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Analyse

Warum Facebook weniger Verantwortung in der Nachrichtenwelt haben will

(Foto: dpa)

Facebook kündigt ein Newsfeed-Update an, das nicht nur Marketer, sondern auch Nachrichtenseiten um ihre Reichweite fürchten lässt. Was könnte hinter diesem Update stecken?

Facebook gab unlängst bekannt, weitreichende Änderungen im Newsfeed vornehmen zu wollen. Während Marketer lediglich darüber klagen, nun mehr Geld in bezahlte Reichweite investieren zu müssen, fürchten etliche Nachrichtenseiten um einen wichtigen Kanal zur Verbreitung ihrer Inhalte.

Das angekündigte Update bedeutet übrigens nicht, dass Unternehmens- und Publisher-Beiträge aus den Newsfeeds verbannt werden und Nutzer dort nur noch Katzenfotos finden werden. In seiner Ankündigung erklärt Facebook, künftig Beiträge generell danach zu priorisieren, ob sie zu Interkationen und Austausch anregen oder nicht. Das betrifft grundsätzlich private Beiträge ebenso wie Posts von Unternehmen und Medien - jedoch mit dem wichtigen Zusatz, dass private Posts Vorrang haben. Im Klartext heißt das: Ein zu Interaktionen anregender Privat-Post wird einem zu Interaktionen anregenden Unternehmens-Post vorgezogen und im Newsfeed priorisiert - ein uninteressanter Privatpost, der nicht zu Interaktionen anregt, wohl eher nicht.

Dennoch ist die Sorge der Nachrichtenportale nicht unbegründet. Bereits 2016 haben soziale Netzwerke klassische Printmedien als Nachrichtenquelle überholt und sind damit der wichtigste Anlaufpunkt, wenn es darum geht, Nachrichten zu lesen. Ein derart radikaler Eingriff in den Newsfeed-Algorithmus, wie die Ankündigung von Facebook vermuten lässt, kann die Nachrichtendichte im Newsfeed der Nutzer radikal verringern. Ist es vielleicht genau das, was Facebook anstrebt?

Aus großer Macht folgt große Verantwortung

Als Hauptverteiler für Nachrichten und Informationen in der digitalen Gesellschaft, trägt Facebook eine enorme Verantwortung. Wie schwer diese ist, zeigen die zahlreichen Kontroversen zum Beispiel im Zuge der US-Präsidentschaftswahl. Facebook und andere Plattformen sind wegen der Ausbreitung von Falschmeldungen und gefälschten Nachrichten mehrfach ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Auch Hasskommentare werden zu einem zunehmenden Problem, wie nicht zuletzt das nicht unumstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zeigt. Im Gegensatz zur heilen Instagram-Welt, wo User fleißig Herzchen verteilen und Unternehmen mit schönen Bildern für sich werben, ist Facebook geradezu ein Tollhaus, in dem sich jede noch so absurde Weltanschauung nahezu ungefiltert verbreiten kann. Öffentliche Kritik und die Versuche stattlicher Regulation zwingen Facebook zum Handeln. Das bedeutet entweder, stärker zu kontrollieren und weitere Löschteams zu engagieren oder ganz einfach die Verbreitung von Nachrichten einzudämmen.

Fraglich bleibt jedoch, ob Facebook so einfach diese Verantwortung, die es in den letzten Jahren aufgebaut hat, aufkündigen kann, findet auch US-Journalistik-Professor Jeff Jarvis. Er fürchtet, Medien sehen nun ihre Befürchtungen bestätigt, Facebook würde ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Fraglich sei seiner Meinung nach auch, ob Facebook Interaktionen zur Priorisierung einzelner Beiträge nur quantitativ oder auch qualitativ (Höflichkeit, Glaubwürdigkeit, Intelligenz) messen werde.

Wie schwer das Newsfeed-Update Unternehmen und Publisher treffen wird und ob sich dies für alle beteiligten zum Positiven oder zum Negativen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Klar dürfte jedoch sein: Facebooks Weg, die eigene Verantwortlichkeit zu definieren, ist noch ein weiter.

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