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Selbst Tote missbraucht: 2 Millionen Fake-Kommentare zu Netzneutralität identifiziert

Eric Schneiderman. (Bild: Flickr/Schneiderman)

Ein US-Generalstaatsanwalt hat mindestens zwei Millionen Fake-Kommentare zur Debatte um die Netzneutralität identifiziert. Seine Warnung verhallte aber ungehört.

Netzneutralität: Millionen Fake-Kommentare in öffentlicher Debatte zum FCC-Entscheid

Die Kehrtwende der USA in puncto Netzneutralität hat am Donnerstag für Aufregung gesorgt. Die US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) unter dem neuen Chairman Ajit Pai hatte die erst vor zwei Jahren eingeführten strengen Regeln zurückgenommen, was praktisch das Aus für die Netzneutralität bedeutet. Zu der Entscheidung beigetragen hatte auch eine öffentliche Debatte im Internet – die aber könnte großflächig gefälscht worden sein.

Fake-Kommentare zur Netzneutralität mit gestohlenen Identitäten. (Bild: Generalstaatsanwalt von New York)

Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats New York, Eric T. Schneiderman, hatte noch vor der FCC-Entscheidung für das Ende der bisherigen Regeln zur Netzneutralität bekanntgegeben, dass – offenbar auf beiden Seiten – mit gestohlenen Identitäten gearbeitet worden sein dürfte. Einer Analyse der Generalstaatsanwaltschaft zufolge seien mindestens zwei Millionen Kommentare unter falschen Namen abgegeben worden, dabei seien aber die Identitäten von echten Menschen missbraucht worden.

Die Millionen Fake-Kommentare hätten den öffentlichen Entscheidungsfindungsprozess der FCC korrumpiert, die Behörde müsse ihre Entscheidung verschieben, forderte Schneiderman in einer Mitteilung. Bis zum Mittwoch sollen schon über 5.000 Menschen der New Yorker Staatsanwaltschaft über solche Fake-Kommentare in ihrem Namen berichtet haben – der Identitätsdiebstahl sei im Staat New York ein Verbrechen, weswegen er aktiv werden müsse, so Schneiderman.

Allerdings hat sich die FCC offensichtlich nicht davon abbringen lassen, ihre Entscheidung durchzudrücken. Was Internetprovider wie Comcast oder AT&T freute, brachte Tech-Konzerne wie Google, Facebook, Twitter oder Netflix auf die Palme. Sie dürften jetzt Klagen gegen die FCC-Entscheidung planen – eventuell könnten dabei dann auch die Fake-Kommentare eine Rolle spielen.

Auf der Website der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft findet sich ein Tool, in dem man überprüfen kann, ob die eigene Identität für einen Fake-Kommentar pro oder contra Netzneutralität verwendet wurde. Solche Fälle können dann Schneiderman und seinem Team direkt gemeldet werden.

Fake-Kommentare zur Netzneutralität: Nutzer berichten von Stimmen Verstorbener

Auf Reddit tauschen sich Nutzer derzeit darüber aus, dass und wofür ihre Identität bei Kommentaren zur Debatte um die Netzneutralität missbraucht wurden. Dabei berichten einige, dass sogar die Identitäten ihrer längst verstorbenen Angehörigen für Fake-Kommentare verwendet worden sein. Schneiderman will jedenfalls ermitteln und rechnet offenbar mit noch mehr Enthüllungen. Er wolle diesem „massiven Betrug“ auf den Grund gehen.

Interessant in diesem Zusammenhang: Diese uralte Infografik über Netzneutralität ist traurige Realität geworden

via qz.com

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