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Analyse

GAFA-Ökonomie: Warum Apple anders tickt als Facebook, Google und Amazon

Passt Apple zum Rest der GAFA-Ökonomie? Foto: Songquan Deng/Shutterstock

Das Schlagwort GAFA-Ökonomie bezeichnet eine Wirtschaft, die zunehmend von vier Konzernen dominiert wird: Google, Apple, Facebook und Amazon. Doch Apple gehört eigentlich gar nicht dazu.

Das Schlagwort der Plattform-Ökonomie beherrscht Konferenzen ebenso wie politische Diskussionen in Berlin und Brüssel. Vor allem EU-Politiker warnen seit Jahren davor, dass Europa den Anschluss verliert in einer Weltwirtschaft, die nach den Regeln der GAFA-Ökonomie funktioniert – eine dominante Stellung der vier US-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon, die auf ihren Plattformen die Regeln für alle anderen Unternehmen vorgeben.

Vor allem drei Phänomene sorgen dafür, dass Unternehmen mit einem Vorsprung in der digitalen Welt schnell zu einem Quasi-Monopol heranwachsen: Das erste ist der sogenannte Netzwerkeffekt, bei dem jedes weitere Mitglied in einem Netzwerk den Nutzen des Netzwerks für alle Beteiligten weiter steigert. Sprich: Wenn alle Freunde sowieso auf Facebook sind, ist der Anreiz umso größer, sich auch dort anzumelden – und nicht bei der Konkurrenz. Zweitens spielen Skaleneffekte in der Digitalwirtschaft eine noch größere Rolle als in der klassischen Ökonomie: Ist eine Software beispielsweise einmal geschrieben, steigt der Nutzen für das Unternehmen mit jedem weiteren Anwender, während die Kosten dafür nur marginal steigen. Drittens treibt die Datenökonomie die Bildung von Quasi-Monopolen voran: Wer die meisten Nutzer hat, besitzt die meisten Daten – und kann damit seine dominante Stellung noch weiter vor der Konkurrenz ausbauen. Daten sind dabei zunehmend auch für das Trainieren künstlicher Intelligenz von Bedeutung.

Ein Klick auf den unten stehenden Ausschnitt öffnet die vollständige Infografik.

So verdienen Apple, Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft ihre Milliarden. (Grafik: Visual Capitalist)

Facebook, Amazon und Google verdienen über die Plattform Geld – Apple nicht

Vor allem in Brüssel hat sich das Schlagwort der GAFA-Ökonomie durchgesetzt, um die Dominanz der US-Tech-Riesen zu beschreiben. GAFA steht für Google, Apple, Facebook und Amazon. Vielleicht, weil sich GAFAM blöd anhört, ist Microsoft die zweifelhafte Ehre nicht vergönnt geblieben, Teil der GAFA-Liga zu sein. Die GAFA-Unternehmen sind durch die beschriebenen Phänomene so dominant geworden, dass inzwischen selbst marktliberale Stimmen wie der britische Economist eine Reform der Regulierung von Kartellen fordern, um die Macht der Tech-Konzerne zu bändigen.

„Ausgerechnet der derzeit wertvollste börsennotierte Konzern der Welt profitiert also gar nicht in erster Linie von der heiß diskutierten Plattform-Ökonomie der Digitalwirtschaft.“

Drei dieser vier Konzerne verdienen ihr Geld tatsächlich über Plattformen, auf denen sie die Regeln bestimmen: Facebook ist – zusammen mit den Facebook-Diensten Whatsapp und Instagram – die dominante Plattform für private Kommunikation in der westlichen Welt. Google ist mit der Websuche und einer Reihe von Diensten rundherum wie Gmail, Google Drive, Google Maps und dem Google Kalender die dominante Plattform des offenen Webs im Westen. Und Amazon hat sich im westlich geprägten Teil des Internets als eine Art „Google für Produkte“ und mit dem Cloud-Dienst AWS als Rückgrat großer Teile des Internets etabliert. All das sind waschechte Plattformen mit allen Vor- und Nachteilen für den Rest der Wirtschaft, die für die Plattform-Ökonomie diskutiert werden.

Auch Apple besitzt eine Plattform: iOS, das mobile Betriebssystem von Apple, bildet zusammen mit dem App Store und Diensten wie Apple Music ein Ökosystem und eine Plattform für iPhone und iPad. Doch anders als Facebook, Google-Mutter Alphabet und Amazon, verdient Apple sein Geld überwiegend nicht über diese Plattform, sondern durch den herkömmlichen Verkauf von Hardware – vor allem durch das iPhone. Auch wenn der Anteil des Umsatzes durch Dienstleistungen wie den Verkauf von Apps oder Musik-Streaming bei Apple wächst, ist er immer noch vergleichsweise klein im Vergleich zum Umsatz, den der Konzern mit dem Hardware-Verkauf macht.

Bei der Plattform hat Apple gegenüber Google das Nachsehen

Ausgerechnet der derzeit wertvollste börsennotierte Konzern der Welt profitiert also gar nicht in erster Linie von der heiß diskutierten Plattform-Ökonomie der Digitalwirtschaft. Eher im Gegenteil: Für Smartphones ist das klar dominante Betriebssystem seit Jahren Googles Android. iOS ist als Plattform für Entwickler immer noch attraktiv, weil iPhone-Nutzer in der Regel zahlungsbereiter sind als der Durchschnitt der Besitzer von Android-Smartphones. Dadurch kann Apples Ökosystem bei den verfügbaren Apps noch mit dem von Googles Android mithalten. Doch alle drei Faktoren der Plattform-Ökonomie – Netzwerkeffekt, Skaleneffekt und die Daten-Ökonomie – sprechen langfristig eher für Googles Android als Apples iOS.

Es ist also etwas Anderes, was Apple so wertvoll macht: Die Zutaten sind eine Mischung aus einem klassischen hochwertigen Hardware-Produkt, gutem Service und der Strahlkraft der Marke. Das iPhone bleibt ein begehrtes Luxusprodukt mit hoher Marge. Umfragen zeigen regelmäßig, dass iPhone-Besitzer so treu sind wie die Käufer keines anderen Smartphones – und das liegt keineswegs in erster Linie daran, dass sie im Apple-Ökosystem gefangen sind. Die weit überwiegende Anzahl der iPhone-Käufer gibt schlicht an, dass sie sehr zufrieden sind mit ihrem Telefon.

Apple-Computer: 15 Design-Konzepte, die es nie in die Produktion geschafft haben
(Bild: Hartmut Esslinger, All rights reserved)

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Google-Mutter Alphabet, Facebook und Amazon mögen also jeweils ihre durch die Gesetze der Plattform-Ökonomie als unfair empfundenen Vorteile im globalen Wettbewerb genießen – doch ausgerechnet beim wertvollsten der GAFA-Konzerne, nämlich Apple, gilt das nicht. Das sollte bei der Diskussion um die GAFA-Ökonomie in der Politik beachtet werden. Allein der Begriff zeigt allerdings schon, dass hier noch zu wenig zwischen den jeweiligen Geschäftsmodellen der Tech-Riesen aus den USA differenziert wird.

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