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Analyse

FANG-Aktien unter Druck: Facebook, Amazon, Netflix und Google fahren Achterbahn

(Foto: Shutterstock)

Internet- und Techaktien wurden im Börsencrash kräftig durchgeschüttelt. Nach Jahren der exorbitanten Kurszuwächse sind FANG-Aktien für Rückschläge anfällig, befürchtet Nils Jacobsen.

Über Jahre konnten Aktionäre mit den Platzhirschen der Internet- und Techindustrie nichts falsch machen. Ein Blick auf die wertvollsten Konzerne der Welt verdeutlicht den rasanten Aufstieg, den die Stars der Digitalwirtschaft in diesem Jahr vollzogen haben.

Tatsächlich werden Platz eins bis sieben von den digitalen Vorzeige-Konzernen der USA und China besetzt, die es zusammengenommen auf den enormen Börsenwert von 4,5 Billionen US-Dollar bringen: Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Facebook, Tencent und Alibaba – so sehr hat eine Branche die Wall Street nicht mehr seit den Ölkonzernen der 60er- und 70er-Jahre dominiert.

Tech- und Internetaktien mit Fabeljahr 2017

Im vergangenen Jahr hatten die Notierungen der Digitalstars massiv zugelegt: Alphabet und Microsoft zählten mit Kurszuwächsen von 35 Prozent noch zu den schwächeren Performern unter den „Großen Sieben“, Schwergewicht Apple brachte es auf ein Plus von 45 Prozent, während Facebook, Amazon und Netflix fast schon standesgemäß um über 50 Prozent zulegten.

Hyperbolische Kursgewinne konnten Anleger unterdessen in Fernost verbuchen: Alibaba und Tencent lieferten sich mit satten Kursverdopplungen bis weit in den Dezember ein Wettrennen um die Spitzenperformance – und den Börsenthron in China.

Und selbst zu Jahresbeginn ging die große Rallye der Internet- und Tech-Riesen weiter:  Bis Mitte vergangener Woche lagen die Notierungen der sogenannten FANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google-Mutter Alphabet) schon wieder zweistellig im Plus – Anteilsscheine von Amazon und Netflix waren seit Anfang Januar nach starken Quartalszahlen sogar um 20 bis 40 Prozent in die Höhe geschossen.

Flash Crash trifft Internet-Aktionäre nicht hart

Entsprechend überfällig erschien nach den schier endlosen Kurszuwächsen nun eine Korrektur, die Ende vergangener Woche und zu Wochenbeginn in Form des Flash Crashs umso heftiger einsetzte. In der Spitze korrigierten die großen sieben Tech- und Internetaktien allesamt um mindestens zehn Prozent von ihren Rekordhochs, die allerdings erst wenige Tage zuvor aufgestellt wurden.

Besitzer der hoch gewetteten Internet- und Tech-Aktien dürften den Ausverkauf der vergangenen Tage, der sich mit der gestrigen Erholung schon wieder relativierte, recht gelassen zur Kenntnis genommen haben, notieren die Aktien doch auch seit Jahresbeginn immer noch im Plus (Netflix um 39 Prozent, Amazon um 23 Prozent, Alibaba und Microsoft um sieben Prozent, Facebook um fünf Prozent, Alphabet drei Prozent).

Sorgenkind Apple: Der iPhone-Superzyklus droht auszufallen

Der wertvollste Konzern der Welt ist dagegen zum Sorgenkind geworden. Auch nach der gestrigen Erholung liegt Apple seit Januar um vier Prozent hinten. Die Turbulenzen sind hausgemacht: Der Konzern konnte bei Vorlage seiner jüngsten Quartalszahlen die Wall Street nicht überzeugen. Ausgerechnet das neue Smartphone-Flaggschiff iPhone X bereitet Anlegern nach zahlreichen Berichten um Produktionshalbierungen Kopfzerbrechen.

Nach Kursverlusten von in der Spitze 26 US-Dollar in zwei Wochen wirkt ausgerechnet der wertvollste Konzern der Welt seltsam angeknockt. 85 Milliarden US-Dollar an Börsenwert sind seit Mitte Januar verschwunden. Zwar kann Apple Aktionären mit der Rückführung des Auslandskapitals in Form steigender Aktienrückkäufe und Dividendenanhebungen Balsam bieten, doch ein großes Fragezeichen um das mit Abstand wichtigste Produkt des Kultkonzerns aus Cupertino bleibt bestehen.

Der fest einkalkulierte iPhone-Superzyklus droht nämlich auszufallen. „Das Urteil steht fest: Gemessen an den Erwartungen ist dieser Zyklus schwach. Die Gesamtzahl der verkauften iPhones dürfte das dritte Jahr in Folge stagnieren“, zeigt sich Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi von Apples jüngstem Zahlenwerk enttäuscht – und stuft die Aktie als Halte-Position mit einem Kursziel von 170 US-Dollar herab.

Amazon vor dem großen Sprung

In der Gegenwelt befindet sich dagegen Amazon. Nach den jüngsten Quartalszahlen folgte eine Flut an Heraufstufungen und ersten Kurszielen von 2.000 US-Dollar, die wiederum einer Billionen-Bewertung entsprechen. Tatsächlich scheint der von Jeff Bezos geführte Internet-Pionier auf dem besten Weg zum Börsenthron.

Aktuell bringt es Amazon auf einen Börsenwert von 695 Milliarden US-Dollar und ist damit bereits in Schlagdistanz zur Nummer drei, Microsoft (705 Milliarden US-Dollar). Doch auch Alphabet (751 Milliarden US-Dollar) und Apple (837 Milliarden US-Dollar) erscheinen nach der jüngsten Schwächephase plötzlich in Reichweite.

Der omnipräsente Marketing-Professor Scott Galloway hatte genau dieses Szenario bereits im vergangenen Herbst vorhergesagt, als der E-Commerce-Gigant gerade mal mit 500 Milliarden US-Dollar bewertet wurde und Apple noch als sichere Wette für die Billionen-Marke galt. „Amazon hat Gewinne durch Vision und Wachstum ersetzt“, stellte der Bestseller-Autor („The Four“) seinerzeit fest. Der Markt sieht das offenbar genauso.

Internetaktien gefährdet

Trotzdem sollten sich weder Amazon- noch andere FANG-Aktionäre ihrer Sache zu sicher sein. Die Bewertungen von Facebook (Kurs-Gewinn-Verhältnis 34), Alibaba (KGV 45), Alphabet (KGV 60) und selbst Microsoft (KGV 62) sind nach traditionellen Bewertungsmaßstäben kaum zu rechtfertigen – von Amazon mit einem KGV von 234 ganz zu schweigen. Mit Ausnahme von Apple (KGV 17) sind sechs der sieben wertvollsten Internet- und Tech-Konzerne priced for perfection.

Dreht der Wind an den Kapitalmärkten und sollte es nach der neunjährigen Hausse tatsächlich zu einem nachhaltigen Abschwung an den Börsen kommen, befinden sich  Besitzer der hoch gewetteten Internetaktien auf dünnem Eis – nach Jahren der exorbitanten Gewinne haben sie besonders viel zu verlieren.

Zahlreiche Investoren-Legenden wie George Soros und Jim Rogers („Der schlimmste Crash unseres Lebens kommt“) hatten sich in den vergangenen Monaten nach der immer massiveren Rallye an der Wall Street bereits skeptisch geäußert. „Die Börse ist zu einem viel gefährlicheren Ort geworden“, erklärte auch Multimilliardär und Aktionärsaktivist Carl Icahn, der über Jahre in Apple investiert hatte, am Dienstag gegenüber CNBC. Der jüngste Crash sei eine Warnung.

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