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Facebook-Börsengang: Wie die Zahl der aktiven Nutzer schöngerechnet wird

(Foto: GOIABA (Goiabarea) / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Im Prospekt für den Facebook-Börsengang stecken einige interessante Zahlen. So rechnet Facebook beispielsweise mit 483 Millionen aktiven Mitgliedern, die die Plattform jeden Tag nutzen, 845 Millionen sind es demnach im Monat. Schaut man aber etwas genauer hin, sieht es nach Schönrechnen aus.

Hohe Nutzerzahlen für den Facebook-Börsengang

Mark Zuckerberg hatte lange Zeit, Facebook auf den geplanten Gang an die Wallstreet vorzubereiten. Letzte Woche wurden dann erwartungsgemäß die notwendigen Formalien für den Facebook-Börsengang erledigt. Mit dem bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Börsenprospekt erfüllte Facebook nicht nur eine wichtige Auflage, sondern ermöglichte gleichzeitig viele interessante Einblicke in die Zahlen des führenden Social Networks. So wurde sehr prominent mit einer Grafik auf die 845 Millionen Mitglieder hingewiesen, die Facebook als „monthly active users“ führt.

Nun ist dieser Wert allerdings nicht gerade sehr aussagekräftig, weil eine Aktivität im Monat schon durch eine Benachrichtigung per E-Mail ausgelöst werden könnte. Viel interessanter sind die täglich aktiven Nutzer. Auch hier glänzt Facebook mit einer beeindruckenden Zahl. Demnach sollen 483 Millionen Mitglieder täglich bei Facebook aktiv sein. Doch wer nun glaubt, es handele sich dabei um Besuche der Website und um mobile Zugriffe, der irrt.

Vor dem Facebook-Börsengang bekommen die Likes eine besondere Bedeutung. (Foto: GOIABA (Goiabarea) / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Aktive Nutzerzahlen für den Facebook-Börsengang schöngerechnet

Facebook dehnt den Begriff der aktiven Nutzer auch auf Aktivitäten aus, für die Nutzer die Plattform gar nicht besuchen müssen. So sollen auch Aktivitäten von Drittanbieter-Apps und Websites dazugezählt werden, die mit Facebook verknüpft sind. Konkret definiert es Facebook im Börsenprospekt so:

„Daily Active Users (DAUs). We define a daily active user as a registered Facebook user who logged in and visited Facebook through our website or a mobile device, or took an action to share content or activity with his or her Facebook friends or connections via a third-party website that is integrated with Facebook, on a given day.“

Das bedeutet also auch, dass sämtliche Klicks auf den Like-Button auf externen Websites zu den Nutzer-Aktivitäten gezählt werden. Zusätzlich kommen noch alle Aktionen dazu, die automatisch zu Facebook gepostet werden. Also auch Shares von populären Apps wie Spotify oder neuerdings auch Pinterest sowie automatische Crosspostings von Twitter oder Google+ zählen quasi wie Besuche.

Warum die geschönten Zahlen problematisch sind

Nun könnte man den Standpunkt vertreten, es spiele keine Rolle welche Arten von Aktivität Facebook zählt, denn schließlich seien Likes und Shares ja auch eine Art von Aktivität. Das ist zwar richtig, doch für die Beurteilung von Facebook spielt die Art der Aktivität sehr wohl eine wichtige Rolle. Facebook ist insgesamt sehr stark auf Wachstum ausgelegt und braucht hohe Nutzerzahlen, um das eigene Geschäft voranzutreiben. Nur mit möglichst vielen Nutzern lässt sich die Plattform auf Dauer über Werbung in der Gewinnzone halten.

Das erkennt man auch daran, dass Facebook erst nach der Einstellung von Sheryl Sandberg profitabel wurde. Die ehemalige Vize-Präsidentin für die weltweiten Online-Verkäufe von Google wechselte 2008 zu Facebook und steuerte das Social Network innerhalb von nur einem Jahr in die Gewinnzone. Das hauptsächliche Geschäft von Facebook besteht weiter aus dem Verkauf von Werbung auf der Plattform. Genau dafür sind hohe Nutzerzahlen sehr wichtig, die natürlich durch einen möglichst hohen Anteil an aktiven Mitgliedern noch interessanter werden. Doch wenn viele der angeblich aktiven Nutzer die Plattform gar nicht aufsuchen, sondern nur von extern agieren, sehen sie auch die Werbung nicht und können logischerweise auf keine Anzeige klicken.

Gerade im Hinblick auf den geplanten Börsengang ist diese Erkenntnis wichtig. Facebook jongliert hier mit deutlich überhöhten Zahlen, die für das eigene Geschäftsmodell eine wichtige Rolle spielen. Ob das von der US-Börsenaufsicht beanstandet werden kann, ist fraglich. Für potenzielle Investoren sollten die geschönten Zahlen aber in jedem Fall ein Fingerzeig sein. Nicht jede Zahl, mit der Facebook glänzen möchte, bleibt auch bei genauerer Betrachtung beeindruckend.

Weiterführende Informationen zum geplanten Facebook-Börsengang:

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4 Reaktionen
aktive Nutzer

Die User die keine Werbung sehen können weil sie beispielsweise nur Likes auf facebook-fremden Seiten sehen, müsste man von Besuchern bzw. Apps-Nutzer welche Werbung sehen separat rechnen.

Es gibt also User deren Surfverhalten man tracken kann (die 480 Mio) und User welche Facebook-Werbung sehen könnten (Apps, Web-Site, ...).

Die IVW-Zahlen für Papier-Zeitschriften und Papier-Zeitungen scheinen schlauer und zielgerichteter definiert zu sein als die Web-Branche oder Börsen-Firmen und Testierungs-Unternehmen wo leider anscheinend klare Vorgaben für solcherlei Zahlen fehlen und man dann durch den Markt quasi gezwungen wird, möglichst optimistisch zu rechnen. Aber das die Bananenkrümmung genormt ist, ist sicher viel besser für die Welt.

Antworten
Henryk

Die Facebook Zahlen sind definitiv schöngerechnet. Ein Beispiel.
London hat 8 Millionen Einwohner, in der Metropolitian Area knapp 14 Millionen (siehe Wikipedia). Jeder der in seinem Profil angibt, das er in London wohnt wird automatisch der Stadt London hinzugefügt. Wenn man nun nach Lodon selber sucht bekommt man als Vorschlag den Ort mit 1.123.433 Millionen likes.
Wo sind dann die restlichen 7 Millionen bzw. 12,5 Millionen? Ich selber wohne im Großraum London und habe London hinzugefügt, was sicher viele andere genauso machen.

Von daher glaube ich den Zahlen hinten und vorne nicht. Es mag viele geben, die ein FB Konto haben, aber es gibt sicher auch viele Leichen in der Kartei. Und mit Europa, das wohl 225 Millionen Accounts hat bei 500 Millionen Einwohnern müsste quasi jeder zweite ein Facebook Konto besitzen. Wenn ich den Bevölkerungsschnitt nehme, das 50% über 50 sind und unter 12, dann besitzt quasi jeder in der Kernzielgruppe ein Facebook Account. Ich glaube ja viel, aber an den Weihnachtsmann ganz sicher nicht.

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Norman

Find ich nicht schlimm, wenn Likes als Aktion eingeschätzt werden.. sind sie doch auch. Genauso wenn ich ein Video auf YouTube teile oder wenn von Twitter automatisch Tweets per App auf Facebook gepostet werden.

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passsy

Wer bei Facebook aktiv ist, ist offizielle ein DAU xD

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