf Bluetooth Low Energy basiert und von einer ganzen Reihe von Hörgeräten unterstützt wird. Mfi ist allerdings nicht mit ASHA kompatibel. Wer ein ASHA-fähiges Hörgerät sucht, hat im Moment noch die Auswahl zwischen zwei Modellen: das Resound Linx Quattro und das Beltone Amaze.

Bei Cochlea-Implantaten sieht die Lage ähnlich aus. Der aktuelle Soundprozessor CP1000 („Nucleus 7“) von Cochlear ist seit rund zwei Jahren mit Apples Mfi kompatibel. Wer ihn auch mit ASHA nutzen möchte, muss zunächst den Audiologen aufsuchen und ein Software-Update in den Soundprozessor einspielen lassen. Nutzer älterer Modelle von Cochlear sowie der Konkurrenz-Modelle von Advanced Bionics, MED-EL und Oticon Medical sind bis auf weiteres auf Adapter-Lösungen angewiesen.

Bescheidene Auswahl an Smartphones und Hörgeräten

Die Liste der kompatiblen Android-Smartphones ist ebenfalls noch äußerst kurz. Auch wenn ASHA in Android 10 enthalten ist, genügt es nicht, ein beliebiges Android-10-fähiges Telefon zu besitzen, da auch hardwareseitige Anpassungen nötig sind. Deshalb umfasst die Liste lediglich die Modelle Google Pixel 3, 3XL, 3a und 3a XL. Wann das Pixel 4 hinzukommen wird, ist unklar. Da Google das ASHA-Protokoll unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht hat, ist allerdings damit zu rechnen, dass ASHA bald standardmäßig in weitere Android-Telefone einziehen wird. Für Kunden, die bisher gezwungen waren, iPhones zu verwenden, wenn sie ihr Telefon mit einem Hörgerät koppeln wollten, sind das gute Nachrichten.

t3n meint: Auch wenn Audiostreaming auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate enorm komfortabel ist, hat sich im Alltag ein neues Problem herauskristallisiert. Da keine sichtbaren Kopfhörer mehr verwendet werden sondern nur das Hörgerät und ein Telefon in der Jackentasche, sehen Mitmenschen einem nicht mehr an, dass man gerade einen Podcast oder Musik hört und somit akustisch abwesend ist. Das führt gelegentlich zu unangenehmen Situationen, wenn Menschen einen in der Bahn oder auf der Straße ansprechen. Ich spiele deshalb gelegentlich mit dem Gedanken, mir deutlich sichtbare Kopfhörer als Attrappe aufzusetzen, habe die Idee aber noch nicht in die Praxis umgesetzt. Enno Park
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung