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Analyse

Freenet kauft sich bei Mediamarkt und Saturn ein – das steckt dahinter

Freenet investiert 277 Mio. Euro in Ceconomy, die Holding hinter Mediamarkt und Saturn. (Bild: Martin Hangen / Media-Saturn)

Der Mobilfunkprovider Freenet investiert jetzt 277 Millionen Euro in die Elektronikketten Mediamarkt und Saturn. Die Beteiligung könnte sich für Freenet in den nächsten Jahren bezahlt machen.

Freenet sichert sich mit dem Deal, der über eine Kapitalerhöhung realisiert wird, rund neun Prozent an der Ceconomy-Gruppe, mit deren Handelsmarken Mediamarkt und Saturn das Unternehmen eng verbandelt ist. Seit rund 25 Jahren verkauft (Mobilcom) Debitel, die Tochter der Freenet-Gruppe, Mobilfunkverträge und Internetverträge bei Mediamarkt und Saturn und hat dort neben den eigenen Stores und dem Onlinegeschäft ein wichtiges Standbein.

Für Ceconomy respektive die Mediamarkt-Saturn-Gruppe kommt die Kapitalspritze genau zum richtigen Zeitpunkt, da das Unternehmen gerade das Osteuropageschäft neu aufstellt und auch aufgrund diverser anderer Investitionen gebunden ist. Gut 250 Millionen Euro lässt sich die Gruppe diesen Deal kosten – und gleicht die Bilanz so mithilfe des frischen Geldes von Freenet aus. Von „Bilanzstärkung und Steigerung der Finanzkraft“ ist daher in der offiziellen Mitteilung die Rede. Unterm Strich dürfte der Deal für Ceconomy aber auch finanziellen Spielraum bedeuten, den das Unternehmen nutzen könnte, um beispielsweise einige Beteiligungen wie die beim französisch-britischen Mitbewerber Fnac Darby zu erhöhen.

Dass Freenet starkes Interesse an dem Deal hat, zeigt der Kaufpreis: Das Unternehmen zahlte mehr, als die Aktie zuletzt an den Aktienmärkten wert war. Umgekehrt erhält das Unternehmen, dessen Engagement in den Mediamarkt- und Saturn-Filialen ein wichtiges Standbein ist, so mehr Mitspracherecht und Macht bei Ceconomy. Nach Bekanntwerden des Freenet-Einstiegs hat das auch der Ceconomy-Aktie neuen Aufwind verschafft. Die Börse geht offenbar davon aus, dass der Wert, den Freenet bei dem Geschäft zu Grunde gelegt hat, realistisch ist.

Langjährige Beziehung zwischen Freenet und Mediamarkt

In der Vergangenheit hatte Debitel immerhin erreicht, dass in den meisten Filialen der beiden Ketten neben O2 als Provider vornehmlich Mobilfunkverträge aus dem eigenen Haus verkauft wurden – wenn auch zu einem hohen Preis fürs Unternehmen in Form von Provisionen und Kickbacks. Lediglich einige regionale Provider sind – je nach Ort der Filiale – vertreten. Umgekehrt hatten Mediamarkt und Saturn gut an dieser Exklusivität, die bis in die 90er Jahre zurückgeht, verdient. 2006 hatte die Media-Saturn-Holding dann den Vertrag mit Debitel (also heute Freenet) aufgekündigt, weil offenbar auch die Provider mit Mediamarkt und Saturn ins Geschäft kommen wollten. Das wiederum wäre für Debitel, das damals wie heute einen großen Teil des eigenen Umsatzes über die Filialen von Mediamarkt und Saturn erzielt, ein ernsthaftes Problem gewesen.

Die damals neu geschlossenen Verträge sahen diverse Boni, Erfolgsbeteiligungen und Kickbacks vor, die der Media-Saturn-Holding sehr viel Macht über Debitel gaben – und im Umkehrschluss für einen wachsenden Anteil an Debitel- (später Freenet-) Verträgen bei den Roten und Blauen sorgten. Könnte also gut sein, dass der Freenet-Deal auch eine gute Chance für Freenet ist, mehr Einfluss auf die Geschäfte bei Mediamarkt und Saturn zu nehmen oder zumindest bestimmte Entscheidungen zu verhindern und frühzeitig darüber informiert zu sein. Und als netter Nebeneffekt verdient das Unternehmen an den eigenen Provisionen noch ein wenig mit.

Neben klassischen Mobilfunkverträgen vertreibt Freenet inzwischen vor allen Dingen auch Digital-Lifestyle-Produkte, etwa im Umfeld der Heimautomatisierung, sowie Verträge für TV via Internet. Gerade das ist natürlich ein Bereich, in dem Mediamarkt und Saturn passende Partner sind – und in Zukunft wahrscheinlich auch noch wichtiger werden.

Ceconomy: Aktienkurs kommt unter die Räder

Die Strategie von Ceconomy hatte in den letzten Monaten aufgrund ihrer Offline-Orientiertheit bei vielen Beobachtern für Kopfschütteln gesorgt. So hatte das Unternehmen zuletzt in Fnac Darty, eine große französisch-britische Unterhaltungselektronikkette, investiert und einen Deal mit der russischen M Video Group ausgehandelt. Daraufhin war der Börsenwert des Unternehmens von den ohnehin eher enttäuschenden 3,2 Milliarden Euro bei Börsengang auf magere 2,4 Milliarden Euro gesunken.

Diese beiden Sachverhalte täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass Mediamarkt und Saturn extrem ambitioniert im Onlinemarkt unterwegs sind und bereits ein Großteil der Umsätze in irgendeiner Form mit der Website zu tun hat. Die Filialen sind dabei eine willkommene Ergänzung: Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, werden 44 Prozent der online abgeschlossenen Kaufverträge (gemessen am Umsatz) dann über die Filialen abgewickelt. Für Ceconomy scheint die Multi-Channel-Strategie also gut aufzugehen.

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