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Kommentar

Wann verstehen Unternehmen endlich, dass es nicht ums Geld geht?

Geld verdienen ist wichtig, klar. Doch bei Recruiting und Mitarbeiterbindung zählen ganz andere Argumente. (Foto: Fizkes/Shutterstock)

Lukratives Gehalt, Firmenwagen, Urlaubsgeld – damit wollen Unternehmen die Besten ins Boot holen. Aber ich habe noch niemanden erlebt, der mit leuchtenden Augen über sein Gehalt spricht. Ein Thema bleibt im Recruiting konsequent außen vor: die Arbeit selbst!

Gebetsmühlenartig beklagen Unternehmen, dass es immer schwerer sei, junge Talente für die eigenen Reihen zu akquirieren. Auch große Personalvermittler wie Egon Zehnder stoßen ins gleiche Horn, wenn sie bedauern, dass es an innovativen und visionären Nachwuchsführungskräften mangele. Nun ist es ja nicht so, dass die Spezies Talent vom Aussterben bedroht ist. Sie beißt nur irgendwie nicht an. Woran mag das liegen?

Kohle und Kicker

Fehlendes Bemühen in puncto Recruiting kann man Unternehmen wirklich nicht vorwerfen. Vielmehr legen sich die Personaler heftig ins Zeug. Die Anzeigen strotzen vor verlockenden Features mit einer überdurchschnittlichen Vergütung, flachen Hierarchien und einem jungen, dynamischen Team. Die Arbeitgebermarke ist auf Hochglanz poliert. Auf der Recruiting-Seite schart sich ein junges, multikulturelles Team fröhlich um einen Büro-Kicker und symbolisiert Fortschrittlichkeit und moderne Führungskultur. Die lounge-artige Einrichtung suggeriert eine entspannte Arbeitsatmosphäre und soll das junge Arbeitsvolk in Scharen in die Unternehmen locken. Doch irgendwie scheint es nicht zu klappen. Die Talente kommen nicht. Oder aber – mindestens genauso schlimm – sie kommen, sind aber in Null-komma-nix wieder verschwunden.

Wo bleibt die Arbeit?

Der Grund für dieses Missverhältnis ist einfach: Unternehmen agieren am Bedarf der Jobsuchenden vorbei. So zeigt eine Auswertung im Harvard Business Manager jetzt, was den Nachwuchskräften im Arbeitsleben wirklich wichtig ist. Eins schon mal vorab: Geld ist es nicht. Weniger als die Hälfte der jungen Talente legt gesteigerten Wert auf den finanziellen Aspekt. Die üblichen Verdächtigen wie „angemessene Bezahlung“ oder „finanzielle Sicherheit“ rangieren damit nicht auf den vorderen Plätzen. Was stattdessen bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber den Ausschlag gibt, ist die Arbeit selbst. So geben fast 80 Prozent „Freude an der Arbeit“ als den Aspekt an, der ihnen in ihrem Arbeitsleben am wichtigsten ist.

Doch genau darüber verlieren Unternehmen kein Wort. Sie reden über Geld, über Goodies und die gute Unternehmenskultur. Doch was du in den Stellenanzeigen dieser Welt vergeblich suchst, sind Hinweise zur eigentlichen Tätigkeit. Wofür tritt das Unternehmen ein? Wie will man die Welt ein Stück besser machen? Wofür engagiert sich die Mannschaft – jeden Tag?

Genau darüber sollten sie reden, die Unternehmen. Und das nicht nur extern, gegenüber potenziellen neuen Mitarbeitern. Auch den eigenen Leuten täte es gut, den Sinn in der Aufgabe immer wieder deutlich vor Augen zu haben – zu wissen, wofür man morgens aufsteht, jenseits des zu erwartenden Gehaltsschecks.

Gekommen, um zu bleiben

Die Sinnhaftigkeit der Arbeit im Alltag immer wieder erlebbar zu machen, ist umso wichtiger als Talente ja nicht nur „beschafft“, sondern auch gehalten werden müssen. „Im Alltag werden die meisten Fehler im Talent-Management gemacht“, weiß Martin Claßen, Inhaber des Beratungsunternehmens People Consulting, das sich auf den Bereich Talent-Management fokussiert. Umständliche Geschäftsprozesse, eintönige Aufgabenstellung oder anstrengende Führungskräfte sorgten für handfeste Frustration im Arbeitsalltag. „Solche Basisprobleme werden selbst durch schicke Personalentwicklung fünfmal im Jahr nicht kompensiert.“ Vielleicht wäre es besser, regelmäßige Sinn- statt Gehaltsgespräche zu führen.

Mehr zum Thema: Recruiting: Wie du dafür sorgst, dass aus einem Bewerber ein loyaler Mitarbeiter wird

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