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Kommentar

Freelancer sind mehr als „nur“ Mitarbeiter auf Zeit

(Foto: dpa)

Für Agenturen werden Freelancer immer wichtiger. Sie unterstützen und sind dabei Teil des Teams – oder nicht? Auch Freelancer brauchen das Gefühl, mehr zu sein als eine temporäre Lösung, meint unser Gastautor.

Personalnot wird immer mehr zum Thema in den Agenturen. Die Arbeitsbelastung für manche Teams steigt somit. Da werden gute Freelancer immer gefragter. Doch was, wenn auch die knapp werden? Wie findet man gute Freischaffende und wie baut man eine gut funktionierende Beziehung zu ihnen auf? Für Kunden ist es uninteressant, wie Agenturen den internen Engpass lösen. Die Ergebnisse zählen und die müssen in „Wow!“-Qualität sein. Von den Strapazen wollen und sollen Kunden nichts wissen. Das klärt die Agentur intern. Doch das wird schwieriger. Die Agentur als Bienenstock festangestellter Mitarbeitern, die sämtliche Konzepte und Ideen entwickeln und umsetzen – dieses Bild hat sich überholt. Es ist schlicht unwirtschaftlich, die temporär – dann aber auf höchstem Niveau – benötigten (Spezial-)Kompetenzen dauerhaft zu halten. Der Trend geht in eine andere Richtung: Um ein Kernteam von Festangestellten wird ein Netz von freiberuflichen Grafikern, Journalisten, Layoutern, Projektmanagern, Webdesignern, Konzeptionern, Developern und verwandten Berufen gespannt. Dieses Netzwerk wird aktiviert, sobald Bedarf besteht. So entsteht die „atmende Agentur“.

Atemhilfe schaffen

Manchmal fällt das Atmen schwer, denn Agenturen sind auf gute Leute angewiesen. Auch wenn die teuer kommen. Es ist ein Fehler, auf willig und billig zu setzen, denn ein erfahrener Freelancer kostet nun mal Geld und ist es auch wert. Denn Kunden verlangen qualitative hochwertige Arbeit und die sollen sie auch bekommen. Irgendjemanden zu engagieren, weil er billig ist, darf keine Option sein. Am Ende zahlt man nur drauf. Agenturen müssen wissen, wer gut ist und genau diese Leute ansprechen.

Doch hier ist die Krux: Gute Freie müssen nicht auf Aufträge warten, im Gegenteil. Sie sind meist auf Wochen ausgebucht. Besonders Freelancer mit Expertenwissen wie zum Beispiel Digital Coder, von denen es zu wenige auf dem Markt gibt, sind begehrt. Sie müssen sich um ihre Auftragslage keine Sorgen machen. Darum müssen sich Agenturen umso mehr bemühen, als Arbeitgeber zu überzeugen. Die Frage ist: Ließe sich all das vermeiden, wenn man Freie fest anstellen würde? Dagegen sprechen zwei Gründe. Der erste: der Kunde, das unzuverlässige Wesen. Wenn Projekte sechs Monate „on hold“ sind, können Agenturen die nötigen Fachkräfte auf Verdacht einstellen – die wären nämlich ebenfalls „on hold“, müssten aber trotzdem bezahlt werden. Der zweite Grund scheint einzig bei Finanzämtern, Künstlersozialkassen und Rentenversicherern noch nicht angekommen zu sein: Die guten Freien arbeiten frei, weil sie diesen Status lieben, und stemmen sich mit Händen und Füßen gegen eine Festanstellung.

Die Agentur als Interessenjongleur

Daher ist das Wort „Agentur“ eher eine Chiffre für ein sich ständig wandelndes Gebilde. Dafür müssen nicht einmal neue Namen kreiert werden. Auch wenn außen dasselbe draufsteht, ändert sich der Inhalt ständig – ebenso wie die Kommunikation in einer digitalen Welt. Sämtliche Stellschrauben müssen immer wieder neu justiert werden. Einige Projekte laufen über Jahre und brauchen ein eingespieltes Team, beim nächsten Mal muss „nur“ der Pitch bis Freitag gestemmt werden. Manche Freie schlagen gerne regelmäßig auf, andere machen es vom Projekt abhängig – das Interesse spielt eine Rolle. Manchmal ist aber auch jemand mit Expertenwissen gefragt, mit einer Leistung, die über das Angebotsspektrum der Agentur hinausgeht.

Die Herausforderung: Agenturen müssen all diese Variablen jonglieren und jedem Kunden, jedem Projekt und letztlich auch jedem Freien gerecht werden. Den letzten Punkt sollten Agenturen nicht vernachlässigen. Sie dürfen Freie nicht als Ausputzer anheuern, die den Planeten „Agentur“ ohne echten Kontakt, ohne Bindung zu ihnen, wie Satelliten umkreisen. Das ist fatal, da Know-how und Engagement der Freien entscheidend dazu beitragen, das „Wow!“-Level zu erreichen. Oder eben nicht, weil die Guten sich anderswo besser gewürdigt fühlen. 

Verbundenheit hat kein Zeitlimit

Immer mehr Freelancer brauchen das Gefühl, ein Teil der Agentur zu sein. „Shared moments” sind der Weg. Zum Beispiel durch Events in den Agenturräumen, zu denen Freelancer geladen werden, um einen Blick durchs Schlüsselloch zu werfen. Man lernt sich in zwangloser Atmosphäre kennen, tauscht sich aus und schaut, ob man gemeinsame Sache macht. Diese „shared moments“ haben etwas Verbindendes. Sie wecken auf beiden Seiten positive Gefühle und stärken die Beziehung. Denn: Freelancer sind Teammitglied auf Zeit - aber für diese Zeit ein vollwertiges Mitglied. Und so muss sich das auch anfühlen. Der Teamspirit muss geweckt werden. Dafür müssen Freelancer am selben Tisch sitzen wie die Festangestellten. Projekte müssen gemeinsam entwickelt werden. Ideen schwirren hin und her und dann nehmen die Projekte schnell Fahrt auf und erhalten eine Dynamik, die ohne dieses körperliche wie gedankliche Miteinander nicht möglich wäre. Angestellte und Freie tauchen gemeinsam ein ins Projekt, reden mittags beim Essen darüber und manchmal noch abends beim Bier. Und, wenn die Arbeit erledigt ist, darf es nicht beim „Tschüss, bis zum nächsten Mal“ bleiben. Freie müssen auf dem Laufenden gehalten werden, wie es bei „ihrem“ Projekt weitergeht. Freie sind Teil des Teams – das sollte ganz selbstverständlich sein.

Letztlich müssen Agenturen die bestmöglichen Bedingungen schaffen, um die besten Freelancer für sich zu begeistern und langfristig an sich zu binden. Denn Freelancer sind mehr als „nur“ freie Mitarbeiter, sie sind die Lösung zu einem größeren Problem.

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5 Reaktionen
KeinerEiner

Dieser Beitrag ist offenbar ohne Kenntnis des Sozialversicherungsrechts entstanden.
Ein freier Mitarbeiter, der in die betrieblichen Abläufe eingebunden ist, also Teil des Teams wird, ist scheinselbständig. Da ist irrelevant, ob er noch andere Aufträge hat, ob er eine Festanstellung ablehnt oder was im Vertrag steht.
Sobald ein Betriebsprüfer feststellt, dass eine Einbindung vorliegt, wird er unabwendbar Scheinselbständigkeit feststellen. Und das wird dann für die Agentur richtig teuer, denn sie muss Kranken- und SV-Beiträge rückwirkend abführen, als wäre der Betreffende für die ihm gezahlten Beträge festangestellt gewesen. Da die Honorare höher sind als Festgehälter, wird das extra teuer. Der freie Mitarbeiter geht dabei schadlos aus.
Daher kann man Agenturen nur davon abraten, den Ratschlägen dieses Beitrags zu folgen.
Leider ist die Rechtslage so, denn der Staat möchte sich nicht von den gut verdienenden Freien um die Sozialabgaben bringen lassen. Es ist bei dem Finanzbedarf des Staates ohnehin nur eine Frage der Zeit, wie lange es dauert, bis noch deutlich härter gegen diese de facto Scheinselbständigkeit vorgegangen wird.
Und da die Freien in der Agenturwelt ja lieber Rot oder Grün wählen, die genau diese Bevormundungen vertreten, statt Schwarz, Gelb oder Blau, schaufelt man politisch sein eigenes Grab.
Agenturen sollten derzeit nur Werkverträge vergeben und die Einbindung der Freien so niedrig wie möglich halten. Oder schon mal das Geld für die SV-Nachzahlungen beiseite legen.

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Honigvogel

Scheinselbstständigkeit liegt nur vor, wenn Du permanent den gleichen Auftraggeber hast. Und das ist ja meist nicht der Fall, sonst wäre das ganze ja keine freiberufliche Tätigkeit.
Es muss auch kein Honorarvertrag gemacht werden, ein ordentliches Angebot reicht. Rechnung stellen, fertig, nächster Kunde.
Es wäre auch schön sich gut mit dem Team zu verstehen, es ist sonst sicher sehr mühsam auf gute Ergebnisse zu kommen.
Eine Kunde der ein Mitglied der Ksk bucht, wird sowieso Beiträge abführen müssen.
Es ist also eine ziemlich oberflächlich Betrachtung die Sie da haben.

Wieso bist Du so sicher welche politische Richtung wir vertreten?
Und überhaupt, warum eigentlich so verbissen?

L.G.
Sabine
(Freelancerin seit ca. 10 Jahren)

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Michael_

Ich als Freelancer will gar nicht mehr Teil irgendeiner Agentur sein. Die meisten Agenturen, mit denen ich zu tun hatte (meistens klassische Werbeagenturen), sind extrem rückständig und vor allem geizig. Wenn diese Agenturen besser bezahlen würde (bzw. nicht ständig am Preis drücken möchten ), zuverlässiger wären, offener für neue Entwicklungen wären ("Wordpress ist doch dieses Blogsystem oder?" - vor 2 Wochen von einem Entscheider in einer Werbeagentur gesagt bekommen).

Am Anfang meiner Karriere als Freelancer habe ich mir gedacht, ich spare mir Projektleiteraufwand und Akquise wenn ich als Freelancer für Agenturen arbeite. Inzwischen sind mir direkte Kundenprojekte lieber. Und da geht es nicht nur mir so. Ich kenne jetzt sehr viele "Einzelkämpfer", die keinen Bock mehr auf klassische Agenturen haben, sondern entweder für direkte Kunden arbeiten wollen oder in offenen, losen Gruppen.

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Nickname

Was versteht man denn unter einem Digital Coder?

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Calypso

Haha, das hab ich mich auch gefragt!

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