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Analyse

Fintech-Trends 2018: Das erwartet uns in der zweiten Jahreshälfte

(Grafik: Shutterstock)

Geht das rasante Wachstum der Fintech-Branche in Deutschland weiter? Oder haben wir den vorläufigen Höhepunkt der Marktaktivitäten bereits erreicht? Ein Ausblick.

Deutschland verzeichnet europaweit – nach Großbritannien – die höchsten Investitionen in Startups. Gründer konnten im ersten Halbjahr 2018 Risikokapital in Höhe von 2,4 Milliarden Euro einsammeln. Allein 396 Millionen davon flossen in Beteiligungen mit Schwerpunkt Fintech. Doch welche Trends erwartet die Fintech-Szene für die zweite Jahreshälfte 2018? Welche Entwicklungen werden für Startup-Ökosysteme und Geschäftsmodelle von Fintech-Firmen von besonderer Bedeutung sein?

Neue Modelle der Zusammenarbeit

Derzeit sind in Deutschland (je nach Zählmethode) mehr als 300 Fintechs aktiv. Klar sollte sein: Wer diese neuen Player nicht als eine (mit)treibende Kraft im deutschen Finanzdienstleistungsmarkt versteht, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Neun von zehn etablierten Banken und Finanzinstituten loten Möglichkeiten aus, um der neuen Konkurrenz zu begegnen und den digitalen Wandel im eigenen Haus voranzutreiben. Falls sie nicht selbst ähnlich innovative Strukturen aufbauen können, setzten sie zuletzt noch vornehmlich auf Kooperationen. Ein Beispiel dafür ist die jüngste Partnerschaft der Deutschen Bank mit dem Insurtech Friendsurance. Deutschlands größtes Kreditinstitut baut damit seinen Vertrieb aus und positioniert sich als Ansprechpartner sowohl für Banking- als auch Sachversicherungsthemen. Ein anderes großes Institut, die Helaba, hat eine eigene Beteiligungsgesellschaft für Fintechs aus der Taufe gehoben. Die Commerzbank ist momentan gar bei 27 Finanz-Startups engagiert. Künftig werden wir zunehmend auch strategische Übernahmen sehen: Gutes Beispiel ist die Direktbank ING Diba, die neben einer Beteiligung an der Kreditvergleichsplattform Fincompare unlängst den Kreditvermittler Lendico akquirierte.

Akzeptanz für Fintech wächst

Studien zeigen, dass deutsche Verbraucher den Themen (mobile) Bezahlservices und digitale Versicherungsdienstleistungen (Insurtech) aufgeschlossen gegenüberstehen. 56 Prozent beziehungsweise 31 Prozent der Internetnutzer verwenden entsprechende Dienste. Im weltweiten Vergleich gibt es jedoch zahlreiche Länder, in denen Fintech-Angebote aktiver angenommen werden: etwa China und Indien, aber auch Großbritannien, Australien und Spanien. Es dürfte daher spannend werden, mit welchen neuen (einfach zugänglichen, zeitsparenden und kostengünstigen) Produkten die Anbieter ihre Nutzerkreise in Deutschland erweitern werden. Neben Diensten zur Finanzplanung und Kreditfinanzierung dürften sogenannte Proptechs (technologiebasierte Lösungen für die Immobilienwirtschaft) sowie Regtechs (Prozessvereinfachungen und Automatisierungen zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen) und Blockchain-Anwendungen eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Durchbruch zum Massenmarkt

Nach dem E-Commerce-Sektor konnte der deutsche Fintech-Sektor zuletzt die höchsten Wagniskapitalinvestitionen für sich verzeichnen. Das Wachstum lag dabei bei knapp 20 Prozent. Dass die Geschäftsmodelle reifer werden und die Branche in die nächste Entwicklungsphase geht, lässt sich unter anderem an folgendem Trend festmachen: Fintechs kooperieren zunehmend (oder treten in Konkurrenz) untereinander und bauen eigene Ökosysteme rund um ihre Kernprodukte auf. Beispiele dafür sind die Solarisbank sowie das Banken-Startup N26, das im März dieses Jahres über 130 Millionen Euro einwerben konnte. Mit der neuen Zahlungsdienst-Richtlinie PSD2, die auf Kundenwunsch den Zugang für Dritte zu Bankkonten ermöglicht, wird sich der Druck durch die Newcomer auf etablierte Finanzinstitute noch intensivieren. Schnittstellen öffnen sich weiter. In den nächsten Wochen dürften wir daher noch häufiger von der sogenannten Plattformökonomie und von Multibanking (auch „Bundled Banking“ genannt) lesen. Übersetzt heißt dies: Die Nase vorn haben werden diejenigen, die auf ihren digitalen Plattformen sowohl eigene Produkte, als auch die von externen Dienstleistern als umfangreiches Leistungsangebot abbilden und damit Kunden in der digitalen Ökonomie erfolgreich an sich binden können. Ein Stück weit bewegt sich etwa die Deutsche Bank mit ihrer Anfang Juli für das Firmenkundengeschäft vorgestellten Blueport-Plattform in diese Richtung.

EU-Regulierung – einheitliche Standards

Die Europäische Zentralbank hat im März zwei Leitfäden zur Lizenzierung von Fintech-Kreditinstituten veröffentlicht. Diese regeln Antragsverfahren, Mindestanforderungen und Zulassungskriterien, etwa mit Blick auf Risikomanagement und Eigenkapital. Absicht ist es, einheitliche aufsichtsrechtliche Bedingungen sowohl für Fintech-Kreditinstitute als auch für klassische Banken zu schaffen. Zwar bleiben die nationalen Aufsichtsbehörden zunächst die erste Anlaufstelle für Antragsteller. Da die EZB aber letztlich die Beschlüsse über die Gewährung von Lizenzen (mit dem Auftrag der Gewährleistung der Finanzmarktstabilität im gesamten Euro-Währungsgebiet) erlässt, sind diese Anforderungen – auch mit Blick auf fachliche Qualifikation und Governance von Fintechs – sehr genau zu beachten.

Finanzierungsumfeld: Steigerungspotenzial

Hinsichtlich des Finanzierungsmixes und der Verfügbarkeit von Kapital für junge Unternehmen bin ich vermutlich etwas weniger skeptisch als einige andere Marktteilnehmer. Zwar scheuen einige Investoren gerade in kleineren Transaktionen das Risiko wenig erprobter Geschäftsmodelle der Jungunternehmen. Eine Klemme sehe ich in Deutschland jedoch nicht. Für größere Finanzierungsrunden, die häufig in Deutschland die größte Herausforderung darstellen, lässt sich momentan eine verbreiterte Basis aus internationalen Investoren und nationalen Risikokapitalgebern feststellen. Für Börsengänge war die erste Jahreshälfte 2018 gar, branchenübergreifend gemessen am Emissionsvolumen, die beste seit 18 Jahren. Das B2B-Fintech Creditshelf hat seinen IPO gerade über die Bühne gebracht. Für Fintechs dürfte zudem der Vorstoß der EU-Kommission für einheitliche Crowdfunding-Regeln auf EU-Ebene von besonderer Relevanz sein. Wenn Crowdfunding-Dienstleister auf Grundlage eines „EU-Passes“ in allen Mitgliedstaaten operieren dürfen, könnten Startups und kleine Firmen künftig leichter Geld bei Investoren einsammeln. Kritikpunkt in diesem Verordnungsentwurf vom März dieses Jahres, dem die Mitgliedsstaaten und das Europaparlament noch zustimmen müssen, ist die Begrenzung der Finanzierungsvolumina.

Anhaltende Dynamik – mit oder ohne Politik

Nach langer Regierungsbildung peilt der Koalitionsvertrag vom März dieses Jahres auch einige Verbesserungen für Gründer und Startups an. Aus meiner Sicht muss vor allem am Abbau von Bürokratie (etwa Gründungsaufwand, Arbeitsrecht) sowie an steuerlichen Anreizen (etwa Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Startups) gearbeitet werden. Auch ein Blick nach Frankreich dürfte sich künftig wieder lohnen, das internationale Gründer ermutigt, ihr Startup dort zu gründen. Macron hat gar ausgerufen, Frankreich solle ein Land werden „das denkt wie ein Startup und agil ist wie ein Startup“. Fintechs werden aus eigener Kraft weiterwachsen, wenn es ihnen gelingt, die geänderten Kundenanforderungen – digitale und mobile Angebote mit hoher Serviceorientierung und Transparenz – zu adressieren. Die Themen künstliche Intelligenz und Data-Analytics werden in diesem Zusammenhang noch mehr in den Fokus rücken. Diejenigen Mature- und Growth-Stage-Fintechs, die hier frühzeitig Ressourcen und Know-how (zum Beispiel über Data-Scientists) aufgebaut haben, werden noch einmal signifikante Investitionsvolumina für sich verbuchen. Letztlich ist zu erwarten, dass im nächsten Schritt auch grenzüberschreitende Fintech-Aktivitäten zunehmen, also internationale Anbieter, die in Deutschland operieren (Beispiel Revolut), sowie deutsche Fintechs, die grenzüberschreitend im Ausland tätig werden (etwa N26 oder Deposit Solutions).

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