Interview

Enfore-Gründer Marco Börries: „Wir haben Apple-Margen”

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Trojanisches Pferd ist mir jetzt zu negativ. Sie zahlen ja nicht mehr dafür. Ich würde eher sagen der Einstieg, die Brücke in die digitale Zukunft.

t3n: Ich hätte auch Einstiegsdroge sagen können, aber das ist ja auch nicht positiv. Aber eure Vision ist schon die große Retail-Plattform zu werden, oder?

Wir wollen den Unternehmen helfen, ihr Business in einer Welt mit Amazon und Co. sauber zu führen und Connected Commerce anzubieten.

„Wenn wir performen, gibst du uns Geld freiwillig, weil wir Wert kreieren. Das ist unser gesamtes Mantra. Das klingt jetzt Robin-Hood-mäßig, aber ich glaube wirklich fest daran.“

t3n: Aber falls dieser Plan aufgeht, dann wärt ihr am Ende in einer sehr mächtigen Position als zentrale Plattform. Die Gebühren für EC- und Kreditkartenzahlungen zum Beispiel könntet ihr ja anpassen.

Das könnten wir, aber du musst nicht uns als Payment-Service nehmen. Egal, was wir anbieten: Wenn wir performen, gibst du uns Geld freiwillig, weil wir Wert kreieren. Das ist unser gesamtes Mantra. Das klingt jetzt Robin-Hood-mäßig, aber ich glaube wirklich fest daran. Wir sehen uns als Enabler, der auf allen digitalen Ebenen ein Pooling durchführt, so wie das früher Genossenschaften gemacht haben. Und die Software läuft nicht nur auf unserer Hardware. Wir öffnen gerade die Schnittstellen, wir erlauben auch anderen konkurrierende Dienste anzubieten. Das ist umgekehrt zu dem Prinzip, wie sonst agiert wird. Sonst heißt es: Ich verkaufe dir ein Stück Software und verspreche dir irgendwann einen Gewinn dadurch – aber vorher gibst du mir erstmal etwas von deinem Gewinn ab. Wenn ich dir zusätzlichen Gewinn verschaffe, ist es viel leichter, mir was davon abzugeben. Das ist das Prinzip dahinter.

t3n: Also eine Art Anti-Plattform, wenn man es mit Amazon vergleicht?

Ich würde sagen eine nachhaltige Plattform, die Vielfalt erlaubt. Aber dafür müssen wir den Kleinen erstmal helfen, gegen Amazon anzukommen. Denn wenn sie den Kunden – also auch uns, wir sind ja auch Kunden – nicht den Komfort von Amazon bieten können, dann werden wir irgendwann nicht mehr zu ihnen kommen, egal, wie sehr wir sie mögen.

t3n: Ihr speichert eure Daten wahrscheinlich in der Cloud, oder?

Ja, BSI-zertifiziert in Europa.

t3n: Gibt es noch die Angst der KMU vor der Cloud?

Ja! Aber es wird immer weniger. Es gibt auch Leute, die sagen: Ihr seid bei Amazon, ich will nicht mit Amazon zusammenarbeiten. Dann informieren wir sie, dass Amazon vor einigen Monaten vom BSI zertifiziert wurde und die Daten Europa wirklich nicht verlassen. Es wird dann immer noch Leute geben, die das nicht wollen – aber das ist dann auch okay.

t3n: Ihr macht aber kein On-Premise?

Nein. Wir wollen für viele Unternehmen die Lösung sein, wir werden aber nicht für alle Unternehmen die Lösung sein.

t3n: Du hast im Alles-gesagt-Podcast von Zeit Online auch viel über die Macht der großen US-Plattformen gesprochen und sie harsch kritisiert. Was würdest du dir von der deutschen und europäischen Politik wünschen, um die Voraussetzungen zu schaffen, diese Macht einzudämmen?

„Wir müssen sehr aufpassen, dass die Idee Europa in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht komplett zugrunde geht. Das Risiko schätze ich auf etwa 50 Prozent.“

Ich halte zum Beispiel die europäische Datenschutzgrundverordnung für eine prinzipiell gute Initiative. Leider ist sie so umgesetzt worden, dass gerade viele kleine und mittlere Unternehmen bis zu 60 oder 70 Prozent ihrer Kunden verloren haben, weil sie sie nicht mehr digital erreichen können. Wenn ich heute zu Amazon gehe, dann kann Amazon mir sagen „Das musst du jetzt akzeptieren“ und ich mache „Klick“. Da gehst du schließlich häufig hin. Bei einem kleinen Unternehmen, bei dem du einmal im Jahr kaufst, da überlegst du dir das schon. Wenn die dir eine E-Mail schreiben, dann machst du den Opt-Out. Ich hoffe, dass der Vorstoß von [Frankreichs Präsident Emanuel] Macron erfolgreich ist.

t3n: Die Digitalsteuer.

Genau. Also, dass diese Leute tatsächlich mal hier ihre Steuern zahlen. Ich bin überzeugter Europäer…

t3n: … wobei du schon mal länger in den USA gelebt hast…

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3 Kommentare
Johannes
Johannes

Danke, interessanter Artikel, für mich umso mehr, desto weiter er sich von den Produkten Enfores wegbewegt.

Antworten
Dieter
Dieter

Schon witzig was für Märchen, Träume und Wunschdenken des großen Börries sich in diesem Artikel befinden und mit welch Arroganz er diese vorträgt.

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Jonas
Jonas

Da kennt wohl jemand den Unterschied zwischen Verlust und Marge nicht.

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