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Farbpsychologie: Das steckt hinter den Logos von Google, Facebook und Co.

Farben wecken unterschiedliche Assoziationen in uns. Das steckt dahinter. (Grafik: Shutterstock)

Warum haben neben Twitter und Paypal eigentlich so viele Unternehmen blaue Logos? Wir werfen einen Blick auf die Psychologie der Farben und erklären, was sich dahinter verbirgt.
Farben beeinflussen uns in unserem Alltag mehr, als es uns wahrscheinlich bewusst ist. Als Subtexte geben sie wichtige, weiterführende Hinweise und Erläuterungen zu (sprachlichen) Inhalten. Was auf einer ganz physischen Ebene die tiefrote Farbe unseres Blutes ist, die uns Gefahr in Form einer Verletzung signalisiert, sind auf marktwirtschaftlicher Ebene die freundlichen Grüntöne von Whatsapp oder Spotify, die uns ein Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit vermitteln sollen. Facebook, Twitter, Samsung, VW, IBM und Konsorten sollen hingegen mit ihren blauen Logos Sehnsucht wecken und in die Ferne (und damit Zukunft) weisen. Außerdem steht die Farbe für eine gewisse Neutralität und ist häufig der kleinste gemeinsame Nenner. Schließlich enthält auch die angeblich beliebteste Farbe der Welt einen nicht geringen Anteil an Blau.

Farben können uns sogar manipulieren, weil das, was wir mit dem ersten Blick wahrnehmen, immer intuitiv verarbeitet wird und erst danach bewertende Gefühle und Gedanken folgen. Deshalb wundern wir uns beispielsweise, wenn ein Schwimmbad ein grünes Logo hat, statt das Blau, das wir mit klarem Wasser assoziieren, aufzugreifen. In manchen Fällen wird eine Farbmarke so stark, dass sie sich quasi verselbstständigt und die Nuance allein bereits ausreicht, um die Assoziation zum Unternehmen herzustellen. Die Telekom ist hier ein sehr gutes Beispiel, aber auch Nivea mit der bekannten Kombination aus Dunkelblau und Weiß oder Coca-Colas Rot haben es geschafft, sich ihren Platz in unserem Bewusstsein zu sichern.

Farben als Weltsprache

Das Farbschema, das eine Marke sich aussucht und in die Corporate Identity integriert, soll sowohl Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als auch bestimmte Gefühle und Assoziationen wecken. Praktischerweise sind diese Zuschreibungen nur in wenigen Ausnahmefällen abhängig von Nationalität oder kultureller Prägung der Betrachtenden. Durch eine immer stärkere Vernetzung aller Erdteile miteinander findet eine zusätzliche generelle Angleichung statt, sodass sich Farben zu einer Art Weltsprache entwickeln. Dabei lassen sich bestimmte Aussagen zu Farbeigenschaften herausarbeiten. So sind beispielsweise Pastell- und Buntstifttöne beliebter als getrübte oder schmutzige Farben – kaum verwunderlich, soll ein Logo doch auffallen und uns ins Auge springen.

Unsere Bildergalerie liefert euch Logobeispiele, interessante Facts und mehr zu den wichtigsten Farben.

Farbpsychologie: Das steckt hinter den Logos bekannter Unternehmen. (Grafik: Iconic Fox)

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Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, mehr als eine Farbe im Logo zu verwenden. Übertreiben sollte man es aber nicht. Designer greifen bei der Gestaltung deshalb gern auf die sogenannte 60-30-10-Regel zurück: Drei zueinander passende Farben werden im Verhältnis 60:30:10 eingesetzt. Dabei wird die Hauptfarbe also von bis zu zwei anderen Farben „unterstützt“, die in unserer Wahrnehmung eine deutlich geringere Rolle spielen. In vielen Fällen assoziieren wir mit einem Unternehmen deshalb auch nur eine Farbe: Magenta für die Telekom, Blau für Facebook (auch wenn das Unternehmen jetzt in Abhängigkeit von der Plattform neue Wege geht), Grün für Whatsapp und so weiter. Graue Designelemente oder Weißräume bleiben kaum in unserem Gedächtnis hängen.

Für ein Unternehmen ist bei der Auswahl der Farbsprache also nicht zwingend wichtig, dass das Logo „schön“ aussieht oder sich möglichst stark von dem des Mitbewerbers abhebt – es sollte vor allem auch darum gehen, welche Werte man transportieren will. Auch hier gilt im Zweifelsfall aber: Weniger ist mehr. Natürlich will kein Unternehmen „nur“ zuverlässig sein, wenn es auch noch hochwertig, innovativ, ressourcenschonend, preisgünstig und freundlich sein kann. Gleichzeitig verwässern zu viele zusätzliche Faktoren oder Eigenschaften aber auch das Gesamtbild. Wer kann bei unserem zuverlässigen, hochwertigen, innovativen, ressourcenschonenden, preisgünstigen und freundlichen Unternehmen noch sagen, welche Eigenschaft die zentrale sein soll? Und wie lauten nochmal die ersten beiden?

Regeln muss man auch mal brechen

Es kann sich aber auch lohnen, mit bestimmten Regeln bewusst zu brechen – Google etwa hat gleich vier Farben im Logo. Der Legende nach stammen sie von den Legosteinen, mit denen die Gründer einst Computergehäuse bauten – denkt man etwas weiter, erschließen sich aber noch andere (Be-)Deutungsmöglichkeiten. Einerseits ist das Logo trotz oder gerade wegen der vier verschiedenen Farben sehr neutral, weil es sich eben nicht in eine bestimmte (Farb-)Richtung festlegt. Gleichzeitig beinhalten und vereinen die vier Farben aber auch viele verschiedene Aspekte – was die Vielzahl an Geschäftsmodellen Googles ebenso widerspiegelt wie die breite Auswahl an Suchergebnissen, die das Unternehmen uns – natürlich absolut neutral, versprochen! – liefert.

Selbstverständlich ist die Farbpsychologie nicht die einzige Basis, auf deren Grundlage man sich mit Logodesign und CI auseinandersetzen kann. Manchmal gibt es ganz konkrete Anlässe, die eine Neuorientierung erzwingen – das Logo des Vorgängers der Tankstellenkette Aral etwa war ursprünglich in Schwarz-Gelb gehalten. Bis 1927 schwarz-gelbe Verkehrsschilder in Deutschland eingeführt wurden und man auf Blau-Weiß auswich. Aber auch aktuelle Trends und Entwicklungen spielen immer eine Rolle und können zu Veränderungen führen – hin und wieder ist die Zeit einfach reif für ein Update.

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