Analyse

Warum das altbackene Bild eines erfolgreichen CEOs bröckelt

Gute CEOs sind extrovertiert und setzen sich durch? Dieses Bild gehört beerdigt. (Foto: Shutterstock)

Was eine erfolgreiche Führungsperson ausmacht, stand jahrelang fest: Alphatier-Eigenschaften galten lange als Garant. Doch das Bild bröckelt zunehmend.

Ein erfolgreicher CEO ist in der Regel extrovertiert, charismatisch und selbstbewusst. Die Karriereleiter ist er, nach dem Abschluss an einer Elite-Uni, ohne große Vorkommnisse rasant aufgestiegen. C-Level Manager, so das gängige Bild in den Köpfen vieler Menschen, sind quasi erfolgsverwöhnte Alphatiere, die unaufhaltsam ihren Weg gehen. Dass das jedoch ein Irrglaube sein dürfte, haben US-amerikanische Forscher jetzt im Rahmen einer Studie herausgefunden, deren Ergebnisse im aktuellen Harvard Business Review veröffentlicht wurden. Darin wird mit ziemlich vielen Vorurteilen regelrecht aufgeräumt.

Introvertierte CEOs sind weder bessere noch schlechtere Führungskräfte

Extrovertierte Menschen können sich in Interviews oft besser verkaufen. Das muss sie aber nicht zu einer besseren Führungskraft machen. (Foto: Shutterstock)

Die Studie mit dem Namen „CEO Genome Project“ wurde über zehn Jahre hinweg durchgeführt und kommt zu dem Schluss, dass der Großteil der darin befragten 17.000 Manager nicht in das vorherrschende Bild passt. Das Projekt stellte Fragen zu Charaktereigenschaften sowie bisherigen Karriereschritten, Erfolgen und Entscheidungen. Die größte Überraschung darin ist, dass viele der Studienteilnehmer sogar ziemlich introvertiert seien. Etwas mehr als die Hälfte zeichne die Charaktereigenschaft wohl aus. Auch ein Ivy-League-Abschluss, sprich ein Bachelor an einer Top-Uni, ist keine Garantie für eine gute Führungsperson.

Die Forscher gehen sogar etwas noch weiter. Eine Gewissheit sei auch, dass die zumeist in sich gekehrten Manager mit normaler Ausbildung überhaupt nicht weniger erfolgreich sind. Dass nur gesellige, offensive und exquisit ausgebildete Menschen führen können, will das CEO Genome Project somit nicht bestätigen. Die Leiterin des Projekts, Elena Lytkina Botelho, bekräftigt das Resultat schlussendlich mit den Worten, dass „derartig charismatische Personen sich zwar in Interviews oft überzeugender verkaufen, ein Unternehmen jedoch weder besser noch schlechter leiten können.“

Dennoch ist weniger Alphatiergehabe sogar manchmal mehr. Auf der diesjährigen New-Work-Experience-Konferenz (NWX) plauderten beispielsweise drei besondere Führungskräfte darüber, ob der Typus in den Chefetagen nicht sogar komplett ausgedient hätte. Holger Stanislawski, Bodo Janssen und Carsten Stawitzki, ihres Zeichens Ex-Fußball-Trainer, Hotelier und General, glauben, dass es zwar nach wie vor entscheidungsstarke Menschen braucht, dass Vereinbarungen jedoch inzwischen im ganzen Team erarbeitet werden sollten. „Das System hatte lange Bestand. Heute agiert man in der Gruppe“, erklärte Stanislawski auf der Bühne.

Das gesellschaftlich geprägte Bild einer erfolgreichen Führungsperson bröckelt somit an vielen Stellen. Weder braucht es den nach außen gekehrten Überflieger, noch den nach innen autoritär entscheidenden Oberboss. Glaubt man dem CEO Genome Project und den drei Rednern der NWX, kann im Grunde jeder Mensch erfolgreich sein, ein Team anführen und ein Unternehmen leiten, insofern die Person ihre Stärken nur richtig ausspielt.

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2 Kommentare
jaschmidtuss
jaschmidtuss

Im Grunde spielt es keine Rolle ob extrovertiert oder introvertiert. Wichtig ist eine weiße Hautfarbe, männlich sein und mit den Beförderungs-Entscheidern klüngeln.

Und einen guten Vorgesetzten macht doch viel mehr aus als introvertiert oder extrovertiert. Social Skills, Wahrnehmung, Einfühlungsvermögen, Kampfgeist, Energie und Power die ansteckt, etc.

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atmos
atmos

So einen Schwachsinn würde ich sehr gern seltener lesen

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