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Chat mit einem Toten: Wie ein Startup dich unsterblich machen will

Ein Startup will dich unsterblich machen. (Bild: © bilderstoeckchen – Fotolia.com)

Früher oder später holt er uns alle, der Tod. Was bleibt, ist die Erinnerung an unsere Identität – und der digitale Fußabdruck, den wir im Laufe unseres Lebens im Netz hinterlassen. Eine mächtige Ressource, mit der das Startup Eterni.me bald Verstorbenen zur Wiederauferstehung verhelfen will.

Die lebhafte Zukunft des mausetoten Jack P.

„Digitale Datenschätze bergen ungeahnte Möglichkeiten.“

Jack P. ist tot. Ein tragischer Autounfall. Er hinterlässt seine Frau, zwei Kinder – und einen gewaltigen Datenschatz im Internet. Doch was geschieht jetzt mit ihm und seinen Daten? Die Inanspruchnahme eines digitalen Nachlassverwalters, wie es sie inzwischen zuhauf auf dem Markt gibt, ist natürlich eine denkbare Strategie. Im Auftrag der Hinterbliebenen durchforsten sie Computer und Internetprofile des Verstorbenen und entscheiden, wie das digitale Erbe zu verwerten ist. Häufig werden die Daten aber einfach vernichtet – und mit ihnen die Erinnerungen an einen Menschen, die heute zu einem gewissen Teil auch durch das Internet geprägt werden. Ist das etwa schon alles? Lassen sich die Unmengen persönlicher Daten vor diesem Hintergrund nicht nachhaltiger oder besser gesagt zur „Wiederauferstehung“ von Jack P. nutzen?

Eterni.me glaubt an Skype-Nachrichten aus dem Grab

Das Startup Eterni.me will digitale Fußabdrücke von Verstorbenen in künstliche Avatare verwandeln, die mit Hinterbliebenen kommunizieren. (Screenshot: Eterni.me)

Das Startup Eterni.me will digitale Fußabdrücke von Verstorbenen in künstliche Avatare verwandeln, die mit Hinterbliebenen kommunizieren. (Screenshot: Eterni.me)

Die Gründer von Eterni.me, einem Startup aus den heiligen Hallen des Massachusetts Institute of Technology (MIT), sind davon zumindest fest überzeugt. Ihr Versprechen auf der Webseite: „Werden Sie einfach unsterblich!“. Dafür wollen sie sich den Fußabdruck zu Nutze machen, den Verstorbene über Jahre hinweg im Netz hinterlassen haben. Darunter fallen beispielsweise E-Mails und Fotos aber auch Benutzerprofile und Chatverläufe aus Sozialen Netzwerken. Diese Daten würden gesammelt und anschließend mithilfe komplexer Algorithmen in eine Künstliche Intelligenz überführt, erklärt das Startup. Am Ende soll so ein digitaler Avatar entstehen, der das Aussehen, die Persönlichkeit und sogar Handlungen der verstorbenen Person – zum Beispiel von Jack P. – imitiert und mit den Hinterbliebenen kommuniziert. Praktisch wie „eine Art Skype-Chat mit einem Toten“, schreiben die Gründer von Eterni.me weiter.

Empörung in der Netzgemeinde, Zuversicht bei den Gründern

Eine Neugier erweckende wie provokante Aussage. Nach Angaben des Startups haben sich inzwischen immerhin mehr als 1.500 Menschen in die Warteliste für das noch in einem frühen Stadium befindliche Projekt eingetragen. Allerdings ernten die Unternehmer auch Kritik. Zahlreiche Nutzer in Sozialen Netzwerken äußerten bereits ihre Bedenken hinsichtlich der moralischen Vereinbarkeit.

„Eine solche Technologie ist nur noch eine Frage der Zeit.“

Das achtköpfige Startup-Team von Eterni.me gibt sich davon vorerst unbeeindruckt. Die Idee möchte das Startup alsbald konkretisieren, einen ersten Prototypen zu Demonstrationszwecken gibt es schon. Obgleich noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen dürften, bis eine solche Technologie im Zuge der wachsenden Bedeutung rund um Big Data salonfähig ist – die Macher sind zuversichtlich: „Jeder, mit dem wir über dieses Projekt sprechen, sagt, dass es diese Technologie irgendwann einmal geben wird“, erklärt Marius Ursache, CEO des Startups, im Gespräch mit dem Boston Globe. Wohl auch deshalb sucht die Jungfirma derzeit nach finanzkräftigen Investoren, um die Entwicklung des digitalen Avatars weiter zu forcieren. Ob das dem verstorbenen Jack P. ein Lächeln aufzwingt oder er sich doch lieber im Grabe umdreht, bleibt fraglich.
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5 Kommentare
begs
begs

Ihr könnt auch einfach in mein neues Startup investieren. Ich bräuchte 1 Million Euro für die Entwicklung eines Perpetuum Mobile.

Macht Euch keine Sorgen, denn „Jeder, mit dem ich über dieses Projekt spreche, sagt, dass es diese Technologie irgendwann einmal geben wird“. Also ganz sicher! Irgendwann mal!

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stefan-mischia

Tolle-Idee…Wer-waere-denn-nicht-gerne-unsterblich…

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Anne Mühlbauer

Na, da hat wohl jemand Caprica gesehen (Prequel zu Battlestar Galactica)… genau diese Idee war der Grundstein für die Erfindung der Zylonen.

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