Kommentar

Was Mark Zuckerberg mit „privatsphäre-fokussiert“ wirklich meint

Macht Facebook Ernst mit dem Datenschutz? Foto: pixinoo/Shutterstock

Ablenkungsmanöver, Rettungsversuch, tiefer Sinneswandel? Mark Zuckerberg will Facebook zu einem Unternehmen machen, bei dem die Privatheit der Kommunikation im Mittelpunkt steht. Das darf aber nicht mit allgemeinem Datenschutz verwechselt werden.

„Ich glaube, die Zukunft der Kommunikation wird zunehmend in Richtung privater, verschlüsselter Dienste gehen, in denen die Leute sich sicher fühlen, dass das, was sie sagen, geschützt und nicht für immer verfügbar bleibt“, schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Mittwoch bei Facebook. Die Konsequenz: Facebook will unter anderem die Inhalte der Kommunikation durch Verschlüsselung so schützen, dass es sie selbst nicht mehr auslesen kann und dafür sorgen, dass öffentliche oder halböffentliche Kommunikation nicht für alle Zeit online bleibt.

Zuckerberg spricht von der Zukunft und meint die Gegenwart: Dass Menschen lieber im Privaten kommunizieren, statt öffentlich oder zumindest halböffentlich ihren zahlreichen „Freunden“ bei Facebook Details ihres Lebens zu verraten, ist ein Trend, den vermutlich niemand so früh und so detailreich nachzeichnen kann wie das größte soziale Netzwerk der Welt.

Mark Zuckerberg 2010: Privatsphäre ist „nicht länger eine soziale Norm“

Er reagiert damit auf eine Entwicklung, die er selbst zu Beginn des Social-Media-Booms noch ganz anders einschätzte. 2010 sagte der Facebook-Gründer, Privatsphäre sei „nicht länger eine soziale Norm“. „Die Leute haben sich nicht nur daran gewöhnt, mehr Informationen und andere Arten von Informationen zu teilen, sondern dies auch offener und mit mehr Leuten zu tun“, sagte er damals. Doch das Pendel ist – nicht zuletzt nach zahlreichen Datenskandalen – in die andere Richtung ausgeschlagen.

Es ist also nur folgerichtig, dass sich Facebook darauf einstellt. Dahinter dürfte aber weniger ein tief greifender Sinneswandel stehen als vielmehr eine geschäftliche Notwendigkeit. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Whatsapp wurde bereits 2016 unter Facebooks Führung so implementiert, dass auch das Unternehmen selbst die Inhalte nicht entschlüsseln kann. Die Sicherheit der Kommunikationsinhalte vor fremden Blicken ist heute ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Facebook: Es gibt mehr Daten als Kommunikationsinhalte

Auch in seiner aktuellen Botschaft bei Facebook betont Zuckerberg den Aspekt der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Inhalten. Was er verschweigt: Die Inhalte der Nachrichten sind für zielgerichtete Werbung natürlich interessant – aber noch entscheidender sind in der Regel persönliche Informationen sowie Metadaten: Wer hat wann mit wem und wo geschrieben? Wer ist mit wem verknüpft? Wie alt ist die Person, welches Geschlecht hat sie und welche Seiten gefallen ihr? All das weiß Facebook auch, wenn es die Inhalte der Kommunikation zwischen den Nutzern nicht auslesen kann.

Es ist gut und richtig, dass Facebook die Vertraulichkeit der Kommunikationsinhalte in den Mittelpunkt der eigenen Produkte stellen will. Das darf aber nicht damit verwechselt werden, dass Facebook allgemein zu einem Unternehmen wird, das Datenschutz oder Privatsphäre in den Mittelpunkt stellt. Nicht nur Inhalte sind persönliche Daten, sondern auch Meta- und Profilinformationen. Derzeit sieht es nicht danach aus, als würde Facebook an den Stellen für mehr Datenschutz sorgen, an denen es das Geschäftsmodell im Kern angreifen würde.

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Eine Reaktion
Florian

Wieso sollten Sie auch? Entweder Facebook bleibt "kostenlos" und die Währung der Bezahlung sind gewisse Daten, oder Facebook verzichtet darauf und jeder muss fortan für die Nutzung monatlich zur Kasse gebeten werden, um die laufenden Kosten des Konzerns zu decken. Das wäre natürlich auch keinem recht – also wie man's auch macht…

Antworten

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