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Vom Flüchtlingsheim zurück ins Leben: Wie dieses Startup Integration vorantreibt

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Persönlicher Kontakt schafft Vertrauen

Gegen die Isolation von Flüchtlingen: Über die HiMate-App an Veranstaltungen teilnehmen. (Foto: HiMate)

Gegen die Isolation von Flüchtlingen: Über die Himate-App an Veranstaltungen teilnehmen. (Foto: Himate)

Insgesamt 30 Firmen wurden zu Beginn überzeugt. Im Rahmen dieses Kreises testete Himate das System, die Smartphone-App und verschiedene Angebote. Auf der anderen Seite haben Noppen und sein Team mit Flüchtlingen zusammengearbeitet, um das Angebot zu übersetzen und sich Rückmeldungen zur App einzuholen. „Wir konnten schnell experimentieren und unser Angebot verbessern, was in und über Berlin hinaus mit viel medialer Aufmerksamkeit belohnt wurde“, erklärt der Gründer heute stolz. Es folgten unter anderem Artikel im Tagesspiegel und im Handelsblatt sowie Nachrichtenbeiträge im ZDF und dem RBB. Einen derartigen Raketenstart legt ein Jungunternehmen selten hin.

„Das Leben in den Einrichtungen ist oft trist, es gibt nichts zu tun und das frustriert ungemein.“

Und doch war nicht immer alles so einfach, wie es zunächst scheint. Auch Himate hatte gewisse Hürden zu meistern. Schnell bemerkte das Team, dass nicht jedes Angebot in die Plattform integriert werden konnte, da der logistische Aufwand, um alles zu organisieren, zu hoch war. Die Verbreitung des Angebots hing zudem stark mit dem Vertrauen der Asylsuchenden zusammen. Hier war Basisarbeit gefragt. Ehrenamtliche suchten den persönlichen Kontakt zu ihnen und merkten dabei schnell, woran es den meisten tatsächlich fehlte: An Aufgaben und Aktivitäten, mit denen sie die Wartezeiten bis zu einer etwaigen Arbeitserlaubnis füllen konnten. „Das Leben in den Einrichtungen ist oft trist, es gibt nichts zu tun und das frustriert ungemein“, weiß Noppen zu berichten.

Insofern sind vor allem die Tickets für Veranstaltungen von besonderem Interesse. Darüber ließen sich zum einen schnell neue Nutzer gewinnen und zum anderen das erklärte Ziel, nämlich die Geflüchteten am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, noch besser erreichen. „Ein Besuch im Kino oder Theater holt Menschen, die teilweise monatelang isoliert in Massenunterkünften gelebt haben, aus ihrem grauen Alltag und bietet ihnen etwas Normalität. Gerade Theater- und Museumsangebote sorgen außerdem für kulturelle Integration“, erklärt der Himate-Chef. Vor allem in und rundum Berlin, wo sich derzeit rund 60.000 Flüchtlinge aufhalten, wird das Angebot besonders stark genutzt. Die Hauptstadt als Zentrum einer kleinen Erfolgsgeschichte.

Inzwischen ist das Kern-Team auf rund 15 ehrenamtliche Mitarbeiter angestiegen, die fast täglich operativ im Tagesgeschehen involviert sind. Himate wächst und wächst und benötigt insofern immer mehr Aufmerksamkeit. Durch ein Seed-Funding der Unternehmensorganisation Entrepreneur’s Pledge zu Beginn des Jahres, konnte Thomas Noppen als CEO in Vollzeit für Himate arbeiten. Aktuell läuft zudem ein Crowdfunding, das nötiges Geld einsammeln soll, um weitere Mitarbeiter in Vollzeit zu beschäftigen – darunter auch einen ständigen Entwickler, der an der Verbesserung der Applikation arbeiten solle. Die Funding-Schwelle von 15.000 Euro ist so gut wie erreicht, das Ziel von 25.000 Euro könnte in kommenden Tagen auch noch geknackt werden.

Himate will für alle Hilfsbedürftigen da sein

Mit dem Kinogutschein zur Integration – HiMate holt Flüchtlinge ins Leben zurück. (Foto: HiMate)

Mit dem Kinogutschein zur Integration – Himate holt Flüchtlinge ins Leben zurück. (Foto: Himate)

Für Himate muss das langfristige Ziel jedoch sein, auf eigenen Beinen zu stehen. Dafür kommen mehrere Finanzierungsmodelle in Frage, die alle auf Reichweite basieren. „In Deutschland leben derzeit etwas über eine Million Flüchtlinge. Ziel ist zunächst, alle diese Menschen zu erreichen. Gelingt uns das, wollen wir uns beispielsweise über Werbung oder Vermittlungsgebühren finanzieren“, erzählt Tomas Noppen. Das Modell ist zudem nicht nur auf Flüchtlinge begrenzt. Auch andere Gruppen von Hilfsbedürftigen könnten einbezogen werden, erklärt Noppen. Einer langfristig wachsenden Zielgruppe steht somit wenig im Weg. Der Paritätische Gesamtverband veröffentlichte 2015 eine Studie, die besagt, dass zwischen 16 und 20 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben. Acht Prozent seien sogar komplett abgehängt.

Der Resonanz in der Bevölkerung sei damit sicher auch geholfen. Zwar stehe der überwiegende Teil der Menschen dem Projekt positiv gegenüber, so der Gründer, jedoch begegnet dem Himate-Team mit wachsender Bekanntheit in den sozialen Medien auch Ablehnung. Es ist der alte Vorwurf, der vor allem von Rechts-Konservativen eingebracht wird, die kritisieren, dass Bundesbürger den Flüchtlingen untergeordnet werden. Dass für die Armen dieses Landes nicht genug getan würde. Ein Vorwurf, den Thomas Noppen mit der Vision, die Plattform zu öffnen, entkräftet. Himate steht übrigens für „Hi, Mate!“ was übersetzt so viel wie „Hi, Kumpel!“ bedeutet. „Wir wollen die Durchlässigkeit aller sozialer Schichten verbessern. Unabhängig von der Herkunft der Menschen“, erklärt der Gründer. Ein edles Ziel.

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Ein Kommentar
Karl Marks
Karl Marks

Ein Unternehmen was „überbordender Bürokratie in der Flüchtlingskrise ein Ende zu setzen.“.

Findet den Fehler… :-)

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