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Gadgets & Lifestyle

Genosse Heimcomputer: So begann das digitale Zeitalter hinter dem Eisernen Vorhang

Heimcomputer. (Foto: Hans Wollny / Wikimedia Commons)

Auch hinter dem Eisernen Vorhang wurden ab den späten Siebzigerjahren eine ganze Reihe von Heimcomputern entwickelt. Wir begeben uns auf eine kleine Zeitreise und zeigen euch, welche Alternativen die Ostblockländer zu Atari, Commodore und Apple im Angebot hatten.

Kommunistische Heimcomputer: Das war die osteuropäische Konkurrenz zu Commodore & Co.

Ob Apple II, ZX81 oder Commodore 64: Spätestens ab den frühen Achtzigerjahren eroberten Computer auch die Privatwohnungen technikbegeisterter Westbürger. Aber auch im kommunistischen Osten gab es Rechner, die sich unter dem damals geläufigen Begriff Heimcomputer zusammenfassen ließen. Obwohl ein Embargo den Import westliche Hardware unmöglich machte, handelte es sich in vielen Fällen um Klone populärer Heimcomputer aus Amerika und Westeuropa.

Auch im Osten entstanden in den Achtzigerjahren eine ganze Reihe von Heimcomputern. (Foto: ?????? «???????????? ??????» / ?. ?. ?????????? Lizenz: CC-BY-SA 3.0)
Auch im Osten entstanden in den Achtzigerjahren eine ganze Reihe von Heimcomputern. (Foto: ?????? «???????????? ??????» / ?. ?. ?????????? Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Ein frühes Beispiel dafür ist der IMKO-1, der 1979 im bulgarischen Pravetz gefertigt wurde. Dabei handelte es sich um einen Apple-II-Klon, von dem nur etwa 50 Stück gefertigt wurden. Immerhin wurde das Projekt als so erfolgreich eingestuft, dass in den folgenden Jahren eine ganze Reihe weiterer Apple- und IBM-Klone dort entwickelt und hergestellt wurden. Auf dem Höhepunkt des sowjetischen Heimcomputer-Booms sollen die bulgarischen Computerbauer bis zu 40 Prozent des Ost-„Markts“ mit ihren Rechnern versorgt haben.

Heimcomputer: DDR-Bürger mussten sich Bauteile oft selbst besorgen

Während es in den westlichen Ländern 1983 kein größeres Problem darstellte, einen Heimcomputer zu kaufen, waren DDR-Bürger bisweilen gezwungen, etwas mehr Aufwand zu betreiben. Mit dem Amateurcomputer 1 (AC1) gab es zwar beispielsweise einen Heimcomputer-Bausatz für technikbegeisterte Ostdeutsche, ein Großteil der Interessierten konnten den aber gar nicht erst bekommen. Daher waren sie gezwungen, sich die notwendigen Bauteile selbst zu besorgen. Immerhin soll der AC1 aber 5.000-mal nachgebaut worden sein.

In der DDR gab es verschiedene Heimcomputer-Reihen. (Foto: Procolotor / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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Mit dem Polycomputer 880 gab es ab 1983 auch einen Computer in der DDR, der primär für Bildungseinrichtungen gedacht war. Die Zukunft der mobilen Computer vorausahnend wurde der Rechner in einem Diplomatenkoffer geliefert. Allerdings betrug das Gewicht etwa fünf Kilogramm. Etwa zur selben Zeit entstand in der Sowjetunion der Elektronika BK-0010. Er war einer der ersten echten 16-bit-Computer der Welt.

Von Tesla bis Robotron: Heimcomputer im kommunistischen Europa

Ebenfalls ab 1983 wurde in der Tschechoslowakei der IQ 151 gefertigt. Er basierte auf einem Tesla MHB8080A, bei dem es sich um eine Kopie von Intels 8080 8-bit-Mikroprozessor handelte. Der IQ 151 wurde hauptsächlich in tschechischen Schulen eingesetzt. Im slowakischen Teil des Landes erfüllte der PMD 85 ab 1985 diese Rolle. Der Ondra SPO 186 war ein weiterer Heimcomputer aus der Tschechoslowakei. Er wurde jedoch nur in geringen Stückzahlen produziert.

In der DDR gab es verschiedene Heimcomputer-Reihen. (Foto: Procolotor / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 3.0)
In der DDR gab es verschiedene Heimcomputer-Reihen. (Foto: Procolotor / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Beginnend mit dem Didaktik Gama wurden in der Tschechoslowakei auch eine ganze Reihe ZX-Spectrum-Klone gebaut. Die waren allerdings nicht 100-prozentig kompatibel zu ihrem Vorbild. Von dem Kombinat Robotron wurden mit Z 9001, KC 85/1 und KC 87 in der DDR ab 1984 drei untereinander kompatible Heimcomputer hergestellt. Insgesamt 30.000 Stück sollen damals ausgeliefert worden sein. Das KC im Namen stand für Kleincomputer.

Unter der Bezeichnung HC 900, aus der später KC 85/2 wurde, gab es ab 1984 auch eine zweite Heimcomputer-Reihe auf Basis desselben U880-Mikroprozessors. Sie wurde mit dem KC 85/3 und dem KC 85/4 fortgesetzt. Es dürfte sich bei dieser Modellreihe um die am weitesten verbreiteten Heimcomputer in Ostdeutschland gehandelt haben.

Wer sich für alte Computertechnik interessiert, der sollte auch einen Blick auf unseren Artikel „Nerd-Galerie: So sah ein Smart-Home-System im Jahr 1990 aus“ werfen.

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7 Reaktionen
Thomas

Ich muss mich leider revidieren. Der KC87 und Kompatieblen Modelle hatten nur eine Auflösung von 40x20 Zeichen. Da ist mir ein Schribfehler unterlaufen. Der PC1715 hatte 80x24 Zeichen.

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Thomas

Ich bin auch ein Kind der 80er und habe mich damals mit all diesen Kleincomputern beschäftigt.
Der Beitrag spiegelt hier sehr schön die Entwicklung wieder. Wie hier schon richtig dargestellt, gab es die Serie von Robotron (Z9001, KC85/1, KC87) die nur eine Grafik aus Grafiksymbolen hatte mit einer Bildschirmauflösung von 80x40 Zeichen und die Serie von VEB Microelektronik Mühlhausen (HC900, KC85/2, KC85/3, KC85/4).

Die KC 85/2-4 Serie war technisch teilweise dem C64 überlegen. Die Auflösung der Vollgrafik war höher und auch der Prozessor war schneller und besser. Die auflosung des C64 betrug nur 320x200Pixel, währen die des KC 320x255 betrug. Beim KC85/4 konnte sogar jedem Pixel eine eigene Farbe zugewiesen werden, was beim C64 nicht möglich war. Ebenfalls besaßen diese Geräte einen eigenen Bildspeicher, so das nicht ein Teil des Arbeitsspeichers abgeknapst wurde.

Auch der Prozesor lief mit 2 MHz anstelle mit 980kHz bei C64. Das alles entscheidene allerdings bei einem Computer ist die Software und hier gab es natürlich für den C64 viel mehr. Und ein Computer ist nun mal nur so gut wie die Software, die auf Ihm läuft.

Bevor ich mir 1989 einen C64 gekauft habe besaß ich noch einen Microrechnerbausatz Z1013. Das war ine fertig aufgebaute Platine, mit 16kByte Ram, 1 kByte Bildspeicher und einem U880 Prozessor mit 2MHz Taktfrequenz. Mitgeliefert wurde eine Folientastatur und ein Trafo.

In den damaligen Zeiten wurden die Geräte noch alle samt in Der Programmiersprache Basic oder dierekt innMaschienensprache programmiert. Bei KC85/3 konnten so Spiele erreicht werden, die mit dem C64 mithalten konnten (z.B. Digger als Pedant von Boulder Dash)

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Karl

Ich hab in meiner Apple II-Zeit mit Kollegen zusammen so einige Apple II-Klone gebaut und ich komme nicht aus der DDR. Fertige Apple II waren für uns auch unerschwinglich und die Bauteile, alles Standard, gabs recht billig.

Es gab da auch so ein Club: AUGE – Apple User Group Europe. Kennt den noch jemand?

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Fitzgrimbel von Hotz

DIe Mangelsituation hat im Ostblock zu einigen coolen Ideen geführt. Jeder, der Anfang der 80er im Westen mit Heimcomputern rumgurkte kennt ja noch die Datasette. Und den schönen Sound dazu ;)
Die Datasette war im Osten oft schon zu hoch gegriffen, aber der Zugriff auf analoge Tonspeicher als Datenablage wurde auch genutzt. Es wurde zT Programmcode auf Schallplatten gepresst und man konnte das einspielen: LP-ROM. Zur Distribution gab es auch die Idee den Code übers Radio zu versenden - wer Kasettenrecorder hatte konnte die Sendung aufzeichnen und dann das Programm einspielen.
Eigentlich wesentlich cooler als eine "RUN" im Kiosk zu kaufen und Programme abzutippen (wobei die Distributionsmethode im Westen eher Raubkopietausch aufm Schulhof war, natürlich immer mit "gelochten" Disketten so dass man "beidseitig" speichern konnte - oder die Multicopy Session ;)

Zur Frage ob das nun "Kommunistische Heimcomputer" oder "Sozialistische" sind - beides ist Quatsch, denn der Computer hat keine Ideologie. Wenn ein Sympathisant von NSU oder Kalifat sich einen Computer greift (oder zusammenschraubt) dann ist das auch kein faschistischer oder islamistischer Computer.
Es ist ja auch nicht so, daß eine MiG-29 sich weigert zu fliegen wenn sich ein Pilot reinsetzt der kein Sozialist ist ;)

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chris.haeusser

der KC 85/3 bzw KC85/4 waren schon recht ordentlich
an den C64 sind die zwar nicht ran gekommen, aber fuer die Zeit und mit den Mitteln.

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Wilz

Der Z1013 fehlt. Das war ebenfalls ein Bausatz und der war relativ weit verbreitet.

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sh

könntet ihr bitte kommunistisch in sozialistisch ändern und euch kurz über die bedeutungen informieren? is ja fast wie die bild

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