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Estland legt sich mit EZB an: Warum die Estcoins doch kommen sollen

In der estnischen Hauptstadt Tallinn tut sich mehr in Sachen Digitalisierung, als sich auf dem Bild erkennen lässt. (Foto: t3n)

Estland setzt voll auf die Blockchain: Die baltische Republik will jetzt doch Estcoins auf den Markt bringen. t3n erklärt, was dahinter steckt.

Als Kaspar Korjus im August einen Beitrag auf Medium online stellte, löste er große Aufregung aus. Der Direktor der estnischen E-Residency spekulierte öffentlich über eine staatliche Kryptowährung namens Estcoins. Der Text verbreitete sich weltweit, die Medien schrieben, dass Estland über eine eigene Kryptowährung nachdenke. Die Nachricht schlug so große Wellen, dass sich sogar Mario Draghi zu einer Äußerung gezwungen fühlte. „Kein Mitgliedsstaat kann seine eigene Währung einführen, die Währung der Euro-Zone ist der Euro“, sagte der Chef der Europäische Zentralbank. Die Esten ruderten zurück: Estcoins sollten gar kein digitales Zahlungsmittel sein, sondern eine Art „Community-Coin“ nur für E-Residents. Das Thema schien beendet.

Aber das schien nur so. Am Dienstag hat Korjus einen neuen Medium-Beitrag veröffentlicht, in dem er den offiziellen Launch von Estcoins ankündigt. Entwickelt hat er die Idee zu den Estcoins in Kooperation mit der estnischen Regierung, der staatlichen Zentralbank sowie Unternehmen, die bereits Initial Coin Offerings gestartet haben. Auch Anwälte saßen mit am Tisch – nach der deutlichen Aussage Draghis wollten sich die Esten offenbar absichern. Das Narrativ, das sie sich überlegt haben, funktioniert nun so: Estcoins seien keine Kryptowährung, sondern Token für digitale Staatsbürger.

Was Estcoins genau bringen sollen

Estcoins sollen die „Entwicklung unserer digitalen Nation“ unterstützen, schreibt der E-Residency-Chef. „Wir wollen die Token so strukturieren, dass sie zur Erweiterung unserer E-Resident-Community beitragen.“ Durch Estcoins will er mehr digitale Staatsbürger dazu bringen, ein Unternehmen in Estland zu gründen. In seinem Beitrag unterteilt Korjus die Token in drei Formen: Community-Estcoins, Identity-Estcoins und Euro-Estcoins. Alle drei könnten theoretisch realisiert werden, heißt es, möglicherweise auch mehrere auf einmal.

Community-Estcoins würden demnach dazu beitragen, die E-Resident-Community zu vergrößern. Digitale Staatsbürger sollen Estcoins als eine Art Entlohnung erhalten, wenn sie beispielsweise Traffic auf die Website der E-Residency bringen, wenn sie erfolgreich eine neue Person für das Programm werben oder andere Mitglieder beraten. Eine weitere Möglichkeit wären Identity-Coins. In diesem Fall wären die Token an eine Person gebunden. Damit könnten sich E-Residents beispielsweise einloggen, digital Dokumente unterschreiben oder Smart Contracts aufsetzen. Die ID-Karten, die bisher zur Verifzierung dienen, wären dann überflüssig. Im dritten Fall wären Estcoins an den Euro gekoppelt. Beispielsweise könnten Transaktionen unter E-Residents mit Hilfe des Token abgewickelt werden.

Estcoins: Kryptowährung oder nicht?

 „Wir würden niemals eine alternative Währung zum Euro aufsetzen.“

„Wir würden niemals eine alternative Währung zum Euro aufsetzen, aber es ist möglich, dass wir einige der dezentralen Vorteile von Krypto- mit der Stabilität und dem Vertrauen von Papiergeld kombinieren“, schreibt Korjus. Aber auch wenn der E-Residency-Chef in dem Beitrag immer wieder betont, dass man dem Euro als Währung keine Konkurrenz machen wolle, klingen die Visionen doch stark nach Kryptowährung. So heißt es in der Erklärung zu Community-Coins, es sei wichtig, dass die Estcoin-Besitzer in Zukunft davon profitieren. Estcoins sollten letztlich sowohl an traditionellen als auch an Kryptobörsen gehandelt werden können. Bei den Euro-Estcoins nennt er als Beispiel, wie E-Residents untereinander Beträge hin- und herschieben können. Auch das erinnert an digitales Geld.

Ein konkretes Datum, an dem Estcoins kommen sollen, wird in dem Beitrag nicht genannt. Nur so viel: Weitere Updates werden 2018 folgen. Mal schauen, ob die Esten bis dahin nicht doch wieder zurückrudern müssen.

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