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Was Facebook löscht und was nicht: Das soziale Netzwerk schafft Klarheit

Was Facebook löscht und was nicht. (Grafik: Shutterstock /  T-Kot)

Facebook hat sich zur Praxis gelöschter Inhalte geäußert. So sind Beiträge, die gewaltbereites, kriminelles oder hasserfülltes Verhalten propagieren, verboten. Zur gängigen Zensur wird sich jedoch kaum geäußert.

Facebook stand in den letzten Monaten immer wieder stark in der Kritik, wenn es darum geht, dass Inhalte auf der Plattform gelöscht werden – beispielsweise Mohammed-Karikaturen, Facebook-Seiten von russischen Oppositionellen oder persönliche Profile von Drag-Queens, die öffentlich mit ihrem Künstler- statt ihrem Klarnamen auftreten wollten.

Während einige Löschungen ziemlich eindeutig mit der Unvereinbarkeit der allgemeinen Geschäftsbedingungen zu erklären sind, wird es vor allem bei politischen Inhalten häufig schwierig, wird doch einiges von Regierungen veranlasst, die Kritiker ganz einfach mundtot machen wollen. Das passt wenig zu dem in den Grundsätzen des Unternehmens formulierten Credo, dass „Nutzer die Freiheit besitzen sollen, alle Informationen, die sie teilen möchten, in jedem Medium oder Format mit anderen teilen zu können“.

Community-Regeln auf Facebook: Gelöscht werden gewaltverherrlichende Inhalte

Immer schön fröhlich bleiben: Inhalte die gewaltbereites, kriminelles oder hasserfülltes Verhalten propagieren, sind verboten. (Screenshot: Facebook)

Immer schön fröhlich bleiben: Inhalte die gewaltbereites, kriminelles oder hasserfülltes Verhalten propagieren, sind verboten. (Screenshot: Facebook)

Um bei dem Thema für etwas mehr Klarheit zu sorgen, hat sich Facebook jetzt entschlossen, einige Umstände, die zu Löschungen beitragen, konkret zu machen. So sagt Monika Bickert, die bei Facebook den Titel „Head of Global Policy Management“ trägt, dass schon seit langem Inhalte der Terrorgruppe Islamischer Staat verbannt würden. Zudem würden auch Inhalte von befreundeten oder unterstützenden Gruppen, die gewaltbereites, kriminelles oder hasserfülltes Verhalten propagieren, gelöscht. Auch Personen und Gruppen, die anderen Menschen körperlichen, psychischen oder finanziellen Schaden durch veröffentlichte Inhalte zufügen, sind auf Facebook nicht erlaubt. Unter ersteres fallen vor allem Beiträge, die Selbstmord oder Essstörungen fördern.

„Fotografien von entblößten Genitalien, Brüsten und Hintern werden entfernt.“

Ein heikles Thema ist und bleibt auch Nacktheit. In der Vergangenheit wurden etliche Titelblätter von Zeitungen und Zeitschriften auf Facebook zensiert, die entkleidete Menschen zeigen. Monika Bickert erklärt, dass Fotografien von entblößten Genitalien, Brüsten und Hintern entfernt werden. Jedoch habe man sich intern auch auf Ausnahmen verständigt: Abbildungen von stillenden Müttern oder Patienten, die eine Mastektomie hinter sich haben, seien erlaubt. Auch Fotografien von Skulpturen, Gemälden und anderen Kunstobjekten, die nackte Körper zeigen, ebenfalls.

Ein Thema, das im Netz immer wieder für Aufregung sorgt, sind zudem „Revenge-Porn“-Inhalte. Darunter zählen Fotografien oder Videos, die nackte Personen zeigen und die ohne ihre Einverständniserklärung veröffentlicht wurden. In besonders harten Fällen zeigen sie die Opfer auch beim Geschlechtsverkehr. Für Facebook sei klar, dass derartige Inhalte, die sexuelle Gewalt und Ausbeutung von Menschen fördern und deswegen keinen Platz auf der Plattform bekommen dürfen.

https://vimeo.com/122138817

Dass Inhalte nicht durch automatisierte Verfahren gesperrt würden, werde sich auch in Zukunft nicht ändern, betonte Monika Bickert ausdrücklich. Facebook halte an dem Meldesystem durch Nutzer fest, ein weltweit verteiltes Team sichte alle gemeldeten Inhalte persönlich, bewerte den Kontext und treffe erst daraufhin eine Entscheidung. Der Prozess könne insofern bis zu 48 Stunden dauern, was einige Nutzer eventuell stören dürfte, insofern ein Inhalt stark viral verbreitet wird. Damit müssten die Nutzer jedoch vorerst leben, so Bickert.

Politische Einflussnahme auf Facebook: Nur wenige Informationen zu zensierten Inhalten

Zensur auf Facebook: Meinungsfreiheit hört da auf, wo das Geschäft bedroht wird. (Grafik: IsaacMao / flickr.com, Lizenz: CC-BY-2.0)

Zensur auf Facebook: Meinungsfreiheit hört da auf, wo das Geschäft bedroht wird. (Grafik: IsaacMao / flickr.com, Lizenz: CC-BY-2.0)

Facebook hat mit seinem Vorstoß vor allem die geltenden Community-Regeln wiederholt und konkretisiert. Damit möchten die Verantwortlichen die 1,3 Milliarden Nutzer des Netzwerks über eventuelle Fehltritte aufklären. Weiterführende Informationen zu gelöschten Inhalten mit politischem Kontext, die nicht gegen die hauseigenen Richtlinien verstoßen, wurden jedoch nicht näher erläutert. Die Verantwortlichen verweisen lediglich auf den „Global Government Requests Report“ und liefern Zahlen zum Umfang derartiger Löschungen.

Gründe, warum politische oder religiöse Inhalte zensiert werden, sind vor allem, dass Regierungen dem sozialen Netzwerk mit der Sperrung im jeweiligen Land drohen. Ein Dilemma, das wir erst kürzlich im Rahmen des Beitrages „Zensur auf Facebook: Meinungsfreiheit hört da auf, wo das Geschäft bedroht wird“ beleuchtet haben.

via bits.blogs.nytimes.com

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tws
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(Ganz nebenbei: Die gezeigte Illustration mag von Isaac Mao „remixt“ worden sein, aber das Original stammt immer noch von Eric Drooker. Daher wäre ich äußerst skeptisch, was die genannte CC-Lizenz angeht.)

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