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Name gehört sich nicht: Entwickler forkt GIMP zu Glimpse

Leistungsfähige Software mit diskussionswürdigem Namen: The GIMP. (Screenshot: The GIMP Project)

Nach 24 Jahren GIMP forkt ein Entwicklerteam um Oracle-Mitarbeiter Barry Moss das Projekt, um es unter dem Namen Glimpse fortzuentwickeln. Der alte Name ist ihnen zu unangenehm.

Das Open-Source-Projekt GIMP ist eines der Urgesteine in der Entwicklung freier Software. Das kostenlose Bildbearbeitungsprogramm kann es in den meisten Bereichen mit professioneller Software wie Adobes Photoshop aufnehmen. Zudem steht es nicht nur unter Windows und MacOS, sondern auch unter Linux zur Verfügung, was es zum einzigen professionellen Fotobearbeiter unter dem freien Betriebssystem macht.

GIMP als Wort ist beleidigend

Wer sich mit der Bedeutung des Wortes GIMP abseits dessen, dass es sich um die Abkürzung für „GNU Image Manipulation Program” handelt, befasst, stößt in der Tat auf ein paar unliebsame Definitionen. Die derzeit gebräuchlichste dürfte die des „gimp suit” sein. Damit bezeichnet man einen engen Ganzkörperanzug aus Latex, der sich im Umfeld der Sexpraktiken des BDSM einer gewissen Beliebtheit erfreut. Im Sprachgebrauch eher rückläufig sind die Bedeutungen Depp, Trottel oder Krüppel, womit man direkt bei der Beleidigung von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen angekommen wäre.

Das sind alles unerfreuliche Begrifflichkeiten und so ist es kein Wunder, dass es seit Beginn des Projekts immer wieder Kritik am Namen gab, der von den Kernentwicklern zumeist mit dem Hinweis, dass es sich nicht um ein Wort, sondern um eine Buchstabenfolge handele, abgewiesen wurde. Bislang konnte eine Art Burgfrieden gehalten werden.

Glimpse soll mehr als ein flüchtiger Blick werden

Nun aber hat sich ein bislang eher unbekannter Entwickler namens Barry Moss mit ein paar Unterstützern dazu entschlossen, dem unliebsamen Namen den Garaus zu machen und das Projekt unter dem schöner klingenden Namen Glimpse, der auf Deutsch soviel wie ”flüchtiger Blick” heißt, zu forken.

Gegenüber The Register erklärte Moss, dass seine Entscheidung für Glimpse nicht so sehr an den obszönen Deutungsmöglichkeiten des Begriffes GIMP hänge, als vielmehr an der unzweifelhaft schlechteren Vermarktbarkeit eines Namens, der für manche Menschen schwer zu ertragen sei. Diese Argumentation hatte er einem Diskussionsbeitrag zum Thema auf Github entnommen, in dem eine Entwicklerin erklärt hatte, dass sie verschiedenen Bildungseinrichtungen GIMP als Alternative zu Photoshop angeboten hätte, diese aber stets abgelehnt hätten, weil ihnen der Name nicht tauglich für den Klassenraum erschien. Zudem bezeichnete sie es als schwer, etwas zu bewerben, das einen Namen trägt, der keinerlei Rückschluss auf den Einsatzzweck zulässt.

Glimpse bleibt GIMP

In der Kern-Community konnte die Argumentation indes nicht überzeugen. Hier verwiesen alteingesessene Projektteilnehmer darauf, dass man sich eine langjährig erworbene Bekanntheit nicht mit einem neuen Namen kaputt machen dürfe. Glimpse beendet diese Diskussion nun durch das Forken des Projekts, was in der Open-Source-Szene nicht etwa einen Skandal, sondern ein ganz normales Vorgehen darstellt. Laut Moss erfährt seine Initiative viel Zuspruch.

Moss weist indes ausdrücklich daraufhin, dass auch in Glimpse weiterhin GIMP stecken wird. Er beabsichtigt die Nutzung der Upstream-Bibliotheken des Hauptprojekts, will jedoch die Benutzeroberfläche, die ebenfalls seit Jahren in der Kritik steht, umfassend überarbeiten und verbessern.

t3n meint:

Ob es dem Team um Oracle-Mann Moss gelingt, eine nennenswerte Schlagkraft zu entwickeln, um ein Projekt wie Glimpse zum Erfolg zu führen, darf durchaus mit Skepsis abgewartet werden. Das Vorgehen ist indes nicht ohne Präzedenzfall. Schließlich ist es dem Open-Office-Fork Libreoffice auch gelungen, das Hauptprojekt zu überholen und letztlich abzuhängen. Wichtig ist, die Kernentwickler vom Wechsel zu überzeugen. Gelingt das, kann sich auch ein junges Projekt schnell massiver Unterstützung sicher sein.

Wenn ich darauf wetten sollte, würde ich es nicht tun.

Dieter Petereit

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