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Startups

Runtastic nach der Übernahme durch Adidas: Vom Fitnesshype zur Konzerntochter

(Foto: t3n)

Das Vorzeigestartup Runtastic war mit Mitgründer Florian Gschwandtner auf der Bits & Pretzels in München vertreten. Wir haben die Chance genutzt und mit ihm über die Nachwehen des Exits sowie die Zukunft von Runtastic gesprochen.

Runtastic ist DAS österreichische Vorzeigestartup, nicht erst seit der Übernahme durch Adidas. Für 220 Millionen Euro hat der Sportgigant aus Herzogenaurach das Unternehmen im August übernommen und die vier Gründer auf zahlreiche Titelblätter großer Tageszeitungen katapultiert. Bei Bits & Pretzels in München haben wir mit Florian Gschwandtner gesprochen, dem Frontmann des Gründerquartetts.

Gschwandtner teilt seine Gründertipps

Mit einem knackigen Vortrag startete Gschwandtner am Sonntag ins Gründerevent und erntete begeistertes Kopfnicken sowie Applaus für die Unternehmensgeschichte von Runtastic, vor allem aber für seine Gründertipps. Einer davon: „Think big!“ Setze dir keine nationalen Grenzen, sondern denke darüber hinaus, sagt Gschwandtner. Genau so war das damals auch bei Runtastic.

Florian Gschwandtner auf der Bühne von Bits & Pretzels. (Foto: t3n)
Florian Gschwandtner auf der Bühne von Bits & Pretzels. (Foto: t3n)

Man wollte nicht der Größte in Österreich oder Deutschland werden, sondern weltweit. Die Entwicklung mussten die vier Gründer dabei aus eigener Tasche finanzieren, externes Kapital war eine Seltenheit. Internationaler wurde Runtastic nur dank der Community, die bei der Übersetzung und Verbreitung der Applikation geholfen hat.

Mit 18 Applikationen hat Runtastic zahlreiche Nischen erobert

Ein wichtiger Pfeiler des Erfolgs war laut Gschwandtner der Fokus auf Nischen. Anstatt einer großen Applikation, entwickelte Runtastic im Laufe der Jahre insgesamt 18 Applikationen – für Läufer, für Radfahrer, für Sixpacks. So profitierte das Unternehmen von technischen, aber auch vertrieblichen Synergien.

Diese auf den ersten Blick eher ungewöhnliche Strategie hatte zwei große Vorteile:

  1. Nutzer einer App von einer zweiten App zu überzeugen, ist einfacher, als Nutzer einer App für den Kauf neuer Funktionen zu gewinnen. Mit anderen Worten: „Crossselling ist einfacher als Upselling“, so Gschwandtner.
  2. Durch die regelmäßige Veröffentlichung neuer Applikationen profitierte Runtastic darüber hinaus von viel organischer Reichweite durch Pressearbeit. Eine neue App ist für die Presse interessanter, als ein neues Feature.

Durch den Fokus auf Nischen, macht die App Runtastic heute nur etwa 40 bis 50 Prozent des Erfolgs aus. Mit etwas Abstand folgen dann die ersten kleineren Apps. „Sehr gut funktioniert die Sleep- sowie die Sixpack-App“, so Gschwandtner. Letztere vor allem im asiatischen Markt. Indoor sei dort beliebter als Outdoor, erzählt er.

Die Übernahme durch Adidas war kein Schnellschuss

„Bei Runtastic zu bleiben, ist für mich auch eine ethische Sache.“

In nur sechs Jahren ist Runtastic auf 140 Mitarbeiter sowie 140 Millionen Downloads gewachsen und im europäischen Markt zur klaren Nummer Eins geworden. „Weltweit sind wir unter den top drei Playern“, so Gschwandtner. Kein Wunder also, dass große Unternehmen ihr Interesse bekundet haben.

Die Übernahme durch Adidas war trotzdem kein Schnellschuss. „Wir kannten uns schon länger“, erzählt Gschwandtner. Nach ein paar Monaten der Gespräche, ging es dann aber ganz schnell. „Es ist wie überall, wenn die richtigen Leute die richtigen Entscheidungen treffen.“

„Meine Motivation ist nicht das Finanzielle“

Für 220 Millionen übernahm Adidas das österreichische Startup. Die vier Gründer hielten zu diesem Zeitpunkt noch 44 Prozent der Anteile. Rund 50 Prozent lagen bei Axel Springer, die sich 2013 vorausschauend für einen deutlich kleineren Betrag eingekauft haben.

Gschwandtner darf nicht über Details sprechen, macht aber deutlich: Bei der Übernahme „ist auch Geld geflossen“. Obwohl sie nicht mehr arbeiten müssten, bleiben er und seine drei Mitgründer zu 100 Prozent bei Runtastic. „Die Motivation ist nicht das Finanzielle“, betont Gschwandtner. „Das ist für mich auch eine ethische Sache.“

Die Übernahme zeichnet sich nicht im Arbeitsalltag ab

Seit der Übernahme hat sich in seinem Arbeitsalltag wenig verändert. „Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe ganz normal weiter gearbeitet. Wir hatten drei Meetings, sonst ist alles gleich.“ Einer der vier Gründer betreue die „Financial Integration“, der Rest fokussiere sich wie schon immer aufs Produkt.

Impressionen der Bits & Pretzels
(Foto: t3n)

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„Ich glaube nicht, dass die Chancen für mehr Reichweite je größer waren als jetzt mit Adidas“, so Gschwandtner. Man gehe deshalb keine großen Projekte an, sondern suche die „low-hanging Fruits“. Adidas wolle man derweil mit internem Know-How bei der Digitalisierung unterstützen. „Ich glaube, dass wir da helfen können“, so Gschwandtner. Man ergänze sich gut, so seine überzeugte Meinung.

Konsolidierung steht für Runtastic im Mittelpunkt

Bei Runtastic läge der Fokus darauf, zu konsolidieren. Man wolle den Nutzer über alle Produkte hinweg konsistent durch das eigene Portfolio führen und langfristig eine monatliche Mitgliedschaft etablieren. „Das ist das aktuelle Trend-Geschäftsmodell“, betont Gschwandtner. Einen stärkeren Fokus auf Hardware verneint er hingegen: „Wir bleiben eine Software-driven Company!“

Nach fünf Jahren Vollgas und einem riesen Exit, sieht Gschwandtner für Runtastic eine rosige Zukunft: „Es gibt so viele geile Sachen zu tun, die müssen wir jetzt anpacken und etwas schaffen.“ Für die vier Gründer bleibe da endlich auch Zeit zum Abschalten. Zeit für einen Tauch- und Pilotschein oder etwas Urlaub. Den habe er schon lange nicht mehr gehabt.

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Eine Reaktion
Alex @

Die haben alles richtig gemacht. Da gibt es nichts auszusetzen.

Dass Crossselling leichter ist als Upselling liegt wahrscheinlich darin begründet, dass ein User lieber eine neue Free-to-try App testet, als für ein Angebot etwas bezahlt. Gerade im Android Markt scheint mir das sehr ausgeprägt zu sein.

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