Kolumne

Stimmen bei Siri und Co.: „Alexa, warum bist du eine Frau?“

Alexa, bist du eine Frau? (Foto: Shutterstock)

Warum gibt uns Siri Antwort und nicht Simon, warum Alexa und nicht Alexander? Werden bei den Stimmen der Assistenzsysteme alte Klischees zementiert oder gibt es andere Gründe?

Irgendein Kabarettist hat mal gesagt, sein Navigationsgerät im Auto sei die einzige Frau, der er sich traue, zu widersprechen. Das ist rund zehn Jahre her. Inzwischen gibt es Amazons Alexa, Apples Siri, Microsofts Cortana und den Google Assistant. Und alle kommunizieren sie zumindest standardmäßig wieder mit Frauenstimmen. Die Schauspielerin Maria Furtwängler fragte kürzlich anlässlich der Digitalkonferenz DLD, ob die künstliche Intelligenz der digitalen Assistenzsysteme zu mehr Diversität verhilft oder eher die eingefahrenen Stereotypen weiter festigt.

Miriam Meckel, Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, verweist auf diverse Studien, wonach weibliche Stimmen als angenehmer wahrgenommen werden als männliche. Deshalb sei die Voreinstellung bei allen Sprachassistenten weiblich. Dieser Umstand kann dazu beitragen, dass Kinder, die wie selbstverständlich Alexa und Siri als Frauen wahrnehmen, diese eher als Assistentin und Sekretärin verstehen und nicht als diejenigen, die über alles Bescheid wissen.

Besonders drastisch habe sich dieses Problem am Beispiel sexueller Belästigung gezeigt, so Meckel. „Tatsächlich müssen sich die Sprachassistenten da einiges anhören.“ Inzwischen arbeiteten die Hersteller daran, dass es darauf passende und nicht unangemessen höfliche Antworten gibt. Macht man Siri heute ein unmoralisches Angebot, hört man: „Die Antwort lautet nein“.

Männlich, weiblich, divers? Nicht alle geben eine klare Antwort

Fragt man die Unternehmen, warum sie sich bei ihren dienstbaren Geistern für weibliche Stimmen entschieden haben, dann bekommt man unterschiedliche Antworten. Während Apple sich generell nicht äußern will, wie der Produktname zustande gekommen ist und warum die Stimme zumindest standardmäßig weiblich ist, verweist ein Sprecher von Amazon darauf, dass man sich bei der Namensgebung an der Bibliothek von Alexandria orientiert habe. Ob das aus Sicht der Investoren eine geeignete Metapher ist, sei dahingestellt – die Geschichte rückt den Kindle Fire jedenfalls in ein gänzlich neues Licht. Und beantwortet immer noch nicht die Frage, warum wir nicht standardmäßig mit Alexander sprechen.

Google schließlich erklärt, dass der Assistant namenlos ist und auch Microsoft sieht Cortana vor allem als „eine dialogorientierte Assistentin, die Nutzer bei verschiedenen Anforderungen unterstützt“. Sie versteht sich laut Hersteller nicht als ausdrücklich weiblich, sondern allgemein als Wesen. Interessant: Die gesamte Persönlichkeit wird laut Microsoft an lokale Gegebenheiten angepasst. Die französische Cortana sei demnach anders als die japanische.

Weibliche Stimmen gelten als angenehmer

Doch die Smartspeaker-Stimmen sind nicht die einzigen, die (meist) weiblich sind: An Bahnhöfen und auf Flughäfen, in öffentlichen Verkehrsmitteln – überall sind die Computeransagen meist von weiblichen Stimmen gesprochen. Die Berliner Forscherin Judith Meinschaefer erklärt das aus Sicht der Wissenschaft damit, dass Frauenstimmen verständlicher sind als Männerstimmen. Das liege daran, dass die Stimmlippen schneller schwingen, die Frequenz der Signale sei höher. Dass Frauenstimmen als angenehmer wahrgenommen werden, ist übrigens in allen untersuchten Kulturen und Sprachen so. Wahrscheinlich liegt die Entscheidung für eine weibliche Stimme aber einfach auch daran, dass immer noch der Großteil der Entwickler Männer sind und daher eher eine Frau als passendes Stimmprofil empfinden.

Im Internet kann man sehen, dass weibliche Stimmen nicht immer der Standard bei Assistenzsystemen waren. Denn Siri und Alexa haben einen Großvater, wie ein altes Video von 1992 zeigt. Darin führen der damalige Apple-Chef John Sculley und der Computerwissenschaftler Kai-Fu Lee im Fernsehen ein Computersystem vor, mit dem man reden kann. Die Stimme klingt recht hoch, hört aber auf den männlichen Namen Casper. Und noch eine Generation weiter zurück geht ein anderes Video, das wiederum mit einer weiblichen Stimme zu tun hat: der Zeitansage am Telefon. Dabei handelte es sich, die Älteren werden sich noch erinnern, über Jahrzehnte hinweg um eine weibliche Stimme. Und deren Funktion war zumindest damals ein kleines technisches Wunderwerk.

Der Artikel basiert auf einem dpa-Text.

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