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Kommentar

Warum auch gute Produkte wie Facebook regelmäßig ein Redesign benötigen

Die Benutzeroberfläche von Facebook ist sterbenslangweilig. Ein Redesign könnte helfen. (Foto: Shutterstock)

Facebook ist ein starkes Produkt, doch vordergründig sterbenslangweilig. t3n-Autor Andreas Weck kommentiert, warum der Social-Media-Riese sich ein Redesign gönnen sollte.

Es ist wie mit einem Lieblingssong. Je öfter man ihn im Radio hört, desto mehr verliert er an Glanz. Das heißt nicht, dass der Song automatisch schlechter wird. Das heißt auch nicht, dass ein Song per se immer nur für kurze Zeit gefällt. Aber das Hochgefühl, das man beim ersten Hören hatte, nimmt schlichtweg ab, umso häufiger er gespielt wird. Dinge, die uns ständig unverändert umgeben, laufen insofern Gefahr, langweilig zu werden. So ungefähr könnte man auch zusammenfassen, was ein Forscher-Team der University of Kansas bezüglich der Wichtigkeit neuer Erlebnisse im Hinblick auf Güter herausgefunden hat.

So wie Musiker regelmäßig neue Songs veröffentlichen, müssen Designer auch neue Benutzeroberflächen und Produkte kreieren. Noelle Nelson, Leiter des Forschungsteams, formuliert es im Journal of Consumer Research mit den Worten: „Konsumenten genießen ein Erlebnis in der Regel weniger, desto häufiger die Person (Anm. d. Red: das Produkt) konsumiert.“ Je schneller es sich in das Gedächtnis einbrennt, desto weniger spannend ist es. Unabhängig davon, ob es funktional ist. Der Effekt lässt sich meines Erachtens am besten auch am Facebook-Newsfeed spüren.

Ein großes Facebook-Redesign gab es seit Jahren nicht mehr – und das langweilt enorm

Facebook-Redesign: Warum nicht mal wieder etwas Neues wagen? (Foto: Shutterstock)

Der Newsfeed ist darauf ausgelegt, uns ständig neue Nachrichten zu präsentieren. Das Design wird zwar regelmäßig in kleinen Testgruppen etwas abgewandelt geprüft, aber ein großes, radikales Redesign ist seit einigen Jahren nicht mehr passiert. Allein der Nachrichten-Algorithmus hält uns bei Laune. Aber das spannende Nutzererlebnis, das Anwender noch hatten, als Facebook mit reizenden Redesigns von sich Reden machte, ist ins Bodenlose abgeflacht. Es ist schlichtweg sterbenslangweilig geworden. Daran verändern auch die kürzlich veröffentlichen Reactions oder neue Werbeformate nichts.

Natürlich kann genauso gut argumentiert werden, dass Menschen allzu große Veränderungen nicht mögen. Dass ein gutes Produkt eben ein gutes Produkt ist. Und dass wir ja trotzdem jeden Tag auf Facebook die Statusmeldungen von Freunden, Verwandten und Unternehmen konsumieren. Aber wenn das allein die Prämisse ist, würden wir wohl immer noch im Internet der 90er Jahre surfen. Die Inhalte darin, die uns interessieren, sind das eine. Aufregende Nutzererfahrungen während des Surfens, aufbauend auf visuell ansprechenden Designs, sind jedoch etwas ganz anderes.

„Selbst das Internet-Sorgenkind Twitter geht kreativer mit dem Thema um.“

Trickreich geht damit ein anderer IT-Konzern in seinem Top-Selling-Produkt um: Die Rede ist von Google Search. Das oft zitierte Tor ins Internet verändert das Google-Logo im Rahmen witziger Doodles über dem Suchfeld ständig. Nicht wenige Doodles sind sogar interaktiv und bringen Anwender dazu, sich länger damit zu beschäftigen – damit zu spielen, sich zu informieren. Das Design der Google-Suche liefert so regelmäßig neue Gefühle und sorgt für Spannung, Freude und ständig neue Wow- und Aha-Effekte, wenn wir durch ein Doodle wieder etwas dazulernen.

Selbst das Internet-Sorgenkind Twitter geht kreativer mit dem Thema um. Nutzer können sich auf dem Microblog die Design-Farbe ihres Auftrittes selber aussuchen. Das wirkt zunächst nicht unbedingt wie der große Wurf, aber es ist ein Mindestmaß an Veränderung möglich – und das wird sogar dem Nutzer selbst in die Hände gelegt. Jeder Anwender kann sich sein Twitter visuell so aufziehen, wie es ihm gefällt. Das System ermöglicht dem Benutzer, sich mittels Customization-Funktionen eigene Bedürfnisse zu erfüllen – nicht nur bezüglich der Inhalte, sondern eben auch im Rahmen des Layouts.

Auch gute Produkte brauchen also regelmäßig Redesigns, damit der Mensch wieder in der Lage ist, Reize zu empfangen und Spannung bei der Bedienung aufzubauen. Bei Facebook wird es allmählich Zeit, sich mal wieder den Staub von den Schultern zu klopfen. Schlägt man jetzt die Brücke zu den eingangs beschriebenen Musikern und ihren Songs, so dürfte Facebook bezüglich der Design-Ansprüche wohl als One-Hit-Wonder gelten.

So, und wie könnte ein Redesign jetzt aussehen? Dieses radikale Konzept könnte die Facebook-Designer vielleicht inspirieren. Lies auch: Facebook in schick – so könnte ein Redesign aussehen

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3 Reaktionen
Johnny

Das präsentierte Design fand ich persönlich absolut durchschnittlich.
Die Login-Seite für so etwas einzigartiges wie Facebook sieht zu standardmäßig aus. Das Kacheldesign wirkt für mich unruhig und nicht übersichtlich. Das alles erschwert doch immer die Informationserfassung.
Von der Idee her war das Konzept ganz nett, die Umsetzung leider nicht wirklich gelungen.

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Marc Eichenseher

Sehe es ähnlich wie Jan.

Und mal abwarten, aus meiner Sicht, hat der Kampf um den Titel King of Web Technologies gerade begonnen.

Google rüstet alle Projekte, auch die Großen, mit ihrer übergeilen Polymer Library auf.

Und Facebook arbeitet auch immer mehr an ihren eigenen Seiten (siehe Docs oder Werbenanzeigenmanager) die Teils, gut teils nicht so gut laufen.

Mal abwarten ob's ein React Rebuild geben wird.

Aber aufjedenfall, stimme ich der Kernaussage zu. Jede Seite sollte mit der Zeit gehen. ;)

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Jan

was für ein schwachsinn. facebook lebt nicht von seinem design, sondern von seiner funktionalität. und wer findet solch ein chaotisches kacheldesign eigentlich gut?

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