Analyse

EU-Urheberrechtsreform versetzt Youtuber in Panik – zu recht?

Tränen, Tragik, Aufnahmen in Schwarz und Weiß: Aufgebrachte Youtuber fürchten um ihre Kanäle. (Screenshot, 08.11.18)

„Mein Kanal wird gelöscht!“ – Einige der reichweitenstärksten deutschen Youtuber schlagen Alarm. Das Ende der Plattform sei nah, so die Stimmung. Was hinter der Angst steckt.

Auf Youtube ist in diesen Tagen einiges los. „Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ heißt ein Video, dass vor kurzem noch auf Platz eins der Youtube-Trends in Deutschland stand. Seinen 300.000 Abonnenten erklärt der Kanal „Wissenswert“: „Youtube wird schon bald nicht mehr so sein, wie es zuvor war. In einigen Monaten werden fast alle Kanäle (…) gelöscht werden. Egal wie groß und beliebt, niemand wird übrig bleiben.“ Dazu hat der Kanal melancholische Klaviermusik eingespielt. 3,5 Millionen Menschen haben sich das Video bisher angeschaut. Wer in der Suche „Kanal gelöscht“ eingibt, bekommt den Eindruck, dass fast jeder Youtuber in den letzten drei Tagen ein tragisches „Kanal gelöscht“-Video aufgenommen, natürlich mit weinendem Smiley.

Auslöser für die Angst auf allen Kanälen ist ein Blogbeitrag, den Youtubes CEO Susan Wojcicki Ende Oktober veröffentlicht hat. In ihrem Blog-Beitrag bezieht sich Wojcicki auf die Pläne für Upload-Filter der EU. Der Artikel 13 des Papiers, so Wojcicki, könnte das Internet drastisch verändern.

„Artikel 13, so wie er jetzt ist, bedroht die Möglichkeit von Millionen von Leuten, Inhalte auf Plattformen wie Youtube hochzuladen. Und er droht Nutzer in der EU bei Inhalten zu blockieren, die schon online sind (…).“ – Susan Wojcicki

Für die Youtuber war das anscheinend ziemlich starker Tobak. Mit der Aufregung wurde auch prompt eine Petition gegen den berüchtigten Artikel 13 auf Change.org wiederbelebt: „Stop the censorship-machinery! Save the Internet!“, steht da drüber. Auch Youtuber wie Dagi Bee werden da plötzlich politisch und rufen zur digitalen Unterschrift auf.

Die Welle der Empörung ist mittlerweile auch in Brüssel angekommen. Reinhard Hönighaus, der Sprecher der EU-Kommission in Deutschland, versucht schon, per Twitter die Youtuber zu beruhigen: „Youtuber bzw. Nutzer von Plattformen werden auch in Zukunft das tun können, was sie heute tun, nämlich kreative Inhalte hochladen“, schrieb er.

Aber auch auf Twitter bekommt die EU und ihr Artikel 13 Gegenwind. „Falsch! Der Text des #EP birgt Gefahren & Rechtsunsicherheiten“, schreibt EU-Parlamentarier Tiemo Wölken.

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2 Kommentare
Titus von Unhold
Titus von Unhold

Die Lobbyisten von YouTube schwadronieren und die bildungsfernen Kids plappern blind nach. Manchmal bin ich dann doch froh dass die Politik in Brüssel doch nicht ganz so einfach umfällt wie es sich manche wünschen.

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Parlamentarier
Parlamentarier

oh, wow … Die Frühaufsteher der YouTube Fraktion sind endlich wach geworden? Artikel 13, oder auch Upload Filter genannt, wird schon seit Monaten debatiert und vom Europaparlament am 12.09.2018 befürwortet. Würden die YouTuber nicht in ihrer Scheuklappengroßen eigenen Welt leben, hätten wir schon sehr viel früher sehr viel mehr Stimmen gegen Artikel 13. Aber nein, die müssen ja erst wach werden, wenn ihr Kanal auf einmal direkt betroffen ist. Alle anderen sind ihnen offenbar Egal.

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