Interview

Eve-Systems-CEO: „Komplexität bremst den Smarthome-Durchbruch aus“

Weniger Bridges und Cloud-Konten, mehr Privatsphäre-Einstellungen braucht der Smarthome-Markt, ist Jerome Gackel, CEO von Eve Systems, überzeugt. (Foto: Eve Systems)

Jerome Gackel, CEO des Münchener Homekit-Spezialisten Eve Systems, erklärt im t3n-Interview, warum der Smarthome-Markt die Masse noch nicht erreicht.

Während Technik-Dauerbrenner wie etwa Smartphones und TV-Geräte sich immer schleppender verkaufen, wächst der Smarthome-Markt stabil. Die Heimautomation hat die Nerd-Blase verlassen. Laut Bitkom nutzen drei von zehn Bundesbürgern mindestens eine Smarthome-Anwendung. Das macht Mut – selbst Ikea hat Blut geleckt.

Aber so richtig gezündet hat der Hoffnungsträger Smarthome noch nicht. Von einem Durchbruch zum Massenmarkt kann bisher keine Rede sein. Woran liegt das? Und was muss passieren? Darüber sprachen wir mit Jerome Gackel, CEO des Münchener Smarthome-Spezialisten Eve Systems. Das Unternehmen stellt ausschließlich Zubehör für Apples Homekit-Plattform her. Dafür hat es eigenen Angaben zufolge bisher 900.000 Geräte verkauft – bis Ende des Jahres soll die Millionenmarke geknackt sein.

Eve Systems legt wie Apple den Marketing-Schwerpunkt auf das Privatsphäre-Argument. Der Umgang mit Daten war zuletzt ein häufiger Kritikpunkt am Smarthome-Markt. Aber das ist laut Jerome Gackel nicht die einzige Herausforderung.

t3n: Was muss passieren, damit der Smarthome-Markt zum Massenmarkt wird?

Jerome Gackel: Er muss übersichtlicher werden. Ich bin auf der Ifa 2019 durch die Smarthome-Halle gegangen und habe auf den Ständen der jeweiligen Hersteller sehr viele komplizierte Slogans gelesen. Mit sehr vielen technischen Argumenten und Kompatibilitätshinweisen. Das überfordert viele Konsumenten und schreckt sie ab. Wir haben unsere Aussage auf „100 Prozent Privatsphäre. Dein Zuhause. Deine Daten.“ reduziert, weil wir glauben, dass ein klares, nachvollziehbares Argument genügt.

t3n: Warum erklärt die Branche nicht verständlicher, was sie zu bieten hat?

Viele Hersteller verfolgen den Ansatz, zu möglichst vielen Plattformen und Marken kompatibel zu sein. Wenn sich eine nicht durchsetzt, tut es hoffentlich die andere, so das Kalkül. Doch mehr Kompatibilität erhöht auch die Komplexität. Das ist ein fauler Kompromiss. Als Hersteller im Smarthome-Markt zu wachsen und gleichzeitig die Komplexität für den Nutzer zu reduzieren, muss das Ziel lauten.

t3n: Bisher gibt der Erfolg den Systemen mit breiter Marken- und Produktunterstützung recht. Praktisch alle Champions bieten leicht zugängliche Schnittstellen. Eve bindet sich an Apple Homekit, das hohe Hürden setzt. Wollen Sie etwa nicht schnell wachsen?

Wir haben binnen vier Jahren über ein Dutzend Homekit-Produkte auf den Markt gebracht – langsam ist anders. Allerdings lässt sich Wachstum in dieser Marktphase nicht mehr allein über ein breites Angebot oder großen Funktionsumfang erzielen. Der Flaschenhals ist die Akzeptanz. Es kommt darauf an, den Nutzer vom Mehrwert zu überzeugen. Deswegen haben wir uns hingesetzt und geprüft, was uns besonders macht. Eine Umfrage zeigte, dass viele gar nicht wissen, dass Eve-Produkte selbst kein Cloud-Konto erfordern und alle Daten lokal und damit privat speichern.

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3 Kommentare
A. Gudera

Ich glaube nicht, dass es Komplexität ist, was Menschen hindert, das Haus zum SmartHome zu verwandeln. Vielmehr ist es eine (leider immer öfter begründete) Skepsis gegenüber den Online-Services, die hinter den SmartHome-Devices stehen.

Viele Komponenten werden primär, teilweise sogar ausschließlich über Apps und Webseiten der Hersteller parametriert. Damit gibt man logischerweise Informationen preis, die eigentlich nicht veröffentlicht werden sollten, so z.B. das WLAN-Passwort und durch die Nutzung die persönlichen Verhaltensweisen.

Firmwareaktualisierungen für die Komponenten sind oft Mangelware und das Verständnis für die informationelle Selbstbestimmung ist gestiegen.

Der Wunsch der Anbieter von SmartHome-Devices, mit Daten ein Zusatzeinkommen zu generieren, korrumpiert den Markt zusätzlich.

Ein reines, backbone-unabhängiges Offline-System würde vermutlich eine deutlich gesteigerte Akzeptanz beim Kunden hervorrufen.

Weiterhin sollte man bedenken, dass für SmartHome-Anwendungen eine recht starke Technikaffinität beim Kunden erforderlich ist.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Die Lösung heißt KNX.

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Markus
Markus

Wenn ich ein Heim gestalte, dann möchte ich Investitionsschutz, denn es in der IT Welt nicht gibt. Ständig ändert sich alles.

Seit 10 Jahren wohnen wir in einem SmartHome und ich denke ich weiss wovon ich rede. Daheim nutzen wir ein Offline System und es ist super im Hintergrund. Im Büro hingegen ein neues nur per App auf besonders einfach gemacht ohne Komplexität. Das System mit App und Cloud würde ich NIE wieder kaufen egal von welchem Hersteller.

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