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Kommentar

Facebook ist nicht in der Krise. Facebook ist die Krise

Mark Zuckerberg versteht längst nicht mehr, was auf Facebook passiert. (Foto: Shutterstock)

Daten-Zugang für Airbnb und Netflix, der Cambridge-Analytica-Skandal, Online-Hetze, Datenleaks: Will und kann Mark Zuckerberg Facebook reparieren? Eher nicht. Vielleicht kann es überhaupt niemand.

In den letzten Tagen und Wochen kommt Facebook kaum noch aus den Desaster-Schlagzeilen heraus. Jetzt tauchen auch noch 250 Seiten aus Dokumenten im Netz auf, die das britische Parlament hatte beschlagnahmen lassen. Und diese Seite haben es in sich, wie die MIT Technology Review berichtet:

  • Trotz des Skandals, dass Dritte wie die Politik-Beeinflusser Cambridge Analytica über Facebook Nutzerdaten ergattern konnten, durften „Partner“ wie Netflix oder Airbnb weiter Freundeslisten auslesen.
  • Facebook ist aggressiv gegen die Konkurrenz vorgegangen: Nachdem Twitter die Video-Plattform Vine startete, ließ Zuckerberg Twitters Zugang zur Facebook-API kappen.
  • Zuckerberg wollte auch von Apps, die Facebook als Plattform nutzen, Informationen über Facebook-Nutzer erhalten. Frei nach dem Motto: Ihr nutzt unsere Daten, dann wollen wir auch eure.
  • Facebook griff über die Facebook-App heimlich auf die „letzten Anrufe“ von Nutzer-Handys zu. Facebook konnte so besser „neue Freunde vorschlagen“ und den Newsfeed-Algorithmus personalisieren.
  • Facebook spähte auf den Handys von Nutzern aus, welche Apps sie sonst noch so verwenden und wie oft. Die Idee dabei war, mögliche Konkurrenten zu finden und früh übernehmen zu können.

Jeder Punkt für sich genommen ist schon ein Skandal

Schlimmer aber als die Dreistigkeit, die Heimlichtuerei und der Machtmissbrauch des Konzerns ist, dass Mark Zuckerberg seine verrückte Maschine längst nicht mehr im Griff hat. Noch immer ist nicht klar, in welchem Umfang Russland durch Facebook die Wahlen in den USA beeinflusst hat. Vor kurzem zeigt die New York Times in einer umfangreichen Recherche, wie Mark Zuckerberg und seine Vize-Chefin Sheryl Sandberg mit solchen Skandalen umgehen, wenn sie davon erfahren: Sie machen gerne erstmal gar nichts. Zumindest, solange es noch niemand anders gemerkt hat.

Die lange Geschichte der Facebook-Skandale

Als Alex Stamos, der damalige Sicherheitschef, Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg Ende 2016 darauf hinwies, dass sein Team russische Einflussnahmen entdeckt hat, waren die beiden sauer. Sauer darüber, dass Stamos seinen Job gemacht und ohne ihr Okay zu tief gegraben hatte. Aus Angst vor Image-Schäden wiesen sie ihn an, die Füße still zu halten. Das Fake-News-Netzwerk innerhalb Facebooks wurde nicht einmal offline genommen – man hatte Angst, das würde noch mehr Ärger verursachen.

Im Frühjahr 2018 flog Zuckerberg und Sandberg dann der Cambrige-Analytika-Skandal um die Ohren. Und um den Schaden zu begrenzen, heuerten sie die PR-Agentur Definers an. Und die PR-Agentur Definers, spezialisiert auf öffentliche Schlammschlachten wie vor Präsidentschaftswahlen, begann im Auftrag Facebooks mit einer Propaganda-Kampagne. Man versuchte tatsächlich, George Soros mit einer Negativ-PR-Kampagne dafür zu bestrafen, dass er Facebook kritisiert hatte. Ziel der Kampagne war es, das Licht der Öffentlichkeit auf die mutmaßlichen Verfehlungen der anderen zu lenken. Apple, so ein Vektor aus der Kampagne, sei ja auch nicht sauber.

Shery Sandberg, die Nummer zwei bei Facebook, übersah die politischen Kampagnen des Netzwerkes. (Foto: Shutterstock)
Shery Sandberg, die Nummer zwei bei Facebook, übersah die politischen Kampagnen des Netzwerkes. (Foto: Shutterstock)

Facebook: Propaganda gegen den Vorwurf der Propaganda

Das Problem nicht zu beheben und stattdessen eine politische Agentur ins Boot zu holen, die Propaganda produziert, um den Schaden auf andere abzuwälzen – das ist nicht nur in Sachen Integrität ziemlich dünn. Das ist auch ungefähr die Definition von katastrophalem Krisenmanagement. Zumal die feine grobe Ironie dabei ja ist, dass Facebook das ursprüngliche Problem – russische Propaganda – mit eigener Propaganda überdecken wollte.

Facebook ist nicht irgendein mächtiger IT-Konzern

Wenn Facebook jetzt irgendein riesiger Tech-Konzern wäre, dann wäre das schon schlimm. Dann würden Aktienwerte sinken, Umsätze würden sinken, Menschen würden Geld verlieren und vielleicht irgendwann auch Jobs. Vielleicht aber hätte ein naher Konkurrent eine Chance, Branchenprimus zu werden. Aber das wäre es dann auch. Aber leider ist Facebook nicht nur irgendein mächtiger IT-Konzern. Selbst unter den Plattform-Konzernen ragt Facebook heraus: Es ist nicht systemrelevant für unsere Kommunikation. Es ist unsere Kommunikation.

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2 Reaktionen
Uli

Zitat:"Facebook bestimmt, wie wir die Welt wahrnehmen"
Jedoch nur, wenn wir alles, ohne nachzudenken, so konsumieren, wie es veröffentlicht wird.
Wer über die "Meldungen" ein wenig nachdenkt, oder auch hinterfragt, stellt leicht fest, dass es nur eine Werbeplattform mit Kommentarfunktion ist.
Man kann sich der ganzen "Fernsteuerung" entziehen, wenn man verschiedene, (Artverschidene) Quellen nutzt und selbst denken lernt. Alternativ erst gar nicht die (a) sozialen Medine nutzt.

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Benutzer

Wenn es Marc nicht macht, macht es ein anderer.

Und es auf viele Kleine zu splitten, würde nur fragmentieren und das wesentliche verschleiern.

Genau so wie uns die deutsche Medienlandschaft propagandiert (Alle greifen das gleiche Thema auf und zwiebeln in viel Sachlichkeit leider doch auch viel eigene Meinung und verkaufen diese als ein selbstverständliches gemeinsames unausweichliches Muss), genau so greifen automatische Algorithmen bei FB ein.

Marc die Schuld geben? Oder sich selbst an die Nase fassen, eben alles zu hinterfragen und nicht einfach so zu glauben. Aber ja, alle und nicht nur FB arbeiten an genau dem gegenteil, dass wir alles präsentiert bekommen und es als Quelle nennen können und gar nicht erst auf die Idee kommen es zu hinterfragen. Der, der niemandem glaubt, wird auch automatisch zum Alu-Hut-Alien-Gläubigen, so diffamieren auch viele un- oder bewusst anders denkende im Netz.

Die Medien könnten hier schon viel richten, aber wollen ggf. auch nicht. Marcs weg ist immerhin sehr lukrativ.

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