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Ratgeber

Warum Appelle rein gar nichts bringen

Führung geht nur über Systemgestaltung. Appelle an Vernunft oder an Fairness sind vollkommen wirkungslos. (Foto: wavebreakmedia/Shutterstock)

Wenn es mit der Zusammenarbeit nicht klappen will, setzt Führung auf Appelle. Warum das nicht funktioniert.

Winterferien. Die Fußball-Mannschaften „Blau Gelb“ und „VFB“ suchen händeringend einen Ort, an dem sie in den Winterferien trainieren können. Die Stadt hat jedoch nur eine nutzbare Sporthalle. Was tun? Auswürfeln? Lose ziehen? Die Idee der Trainer: Die Teams teilen sich die Halle. Wie bitte? Teilen? Die Kontrahenten sind entrüstet. Die Trainer legen vernünftige Argumente auf den Tisch – und sie appellieren an den Sportsgeist der Kontrahenten. Klar seien sie Gegner auf dem Platz. Aber hier hätten sie doch das gleiche Ziel: Sie wollten die Ferien zum Trainieren nutzen. Wenn sie also jetzt nicht am gleichen Strang zögen, hätten sie alle das Nachsehen. Die Spieler nicken. Klingt ja auch komplett einleuchtend. Notsituation. Alle müssen zusammenhalten. Klar.

Nach dem Appell ist vor dem Appell

Und trotzdem: Kaum ist die Traineransprache beendet, geht die Schlacht los. Da wird die Luft aus den Bällen gelassen. Die Kreidelinie, die die Halle in zwei Trainingsbereiche aufteilt, wird heimlich verschoben. Die Tennisballmaschine wird als Kanone missbraucht. Feuer frei. Auch wenn der Appell der Trainer rundum vernünftig klingt, bleibt er trotzdem total wirkungslos.

Ein Problem, das auch Unternehmen kennen. Auch dort finden Turnhallenschlachten statt. Die Mannschaften heißen nur anders. Vielleicht teilen sich die Produktioner und die Prozessoptimierer die Halle. Oder die Vertriebler und die Konstrukteure. Letztlich egal, die Ballkanone ist an. Auch wenn offiziell alle im Sinne des Unternehmens agieren, kommt das im Business-Alltag oft nicht so recht an. Auf lange Sicht gefährdet das den Unternehmenserfolg. Um das Ruder rumzureißen, greift der engagierte Bereichsleiter ein. Der Appell an die Mannschaft: „Leute, wir erleben in letzter Zeit immer öfter, dass Ihr bei euren Entscheidungen andere Abteilungen nicht mit einbezieht. Dabei wissen wir doch alle: Die meisten unserer Probleme kann eben gerade nicht einer allein lösen. Da braucht es geballtes Wissen – das Wissen der Kollegen. Also setzt euch verdammt nochmal an einen Tisch.“

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Der Chef hat eine klare Ansage gemacht. Jetzt wissen alle, worauf es ankommt. Jetzt müsste es doch eigentlich laufen. Tut es aber nicht. Warum nicht? Hört denn keiner zu? Doch, klar. Aber die Botschaft erreicht sie nicht. Und zwar, weil sie den wahren Schmerzpunkt ignoriert.

Systemregeln entscheiden

Appelle werden immer aus der Überzeugung heraus abgegeben, dass die Mitarbeiter an der jeweiligen Stelle ein Wissensdefizit haben. Oder dass sie willentlich den Unternehmensinteressen zuwider handeln. Aber Unwissenheit ist gar nicht das Problem! Die Mitarbeiter wissen sehr wohl, dass Zusammenarbeit lebenswichtig ist. Aber jeder der Mannschaft weiß auch, dass der Chef mit seiner Anweisung von der Realität weit entfernt und dass es mit dem An-Einen-Tisch-Setzen eben reichlich kompliziert ist. Im Gespräch kommen beide Seiten keinen Schritt voran. Die jeweils andere Seite scheint vom anderen Stern zu sein.

Ein Beispiel: Nehmen wir die Prozessoptimierung und die Schweißerei. Die Prozessoptimierung hat eine Mission: Runter mit den Beständen. Die Mitarbeiter in der Schweißerei sollten doch bitte endlich aufhören, auf Halde zu arbeiten. Denn dadurch würden die Durchlaufzeiten in der Produktion viel zu hoch. Und die Schweißer? Wenn sie die Losgrößen verkleinern, dann müssten sie viel mehr rüsten – und die Maschine steht still, sagen sie. Das wäre ja wohl eine Todsünde, denn jede Maschinenstunde koste nun mal Geld. Nein, sagt die Prozessoptimierung. Das sei nur eine Pseudozahl. In Wirklichkeit wäre die Maschine doch längst bezahlt. Das Geld sei also weg. Jetzt ginge es nur noch um eines: Wie man die Produkte so schnell wie möglich durch die Produktion bekäme.

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