Kommentar

Freie Fahrt für Flixbus: Der Fernbus-Markt wird zum Quasi-Monopol

(Quelle: Joerg Huettenhoelscher / Shutterstock)

Die Deutsche Bahn will ihr Fernbus-Angebot massiv reduzieren. Der Profiteur: Marktführer Flixbus. Das dürfte sich bald auf die Preise auswirken.

Sie hießen Dein Bus, Mein Fernbus, Megabus oder auch Postbus: Als der Staat den Markt für Fernbusse 2013 deutschlandweit öffnete, raste ein Anbieter nach dem anderen auf die Straße. Die Deutsche Bahn, ein Monopolist erster Garde, sah sich plötzlich etlichen kleineren Konkurrenten ausgesetzt. Und die schickten sich an, den ganzen Fernverkehr von hinten aufzurollen.

Die Bahn nahm die Anbieter so ernst, dass sie selbst Fernbusse auf die Straße schickte. Mit dem IC-Bus und dem Berlin-Linien-Bus (BLB) versuchte sie, den neuen Wettbewerbern wiederum Konkurrenz zu machen. Finanziell war sie damit wenig erfolgreich: Sie machte zwar jährlich etwa 30 Millionen Euro Umsatz, aber eben auch 15 Millionen Euro Verlust.

Nun hat Bahn-Chef Rüdiger Grube offenbar genug von den Verlusten: Der Konzern reduziert sein Fernbus-Angebot massiv. Der Berlin-Linien-Bus soll bis Ende 2016 komplett von den Straßen verschwinden, wie der Spiegel und das Handelsblatt berichten. Offiziell heißt es von Seiten der Bahn, man bleibe ein „starker Anbieter auf dem Fernbusmarkt“. Der IC-Bus soll teilweise die Strecken des BLB übernehmen. Das klingt allerdings nach einem leeren Versprechen, wenn der Konzern in derselben Mitteilung darauf verweist, dass man das Schienennetz um 25 Prozent ausbauen wolle.

Flixbus takes it all

Freuen kann sich über den Rückzug der Bahn vor allem einer: der Marktführer Flixbus. Aus dem marktinternen Wettbewerb geht das Unternehmen aus München als klarer Sieger hervor. In den vergangenen Jahren hat er sich Anteil für Anteil der Langstrecke erobert. Erst kaufte er den großen Konkurrenten Mein Fernbus, im Juni 2016 Megabus und im August auch noch den Postbus. Pionier Dein Bus musste 2014 Insolvenz anmelden, der ADAC verließ den Markt von sich aus.

 Flixbus baut den Marktanteil auf mehr als 80 Prozent aus.

Mit der Deutschen Bahn räumt nun der nächste Anbieter das Feld. Das Handelsblatt spricht gar von einer Kapitulation. Was anfangs nach natürlicher Konsolidierung aussah, entwickelt sich zu einer Monopolisierung: Nach Schätzungen des Spiegels könnte Flixbus seinen Marktanteil auf mehr als 80 Prozent ausbauen.

Von der einstigen Idee, den Fernverkehr zu liberalisieren, bleibt damit wenig übrig. Die neue Macht von Flixbus dürfte sich früher oder später in den Preisen zeigen. Der Leidtragende: der Kunde, der doch von der Öffnung des Fernbus-Markts eigentlich profitieren sollte.

Aber vielleicht muss man es positiv sehen: Die Kunden können sich nun immerhin zwischen zwei Monopolisten entscheiden statt nur einem.

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3 Kommentare
Wolfgang

Es ist sehr interessant zu beobachten, wie Mein Fernbus und Flixbus an den anderen Anbietern vorbeiziehen. Ich selber habe beide Anbieter viel national zum Reisen genutzt. Wenn ich mich nicht irre, haben Flixbus und Mein Fernbus sogar eine Fusion durchgeführt, statt sich gegenseitig zu kaufen. Das Design der Busse greift zumindest beide Firmen gleichermaßen auf und die Gutscheine funktionieren auf beiden Internet-Seiten.

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Lisa Hegemann
Lisa Hegemann

Hallo Wolfgang,

danke für deinen Kommentar. Völlig richtig, die beiden haben fusioniert. Allerdings haben die Mein-Fernbus-Gründer das Unternehmen mittlerweile verlassen, der Name wurde auch rausgestrichen. Daher kann man im Nachhinein schon von einer Übernahme sprechen. Interessanterweise hat sich hier übrigens der kleinere Anbieter gegen den größeren durchgesetzt.

Viele Grüße aus der t3n-Redaktion!

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Nate
Nate

Berlin Linien Bus allerdings gibt es bereits seit 1947. Wie im Namen auch drinsteckt, war es das Ziel, Westberlin anfahren zu können, was auf Schienen eher schwierig war. Insofern geht hier kein neuer Player, sondern der fast 25jähirge Monopolist des Fernbusverkehrs.

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