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Eurostat: Warum sich EU-Bürger fürs Freelancen entscheiden

Die Gründe fürs Selbstständigsein sind vielfältig. Und variieren auch von EU-Land zu EU-Land. (Bild: Shutterstock)

Was für Datenjunkies – und Selbstständige: Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, hat erhoben, warum EU-Bürger sich selbstständig gemacht haben. Die Gründe variieren von Land zu Land.

Im Jahr 2017 hat es in der Europäischen Union (EU) mehr als 228 Millionen Erwerbstätige gegeben, immerhin 33 Millionen von ihnen sind selbstständig. Interessante Daten rund ums Thema hat jetzt Eurostat erhoben, das statistische Amt der Europäischen Union.

Die konkrete Fragestellung: Warum haben sich EU-Bürger entschlossen, ihr eigener Chef zu werden? Immerhin 23 Prozent haben eine günstige Gelegenheit angegeben, 16 Prozent die Übernahme des Familienbetriebs. Für 15 Prozent sei es „übliche Praxis in dem Bereich” gewesen, elf Prozent haben offenbar flexible Arbeitszeiten gelockt, weitere elf Prozent hätten laut eigener Angabe keine Beschäftigung als Arbeitnehmer gefunden. Und nur zwei Prozent haben sich auf Verlangen des früheren Arbeitgebers selbstständig gemacht.

Wichtigster Grund für die Selbstständigkeit, 2017, EU (in % der Selbstständigen) (Grafik: Eurostat)

Wichtigster Grund für die Selbstständigkeit, 2017, EU (in Prozent der Selbstständigen) (Grafik: Eurostat)

Das sind die Probleme der Selbstständigen

Als Hauptschwierigkeiten nennen die Selbstständigen einen hohen Verwaltungsaufwand (13 Prozent) und Zeiten ohne Kunden oder Projekte (12 Prozent), Zahlungsverzug oder -ausfall (12 Prozent), Zeiten finanzieller Engpässe (9 Prozent), mangelnde Einflussnahme auf die Preisgestaltung (8 Prozent) und fehlendes Einkommen im Krankheitsfall (8 Prozent). Immerhin fast ein Drittel, nämlich 28 Prozent der Befragten, hat angegeben, keine Schwierigkeiten zu haben.

Hauptschwierigkeit der Selbstständigen in den vergangenen 12 Monaten, 2017, EU (in % der Selbstständigen) (Grafik: Eurostat)

Hauptschwierigkeit der Selbstständigen in den vergangenen zwölf Monaten, 2017, EU (in % der Selbstständigen) (Grafik: Eurostat)

Unterschiedliche Länder, andere Antworten

In fünfzehn EU-Mitgliedstaaten wurde „günstige Gelegenheit” am häufigsten als Grund für die Selbstständigkeit genannt, wobei Bulgarien (42 Prozent), Italien (39 Prozent) und Ungarn (36 Prozent) die höchsten Anteile aufweisen.

In drei Ländern, Belgien (28 Prozent), Deutschland (21 Prozent) und Lettland (20 Prozent), haben die Befragten als häufigsten Grund für ihre Gründung „übliche Praxis in diesem Bereich” angegeben. In drei weiteren Ländern, Polen (27 Prozent), Griechenland (25 Prozent) und Spanien (24 Prozent), sei die Übernahme eines Familienbetriebs das zentrale Motiv für die Selbstständigkeit gewesen, heißt es von Eurostat.

„Keine Beschäftigung als Arbeitnehmer gefunden”  sind die wesentliche Ursache für Selbstständigkeit in Rumänien (38 Prozent) und Zypern (25 Prozent). In fünf Ländern, nämlich Österreich (40 Prozent), Dänemark (35 Prozent), dem Vereinigten Königreich (27 Prozent), Luxemburg und Frankreich (je 26 Prozent), sind die befragten Personen „aus anderen Gründen” selbstständig tätig.

Hauptgrund für die Selbstständigkeit nach Ländern, 2017 (in % der Selbstständigen) (Grafik: Eurostat)

Hauptgrund für die Selbstständigkeit nach Ländern, 2017 (in Prozent der Selbstständigen) (Grafik: Eurostat)

Beliebte Antwort: „Keine Schwierigkeiten”

In 24 EU-Mitgliedstaaten war „keine Schwierigkeiten” die häufigste Antwort der befragten Selbstständigen, wobei die höchsten Anteile in Tschechien (44 Prozent), den Niederlanden (42 Prozent), dem Vereinigten Königreich (41 Prozent), Schweden und Deutschland (je 40 Prozent) zu verzeichnen sind.

In drei Ländern – Estland (30 Prozent), Zypern (24 Prozent) und Griechenland (23 Prozent) – haben die Befragten Zeiten mit finanziellen Engpässen als häufigste Belastung angegeben. In Italien (26 Prozent) ist  der hohe Verwaltungsaufwand am belastendsten für Selbstständige.

Stichproben in privaten Haushalten

Bei der Europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKE), einer großen Stichprobenerhebung in privaten Haushalten in Europa, handelt es sich um eine wichtige Quelle für europäische Statistiken, die über Lage und Trends auf dem EU-Arbeitsmarkt Aufschluss gibt.

Das Thema im  sogenannten Ad-hoc-Moduls war 2017 Selbstständigkeit. Bei der AKE werden die Stichproben aus der Wohnbevölkerung gebildet. Dies bedeutet, dass neu angekommene Migranten und Migranten, die weniger als ein Jahr bleiben, in der Regel nicht in der Erhebung erfasst werden.

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Ein Kommentar
Judith

So wirklich aufschlussreich sind diese Statistiken nicht. Wenn die zweitmeistgenannte Antwort „wollte es aus anderen Gründen“ ist, dann hat wohl jemand die Umfrage erstellt der keine Ahnung hat was Beweggründe sein könnten…. auch „günstige Gelegenheit“ sagt nicht wirklich etwas aus.

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