Analyse

EU-Urheberrechtsreform versetzt Youtuber in Panik – zu recht?

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Tatsächlich ist es noch nicht ganz klar, wie das umstrittene Gesetz mit dem berüchtigten Upload-Filtern in Artikel 13  letztlich aussehen wird. Zur Zeit gibt es zwei Versionen – eine Version des EU-Parlaments und eine Version der EU-Ratspräsidentschaft.

Beide Fassungen machen Plattformen wie Youtube direkt haftbar für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer. Um sich abzusichern, müsste Youtube dann jeweils die Lizenz für das Werk besitzen oder den Upload des Werkes verhindern. Unabhängig davon, ob es ein Werk des Nutzers selbst ist, oder ein Werk, dass der Nutzer nur hochlädt.

EU-Urheberrechtsreform: Das Upload-Filter-Hintertürchen der EU-Ratspräsidentschaft

Der Vorschlag der EU-Ratspräsidentschaft hat aber ein entscheidendes rechtliches Hintertürchen für Plattformen wie Youtube: In diesem Vorschlag würde Youtube nicht belangt, wenn es nach besten Wissen und Gewissen mit einem eigenen Upload-Filter versucht, Urheberrechtsverletzungen zu verhindern. Außerdem müsste Youtube schnell reagieren, wenn es eine Beschwerde von den tatsächlichen Inhabern der Rechte gibt. Ziemlich genau das ist aber gerade jetzt der Status Quo bei Youtube: Das Programm Content ID gleicht die hochgeladenen Videos schon mit einer Datenbank an geschütztem Material ab. Falls jemand sich trotzdem um seine Rechte betrogen fühlt, kann er sich bei Youtube beschweren, und das Video sollte offline genommen werden. Problematisch würde das nur für kleinere Anbieter und Plattformen, die sich kein aufwendiges Programm wie Content ID bauen können.

In der Version des EU-Parlaments hingegen gibt es eine solche Ausnahme nicht. Wenn dann ein Video auf Youtube landet, für das Youtube nicht die erforderlichen Rechte hat, könnte der tatsächliche Rechteinhaber Youtube verklagen. Wenn Youtube nicht in einer Klageflut untergehen wollte, müsste es also a) bei jedem Upload einen Vertrag mit dem Nutzer schließen, der Youtube die entsprechenden Rechte für sein Werk zugesteht. Und b), Youtube müsste bei jedem Video prüfen, ob der Nutzer auch tatsächlich nur eigenes Material verwendet oder die Rechte an allen anderen Werken hat, die er zitiert.

Praktisch würde das bedeuten: Wenn der Kanal Wissenswert mal wieder Videos mit melancholischer Klaviermusik unterlegt, muss Youtube vor dem Upload prüfen, wer die Rechte an dem Geklimper hat. Dazu kämen noch etliche Ausnahmen: Ist es eine Parodie? Ein Remix? Dann wäre die Lage schon wieder anders.

Der perfekte Upload-Filter ist technisch unmöglich

Ein Upload-Filter, der alles geistige Eigentum und alle Werke dieser Welt kennt und auch in einem Video erkennt, ist schwer vorstellbar. „Technisch unmöglich“, schreibt Patrick Beuth bei Spiegel Online. Und auch Youtube-Mitarbeiter können das nicht leisten.

Wie genau die Richtlinien für Upload-Filter letztlich aussehen werden, ist jetzt noch unklar. Solange der exakte Text nicht feststeht, wäre es falsch zu sagen „Youtube geht unter“. In einer langen Analyse weist der Journalist Sebastian Meineck darauf hin, dass Youtuber bisweilen auch ganz eigene Anreize haben, über ihr drohendes Ende zu schwadronieren – die Videos klicken einfach ziemlich gut. Andererseits wäre es aber auch falsch, schon Entwarnung zu geben. Eine schlecht formulierte Richtlinie könnte so einiges an Netzkultur (Memes, Parodien, Youtube-Hysterien mit melancholischer Klaviermusik) kaputtregulieren – mal ganz Abgesehen von den Folgen für die Meinungsfreiheit.

Nach ein paar heißen Stunden und Tagen ist Youtube aber erstmal wieder zur Normalität zurückgekehrt. Es gibt nur noch ein Video in den Trends zum Thema – und das beschäftigt sich auch schon mit der Hysterie an sich: „Warum Youtube 2019 NICHT tot ist“ heißt das Video von MrWissen2Go. Den Rest der Youtube-Trends dominiert wieder Altbekanntes: Platz zwei geht an den Rapper Capital Bra mit „Gekämpft“, Platz eins an Sängerin Ariana Grande mit „Breathin“.

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2 Kommentare
Titus von Unhold
Titus von Unhold

Die Lobbyisten von YouTube schwadronieren und die bildungsfernen Kids plappern blind nach. Manchmal bin ich dann doch froh dass die Politik in Brüssel doch nicht ganz so einfach umfällt wie es sich manche wünschen.

Antworten
Parlamentarier
Parlamentarier

oh, wow … Die Frühaufsteher der YouTube Fraktion sind endlich wach geworden? Artikel 13, oder auch Upload Filter genannt, wird schon seit Monaten debatiert und vom Europaparlament am 12.09.2018 befürwortet. Würden die YouTuber nicht in ihrer Scheuklappengroßen eigenen Welt leben, hätten wir schon sehr viel früher sehr viel mehr Stimmen gegen Artikel 13. Aber nein, die müssen ja erst wach werden, wenn ihr Kanal auf einmal direkt betroffen ist. Alle anderen sind ihnen offenbar Egal.

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