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Interview

Dieser Otto-Manager erklärt die Open-Source-Strategie des Versandriesen

Daniel Krantz im Interview. (Foto: Mobile Lab, Otto Group)

Daniel Krantz, Leiter des Mobile Lab der Otto Group, erklärt im Interview, warum die Otto Group auf ein unternehmensinternes Open-Source-System setzt und weiterhin Apps baut.

t3n.de: Die Otto Group hat mit dem Mobile Lab eine zentrale Instanz geschaffen, die unter anderem Apps für den ganzen Konzern bereitstellt. Wie funktioniert das System genau?

Daniel Krantz: Wir haben ein modulares System entwickelt. Dazu haben wir das App Acceleration Center etabliert und können so binnen acht Wochen eine neue App umsetzen. Wir fahren also in der gesamten Otto Group einen Open-Source-Ansatz. Heißt: Wir entwickeln modulare Features, die dann jede Gesellschaft innerhalb des Konzerns übernehmen kann. Die Basis für die Apps bilden dabei meist die Responsive Websites.

t3n.de: Ihr baut also das Grundgerüst auf und setzt die (App-) Features drauf? Beispiele?

Daniel Krantz: Genau. Einzelne Funktionen wie beispielsweise die Navigation oder die Suche basieren auf dem gleichen Code und werden von den einzelnen Gesellschaften von Mytoys bis Sportscheck mit Content befüllt. Wenn der Shop dann auch stationäre Läden hat, bauen wir beispielsweise einen Storefinder ein. So haben wir zum Beispiel die App für Mytoys entwickelt. Inzwischen arbeitet Mytoys selbst an der App weiter. Das Ergebnis von Mytoys wiederum steht auch allen anderen Entwicklern im Konzern und natürlich auch dem Mobile Lab zur Verfügung.

t3n.de: Und welche Apps beruhen bereits auf diesem modularen System?

Daniel Krantz: Bereits umgesetzt haben wir die Apps für Mytoys, Sheego (Damenmode in Übergrößen) und Heine. Derzeit arbeiten wir an Apps für Lascana (Bademoden) und Sportscheck.

t3n.de: Was bringt dieses modulare System?

Daniel Krantz: Der Vorteil der modularen Bauweise besteht darin, dass die Konzerngesellschaft sehr schnell sieht, was beim Kunden ankommt und dieses Know-how konzernweit ausgerollt werden kann.

t3n.de: Klingt jetzt alles easy. Gibt es dabei einen Haken?

Daniel Krantz: Die initiale Entwicklung für eine modulare App ist natürlich viel aufwändiger, weil die Entwickler die verschiedenen Datenstrukturen der unterschiedlichen Gesellschaften berücksichtigen müssen. Das erfordert mehr Hirnschmalz. Und da mussten unsere Entwickler erst mal umdenken lernen.

t3n.de: Apropos umdenken: Entwickelt ihr Apps auch für internationale Märkte?

Daniel Krantz: Ja, wir beraten und entwickeln auch für Otto Japan, Brasilien sowie für die Marke Venus in den USA. Auf dem chinesischen Markt ist die Otto Group derzeit nicht aktiv.

t3n.de: Und gibt es Unterschiede zwischen dem europäischen und dem asiatischen respektive japanischen Markt?

Daniel Krantz:  Oh ja! Alles was wir hier über Usability wissen, hilft uns in Japan nicht weiter. Die Japaner haben völlig andere Nutzungsgewohnheiten und kommunizieren über andere Kanäle. Dort spielt beispielsweise der Messenger Line eine große Rolle. Großbritannien, Nordamerika und Europa sind sich dagegen bei der Usability ziemlich ähnlich. Somit sind die Adaptionen für diese Regionen kein Problem.

t3n.de: Die Zeit, die Nutzer in Apps verbringen und die Anzahl der Downloads sinkt aktuell. Glaubt ihr, dass Apps eine Zukunft haben?

Daniel Krantz: Die Mytoys-App wurde seit dem Release im August über 200.000 Mal heruntergeladen. Die Bonprix-App (Stand März 2017) ist in elf Ländern verfügbar und wurde bis dato über zwei Millionen Mal installiert. In Deutschland generiert der Modeanbieter darüber bereits über 25 Prozent seines gesamten Mobile-Umsatzes. Die Otto-App wiederum verzeichnete 2016 mehr als eine Million neue App-Nutzer. Sowohl Visits als auch die Einkäufe über die App haben sich im Zeitraum 2015 bis 2016 mehr als verdoppelt. Wir sind also zuversichtlich. Nun ist es ja so, dass die Nutzer eine größere Zahl unterschiedlicher Domains ansurfen, aber in der App verbringen sie mehr Zeit als auf der jeweiligen Website. Der Erstkontakt mit dem Kunden kommt selten über die App zustande, sondern normalerweise über die Suche und den Browser. Unsere Apps richten sich daher an loyale Kunden und Brand Lover. In der Regel haben die Nutzer auf Ihrem Smartphone Apps von ein, zwei oder drei Retailern installiert, dazu die Apps von ein bis zwei Generalisten (das könnte zukünftig beispielsweise die App von Otto sein) und ein oder zwei Apps ihrer Lieblings-Brands (zum Beispiel About you oder Sportscheck). Und: Wir sehen die App als trojanisches Pferd in der Welt von Google und Apple. Wir wollen raus aus dem Ghetto der App und über das jeweilige Betriebssystem ran an die Kunden.

t3n.de:  Welche Vorteile hat denn der Kunde, wenn er sich eine App installiert?

Daniel Krantz: Eine App bedeutet für den User immer Convenience, also bequemer Service. Konkret: praktische Funktionen wie Auto-Login oder der Checkout per Touch ID. Im Browser dagegen muss der Kunde ständig seine Daten eingeben und sich anmelden.

t3n.de: Welche Smartphone-Funktionen sind in der App-Entwicklung besonders interessant?

Daniel Krantz: Die Kopplung an Siri und an die Sprachsteuerung von Google ist uns wichtig. Dann ist die Passbook-Anwendung interessant, um die Kundenbindung zu stärken. Natürlich GPS. Und die Kamera ist ein Supertraum für App-Entwickler. Viele Social-Commerce-Konzepte litten ja darunter, das User Generated Content in Form von Bildern einzubinden über den Desktop immer recht aufwändig war. Bilder machen natürlich viel Spaß und helfen der App, mehr zu sein als nur ein Yahoo-Katalog. Sie helfen, wegzukommen vom Katalog hin zu inspirierenden Inhalten.

 

 

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2 Reaktionen
Philipp Kobel

Ich verstehe nicht so genau, inwieweit das eine Open Source Strategie sein soll. Es werden Codeteile/Module innerhalb des Konzerns wiederverwendet. Open Source ist meines Wissens nach was anderes...

Nathan

Ottos Open-Source-Strategie verhält sich (zumindest in diesem Aspekt) zu 'echter' Open-Source-Strategie wie Schnitzel Wiener Art zu Wiener Schnitzel.

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