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Changerider: Warum Digitalisierung Chefsache sein muss

(Screenshot: Youtube)

Mit dem Video-Format Changerider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Der aktuelle Interviewgast: Erich Staake.

Die Changerider-Fahrt startet dieses Mal am größten Binnenhafen der Welt: Am Duisburger Hafen, Duisport, holt Etventure-Gründer und Changerider-Initiator Philipp Depiereux den Geschäftsführer Erich Staake ab, der seit 20 Jahren den Strukturwandel im Ruhrpott mit aller Kraft vorangetrieben hat.

Erich Staake erhielt vor 21 Jahren einen Anruf. „Es ging um das damals größte Transformations-Projekts des ehemaligen Krupp-Hüttenwerks. Ich habe relativ schnell realisiert, dass es ein Jahrhundertprojekt war“, so der Unternehmer. Denn das Krupp-Stahlwerk gehörte damals zu den zwei modernsten Werken in Europa und wurde dennoch 1993 aufgrund von Überkapazität geschlossen. Für etwa 10.000 Mitarbeiter war die Stilllegung damals ein enormer Schock. Fünf Jahre nach der Schließung sollte auf dem 256 Hektar großen Gelände ein modernes Logistikzentrum entstehen, später vermarktet unter dem Namen Logport I.

Erich Staake ließ sich überreden, liebte die Herausforderung: „Das war ja keine ebene Fläche. Wir haben fast 400.000 Tonnen Stahl entsorgt, 2,5 Millionen Kubikmeter Erde verfüllt. Wir mussten jede Straße, jeden Kanal neu machen.“ In seinem ersten Leben baute Staake den Fernsehsender RTL mit auf. Seit 1998 ist der 65-Jährige nun Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. Als Branchenfremder innerhalb der Logistik schaffte er es, neuen Wind zu verbreiten, stellte sich den Herausforderungen und blickt heute auf einen stabilen, vernetzten Wirtschaftsstandort.

„Die Medien schreiben immer vom Wunder des Duisburger Hafens – das war harte Arbeit“

Nach dem Niedergang des Bergbaus kämpft die Ruhr-Region noch immer mit dem Strukturwandel. Der Duisburger Hafen hat in den letzten Jahren große Schritte vorgelegt und der Region zu neuem Aufschwung verholfen. Durch den Duisport konnten rund 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Jährlich werden etwa 20.000 Schiffe, 25.000 Züge und mehrere Millionen Container am Duisburger Hafen umgeschlagen. Der Hafen ist somit nicht nur Treiber des Strukturwandels, sondern zum Wirtschaftsmotor der Region geworden. Alleine in den zurückliegenden 20 Jahren haben sich mehr als 100 Weltfirmen rund um den Hafen angesiedelt. Diese beeindruckende Entwicklung wurde zu einem großen Anteil durch den Pioniergeist von Erich Staake möglich, denn er vermittelte wieder Aufbruchstimmung und Hoffnung. Mit seinem Gespür für Branding und der Fähigkeit zum Netzwerken gelang es Staake, nach etwa fünf Jahren das alte Areal hochzuziehen, nach zehn Jahren wurde die Fläche komplett vermarktet. Auch wenn die Medien oft vom Wunder des Duisburger Hafens sprechen, Staake betont, dass es harte Arbeit gewesen sei.

Er hat früh erkannt, dass dem Hafen ein neues Geschäftsmodell fehlte. Vor allem in der logistischen Prozesskette und der Wertschöpfung sah der Unternehmer großes Potenzial. Durch die Gründung der Duisburg Agency entstehen nun multi- und intermodale Transportkonzepte für das europäische Hinterland. Mittlerweile ist Dusiburg sogar per Schiene mit den wichtigsten Wirtschaftsstandorten in China verbunden. Etwa 35 Güterzüge kommen wöchentlich in der Hafenstadt an. „Das ist eine unglaubliche Entwicklung. Wir sind in Europa mit Abstand der wichtigste Standort für die China-Züge geworden und bedienen in China mehr als zwölf Destinationen der wichtigen Industrienationen“, so Staake.

„Sie verlieren Ihre Wettbewerbsfähigkeit, wenn Sie nicht wirklich am Puls der Zeit sind“

Um die Digitalisierung am Duisport voranzutreiben, holte Staake sich einen Digital Officer ins Haus. Er will wettbewerbsfähig bleiben und das gehe eben nur, wenn man am Puls der Zeit Akzente setze. „Wir haben gerade vor einem halben Jahr 13 digitale Projekte aufgesetzt. Einen Fokus legen wir dabei auf die digitale Kultur, denn man muss die Menschen mitnehmen. Wir sind ja nicht mehr 200 Leute, sondern 1.500. Es ist schon wichtig, dass die Leute auch erkennen, das da was Sinnbringendes dahintersteht.“ Aber auch seinen Gründergeist hat Staake sich bewahrt. Durch sein Engagement im Initiativkreis Ruhr, einem Zusammenschluss aus 70 regionalen Unternehmen aus der Region, entstanden nicht nur wertvolle Kontakte, sondern auch neue Ideen. Im Gespräch mit Gisbert Rühl entstand die Idee, ein Gründerzentrum zu schaffen, das die Stärken Duisburgs vereint: Logistik und Industrie. Es entstand der Startport – eine Innovationsplattform für Logistik-Startups. Neben zahlreichen Forschungsinstituten und Hochschulen beteiligen sich mittlerweile über 25 Partner aus der Industrie, mit dabei sind Unternehmen wie Evonik, Cisco, Bechtle, Roland Berger oder die Deutsche Bank. „Gerade in der Logistik – insbesondere in der Citylogistik – sehe ich für Startups unheimliche Perspektiven. Es braucht zukunftsträchtige Konzepte.“

Somit entsteht Schritt für Schritt ein guter Nährboden für Startups im Ruhrgebiet. Auch die Gründerallianz Ruhr, eine weitere Initiative des Initiativkreis Ruhr, bietet eine Vernetzung zwischen Startups und Unternehmen aus dem Ruhrgebiet. Fokus ist die gemeinsame Entwicklung von datengetriebenen Geschäftsmodellen. Die großen Unternehmen des Ruhrgebiets erkennen, dass ihre riesigen Datenschätze wertvolle Ressourcen für die Zukunft sind und das ist eine enorme Chance, etwas aufzubauen, das selbst dem Silicon Valley Konkurrenz machen könnte.

„Das Ruhrgebiet ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden“

Bei allem Engagement für das Ruhrgebiet setzt Staake sich auch für Kultur und Freizeitangebote ein, unterstützt das Klavierfestival oder sponsert die Fußball-Damenmannschaft. „Das Ruhrgebiet ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden, weil ich die Menschen hier sehr mag. Wir schließen dieses Jahr die letzten Zechen. Auf zu Neuem! Dieses Zutrauen und diesen Spirit zu fördern, das würde ich mir wünschen und dazu versuche ich, einen Beitrag zu leisten.“

Aber natürlich ist auch ein erfolgreicher Hafenchef wie Erich Staake schon einmal gescheitert: Über zwei Jahre hat er mit dem Vorstand eines großen Logistikkonzerns ein neues Geschäftsfeld entwickeln wollen. „Der kam mit Hubschrauber und Finanzvorstand und ich habe mein Schiff nach Düsseldorf geschickt damit man uns nicht sieht und alles geheim bleibt. Wir waren durch, die Verträge waren unterschriftsreif. Drei Tage später musste er wegen internen Geschichten gehen.“ Mit den Nachfolgern habe er es nicht mehr geschafft, den Deal aufrecht zu erhalten.

Der Hafenchef appelliert zu guter Letzt an die Offenheit und Neugier der Menschen, um die Digitalisierung zu meistern. „Es ist auch für mich manchmal nicht einfach. Man muss sich die Zeit nehmen, eintauchen und versuchen mitzudenken. Und ich glaube das ist unheimlich wichtig. Wenn man das Thema Digitalisierung nicht zur Chefsache macht, hat man ein Problem.“

Für eine Fahrt im Changerider nominiert der Hafenchef einen weiteren Mann des Ruhrgebiets: Bernd Tönjes, er ist Moderator beim Initiativkreis Ruhr, deutscher Manager und Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung.

Ihr kennt ebenfalls Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer! Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder ausführliche Gespräche im Podcast bei iTunes, Soundcloud und Spotify verfügbar.

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