Interview

Ethereums Co-Gründer Joe Lubin: „Wir sind nicht daran interessiert, das Ökosystem zu kontrollieren“

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Es gibt einige Projekte, die sich in die Richtung bewegen, aber es ist extrem früh in der Entwicklung der Technologie. Wir bauen Tausende verschiedene Komponenten, Bausteine, Tokens, Protokolle, Börsen und Tools für Identität und Reputation. An einem Punkt in der nicht mehr so fernen Zukunft, wenn diese Systeme ausreichend skalierbar sind, werden wir in der Lage sein, ein dezentrales soziales Netzwerk zu bauen.

t3n: Aber es gibt dazu gerade kein Consensys-Projekt, oder?

Ein soziales Netzwerk nicht direkt. Aber eines von unseren wichtigsten Projekten ist Civil, eine Platform für nachhaltigen und ethischen Journalismus.

t3n: Ich habe aus Interviews gelernt, dass du Web2 Giganten eigentlich nicht magst.

Die großen Konzerne, die im Web2.0 Sandkasten sitzen, sind sie einfach zu mächtig.

t3n: Aber ist Consensys nicht die größte Firma in der Blockchain-Szene und auf dem besten Weg, im Web3 das zu werden, was Facebook und Co. im Web2 sind?

Nein, IBM und Microsoft, Accenture und Deloitte machen auch Blockchain, und die sind größer als wir.

t3n: Aber die konzentrieren sich nicht nur auf Blockchain.

Aber sie haben eine Menge Leute, die an Blockchains arbeiten. Wir sind sehr dezentralisiert in dem Sinne, dass unsere Teams viel Autonomie haben. Und wir brauchen die vielen Projekte auch, um zu arbeiten. Consensys ist entstanden, bevor Ethereum released wurde. Es gab noch kein Ökosystem. Also mussten wir Entwickler-Tools bauen, die Clients und eine Infrastruktur, um ein Ökosystem zu ermöglichen. Wir waren in der Lage, viele Projekte zu finanzieren, Inhouse-Projekte, oder Venture-Capital-finanzierte Projekte, die eigentlich außerhalb von Consensys stattfinden. Wir machen viele Dinge, aber wir sind nicht daran interessiert, das Ökosystem zu kontrollieren. Wir sind daran interessiert, das Ökosystem zu fördern.

t3n: Im Moment sind die großen Player in Ethereum Consensys, die Ethereum Foundation und ein paar Mining-Pools. Ist das nicht ziemlich zentralisiert für ein dezentrales Netzwerk?

Erwartest du, dass es schon völlig ausgereift ist, drei Jahre nach der Entstehung?

t3n: Wann glaubst du, wird sich das Netzwerk entwickelt haben?

Wir versuchen, da so schnell wie möglich hinzukommen. Wie lange hat denn die Web-Technologie gebraucht, um erwachsen zu werden, seit dem Tim Berners-Lee sie geschaffen hat? Ein Jahrzehnt.

t3n: Glaubst du, dass es auch mit Blockchain ein Jahrzehnt dauern wird?

Blockchain wächst exponentiell: Es gibt Hunderte Projekte, die schon jetzt praktisch für Menschen sind. Und sie werden Menschen ermöglichen, noch mehr Dinge zu bauen, die dann auch wieder praktisch sein werden. So wurde das Web entwickelt. Es wird wahrscheinlich etwas länger dauern, weil es viel komplizierter ist. Auch weil wir mit Themen wie digitalem Geld arbeiten, wird Blockchain die Gesellschaft mehr durchdringen als das Internet. Alles wird in einem Web3 vernetzt sein.

t3n: Manche der Consensys-Projekte, zum Beispiel Infura, bieten zentralisierte Schnittstellen für Blockchain an. Man kann über eine Infura-API mit Ethereum interagieren. Ist das nicht das Gegenteil von Dezentralisierung?

Infura hat als Projekt angefangen, um Inhouse-Consensys-Projekte zu ermöglichen. Man konnte damit Test-Netzwerke entwerfen, um schneller zu entwickeln. Das Infura-Team entschied sich, das auch für externe Projekte zu releasen. Und die Nachfrage steigt seitdem exponentiell. Also hat das Team versucht, die Arbeit von vielen anderen Teams in der Szene zu fördern. Wir arbeiten auch daran, Infura zu dezentralisieren. Wir wollen eigentlich nicht, dass all dieser Traffic über Infura läuft.

t3n: Consensys verdient gerade viel Geld mit Consulting und berät Staaten, Zentralbanken und andere Konzerne zum Thema Blockchain. Ist Consensys schon in den schwarzen Zahlen? Oder hängt Consensys noch von deinem persönlichen Ether-Vermögen ab?

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Ein Kommentar
Ferdinand Does

Der Mann ist ein Visionär, aber selbst in der Techszene weitgehend unbekannt. Keiner Wunder also, dass ihn während des Interviews keiner erkannt hat. Er ist übrigens weiterhin in Ethereum engagiert. Vor Kurzem hat er zusammen mit Vitalik Buterin ca. eine halbe Million Euro für ein Ethereum Projekt gespendet.

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