Interview

Ethereums Co-Gründer Joe Lubin: „Wir sind nicht daran interessiert, das Ökosystem zu kontrollieren“

Seite 3 / 3

Im Moment sind wir noch auf einem „Burn“ [negativer Chasflow]. Aber wir haben sehr beträchtlichen Umsatz. Wir haben viele Geschäftszweige, die Geld verdienen. Wir machen Sicherheitsaudits für Code. Wir machen Token-Launches für unsere eigenen Projekte oder für Dritte, da wird auch viel Geld gemacht.

t3n: Also ICO.

Wir nennen sie nicht ICO, wir nennen sie Token-Launches. Wir machen viel Consulting, rund um die Welt, das sind etliche Millionen Dollar, wir haben eine Akademie, wir machen viel Bildung. Wir haben ein Buchhaltungssystem, für das es eine Warteliste gibt. Wir haben uns dafür entschieden, zu wachsen, um mit der Nachfrage fertigzuwerden. Wie andere Firmen in der Geschichte sind wir zufrieden damit, jetzt noch keine Profite zu machen. Die Nachfrage ist unersättlich und sie wächst exponentiell. Und wenn wir nicht sehr schnell wachsen, wird es viele enttäuschte Teams in Consensys geben, und enttäuschte Kunden außerhalb von Consensys.

t3n: Sind die Schwankungen des Ether-Preises keine Gefahr für euer Geschäft? Wie lange könnte Consensys noch weitermachen, wenn der Ether-Preis auf zehn Dollar abrutscht?

Wenn der Preis auf zehn Dollar sinkt, würde das unser ganzes Modell infrage stellen.

t3n: Willst du, dass Ether eine richtige Währung wird?

Wir haben Ether als Treibstoff positioniert und wir wollen es hauptsächlich als den Token sehen, mit dem Programme laufen und mit dem Daten auf dem Netzwerk  gespeichert werden. Aber es ist auch günstiger und schneller, damit Werte zu transportieren. Es ist viel besseres Geld als Bitcoin. Ich gehe davon aus, dass es noch viel stärker als Geld genutzt werden wird.

t3n: Per Definition können nur 21 Millionen Bitcoin geschürft werden. Warum habt ihr die maximale Menge an Ether eigentlich nicht begrenzt?

Wir haben damit gerechnet, dass es sich bei ungefähr derselben Menge wie Bitcoin einpendelt. Aber es soll immer etwas neues Geld entstehen, weil auch jedes Jahr was verloren geht, wenn jemand seinen Zugang oder sein Passwort verliert.

t3n: China ist in Sachen Blockchain groß geworden. Wenn jetzt jemand in China ein benutzerfreundlicheres Ethereum bauen würde …

Es gibt viele Projekte, die sich das Ethereum Chinas nennen. Aber Neo beispielsweise läuft auf sieben Rechnern. Einer der Rechner ist vor ein paar Monaten umgefallen und das ganze Netzwerk war für ein paar Tage down. Außerdem hat Ethereum eine Menge Zugkraft in China.

t3n: Wie würde ein Web3 die Gesellschaft verändern?

Mehr Selbstbestimmung für Menschen, mehr Vertrauen in Transaktionen mit Menschen, die man nicht kennt. Weniger Intermediation, weniger große Finanzinstitute oder Musikunternehmen. Ride-Sharing-Dienste werden nicht mehr all den Wert aus ihren Ökosystemen heraussaugen. Service-, Content-, und Ressourcenanbieter werden direkt in der Lage sein, mit ihren Kunden zu arbeiten. Statt in großen Unternehmen werden kollektive, netzwerkbasierte Organisationen unsere Bedürfnisse befriedigen.

t3n: Ich habe mir ein paar der Firmen angeschaut, mit denen Consensys gerade Projekte macht: Citi, ING, Shell – nicht gerade „kollektive, netzwerkbasierte Organisationen“.

Wir arbeiten mit Unternehmen und Regierungen und Zentralbanken, damit sie Blockchain-Technologie verstehen. Wenn man es einmal gesehen hat, kann man es nicht wieder ungesehen machen. Es verändert die Art, wie man über die Systeme denkt, die man baut, um Menschen zu dienen.

t3n: Vielen Dank für das Gespräch!

Nach ungefähr 30 Minuten klappt Joe Lubin seinen Rechner wieder zusammen, zieht seine Jacke an und geht. Die Menschen um ihn herum nehmen immer noch keine Notiz von ihm. Wahrscheinlich ist er ganz froh darüber.

Mehr zum Thema Blockchain:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Ferdinand Does

Der Mann ist ein Visionär, aber selbst in der Techszene weitgehend unbekannt. Keiner Wunder also, dass ihn während des Interviews keiner erkannt hat. Er ist übrigens weiterhin in Ethereum engagiert. Vor Kurzem hat er zusammen mit Vitalik Buterin ca. eine halbe Million Euro für ein Ethereum Projekt gespendet.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung