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Interview

Das Startup dieses Familienunternehmers hat eine Retourenquote von 100 Prozent

Gearflix-Gründer Marius Hamer in „Die Höhle der Löwen“. (Foto: © MG RTL D / Frank Hempel)

Gearflix-Gründer Marius Hamer will Gadgets online vermieten statt verkaufen – und so das über 100 Jahre alte Ladengeschäft seines Urgroßvaters vor dem Tod bewahren. Kann das klappen?

Wenn Marius Hamer am Dienstagabend „Die Höhle der Löwen“ betritt, steht auch ein 108 Jahre altes Familienunternehmen auf dem Spiel. Denn Hamer hat sein Startup Gearflix hauptsächlich deshalb gegründet, um das Fotogeschäft seines Urgroßvaters in Bochum vor dem Aussterben zu bewahren. Zu groß ist die Konkurrenz in den vergangenen Jahren durch den boomenden Onlinehandel geworden.

Gearflix: Technik mieten statt kaufen

Gearflix soll das einstige Geschäftsmodell des Familienunternehmens nun digitalisieren. Über die Online-Plattform können Nutzer beispielsweise eine Spiegelreflexkamera oder eine Drohne für den Urlaub mieten und danach wieder zurückschicken. Zu erheblich günstigeren Preisen als bei einem Neukauf, verspricht Gründer Marius Hamer. „So hat man immer den vollen Zugriff auf die neueste Technik, ist in der Auswahl immer flexibel. Denn wir haben über 1.000 angesagte Technikprodukte auf unserer Website.“ Aber kann das klappen? Im Interview mit t3n spricht Hamer über die große Konkurrenz auf dem Technik-Mietmarkt, die Beinahepleite und 1-Sterne-Bewertungen in den Anfangstagen von Gearflix.

t3n: Herr Hamer, mit Gearflix vermieten Sie Kameras, statt sie zu verkaufen. Warum?

Marius Hamer: Kameras sind teuer, veralten schnell und man braucht sie selten. Also sind sie perfekt für den Verleih geeignet.

t3n: Und dafür gibt es einen Markt?

Ja. Wir beschränken uns mit Gearflix auf den Imaging-Markt, also auf Kameras, Drohnen, Actioncams und erweitern dies durch Reise-Gadgets. Damit wird jährlich rund eine Milliarde Euro umgesetzt. Für unsere Plattform sehe ich innerhalb von fünf Jahren ein Potenzial von ungefähr 20 Prozent des Marktes – also 200 Millionen Euro.

t3n: Eine sehr ambitionierte Kalkulation, finden Sie nicht?

Gearflix in „Die Höhle der Löwen“. (Foto: © MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

Bei meiner Schätzung gehe ich von der Annahme aus, dass ungefähr 80 Prozent aller Digitalkameras und Gopros die meiste Zeit in einem Regal verstauben und es smarter gewesen wäre, ein neues Modell zu mieten. Auch denke ich, dass das Gefühl von Besitztum für jüngere Generationen nicht mehr den Stellenwert hat wie für die Ü-30er.

t3n: Das haben inzwischen aber auch andere Anbieter erkannt. Grover, Saturn und sogar Otto bieten Technik zum Vermieten an.

Mit den Jungs von Grover stehe ich in Kontakt. Wir sehen uns auch nicht als ernste Konkurrenz. Grover vermietet Technikprodukte vom Smartphone bis zum Beamer, Gearflix hingegen bewegt sich in der Nische zwischen Kamera, Drohnen und Actioncams. Unsere Vertriebsstrategie beinhaltet auch keine Elektromärkte, sondern Reisebüros. Hier sind wir in den Buchungsbestätigungen integriert. Man bucht also die Technik zum Urlaub, wie man sonst einen Leihwagen am Zielort reserviert.

t3n: Was ist mit Otto und Saturn? Im Gegensatz zu Ihnen verfügen die über riesige finanzielle Mittel.

Wir liefern nicht nur sofort ab Lager und nach Verfügbarkeit, sondern planbar zum Wunschdatum bis zu sechs Monate vorab. Unsere Mindestmietdauer beträgt eine Woche, nicht einen oder gar drei Monate wie bei Otto Now. Außerdem bieten wir Komplettsets mit Zubehör, geladenen Akkus und passender Tasche. Im Sortiment findet man jedes erdenkliche Zubehörteil, man sucht sich einfach das perfekte Set zusammen. Alle bei uns sind Hobbyfotografen und beraten jeden Kunden persönlich. Wir haben die größte Modellauswahl und vermieten vom Einsteigergerät bis zu den 7.000-Euro-Pro-Kamerabodys. Ein Saturnmarkt könnte das alles gar nicht bieten.

t3n: Wie sind Sie ursprünglich auf die Idee zu Gearflix gekommen?

Ich habe vor sechs Jahren das Fotogeschäft meines Vaters in Bochum übernommen. Ein Familienbetrieb, der bereits seit 108 Jahren besteht und von meinem Urgroßvater gegründet wurde. Vor einigen Jahren spürten wir die Konkurrenz durch den Onlinehandel, wir gerieten in den klassischen Idealo-Preiskampf mit einer Vielzahl von Internethändlern. Daraufhin mussten wir unsere Preise im Laden anpassen. Das konnten wir aber nicht wirklich und haben im Ergebnis kein Geld mehr verdient.

t3n: Und dann blieben die Kunden weg?

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3 Reaktionen
Rainer Wahnsinn

Onlinhandel?

Sorry ,aber jedes Smartphone macht Fotos und ist dabei nicht mal sperrig.
Allein dies reduziert den möglichen Umsatz erheblich.

Ansonsten kann Ich mir kaum vorstellen,das man genug Gewinn macht um das Sortiment ständig zu erneuern.
Hab mir die Webseite angesehen und die Preise sind so dass jede Kamera 8-20x ausgeliehen werden muss um den Kaufpreis zu erhalten.

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NOWIS

Made My Day: "Ein Familienbetrieb, der bereits seit 108 Jahren besteht und von meinem Urgroßvater gegründet wurde. Schon damals spürten wir die Konkurrenz durch den Onlinehandel, wir gerieten in den klassischen Idealo-Preiskampf mit einer Vielzahl von Internethändlern."

- Ein Interview aus der Zukunft

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Daniel Hüfner

Hi NOWIS,

ja, der Satz klingt so wirklich etwas aus der Zeit gefallen :) Danke für den Hinweis, habe es angepasst!

Beste Grüße

Daniel

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