Kolumne

Genosse Jeff Bezos: Wie viel Planwirtschaft steckt in der Plattformökonomie?

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Denn damit, so folgert Harari, könnte dem technischen Trend zur zentralen Datenverarbeitung in der Cloud unter dem Paradigma der Effizienz auch ein gesellschaftlicher Trend zu mehr Zentralisierung der Herrschaft folgen. Die Gesellschaften würden also weniger demokratisch werden – es drohe sogar die „digitale Diktatur“. Die Monopolisierung von Big Data in der Hand weniger großer Tech-Konzerne wie Google, Amazon, Facebook und Apple sieht er als ersten Hinweis auf diese Entwicklung. Eine mögliche Lösung sieht Harari in der Hoheit des Einzelnen über die eigenen Daten, insbesondere die biometrischen Daten, da aus diesen laut Harari viele Schlüsse auf die Persönlichkeit abgeleitet werden können. Der Historiker hofft hier auf eine Regulierung durch den Staat.

Bringt die Blockchain Dezentralisierung zurück?

Und tatsächlich regt sich auch im Silicon Valley selbst schon der Widerstand gegen die Zentralisierung der Datenverarbeitung. Hoffnung macht vielen Anhängern der Idee der Dezentralisierung dort allerdings nicht die mögliche staatliche Regulierung, sondern eine Technologie:  die Blockchain – oder allgemeiner Distributed-Ledger-Technologien, wovon die Blockchain nur die bekannteste Umsetzung ist. Zahlreiche Blockchain-Projekte sind angetreten, die Welt zu verändern – und den Trend zur Zentralisierung des Internets aufzuhalten, darunter NamecoinNebulas, Essentia und Blockstack.

Bei Blockstack beispielsweise soll jeder Nutzer Herr über die eigenen Daten bleiben, die in einem privaten Container gespeichert sind, auf die zunächst nur der Nutzer Zugriff hat. Will eine App auf die Daten zugreifen, muss sie um Erlaubnis bitten. Erst wenn der Nutzer mittels privatem Key den Zugriff gestattet, darf die App die Daten verarbeiten. Damit sollen die Datenmonopole in diesem neuen Blockchain-basierten Internet aufgebrochen werden. Weil die Daten beim Nutzer gespeichert werden und nicht mehr in den Daten-Silos von Facebook, Google, Amazon oder Facebook, kann er auch jederzeit mit ihnen zu einem anderen Anbieter umziehen – so zumindest die Idee.

Ob das als Anreiz ausreicht, dass Nutzer dem Facebook, das sie kennen und auf dem alle ihre Freunde bereits angemeldet sind, den Rücken zukehren, ist natürlich fraglich. Unbestritten ist aber auch, dass in den vergangenen Monaten sehr viel Geld in Richtung dezentraler Technologien und Projekte wie Blockstack geflossen ist.

Insgesamt 53 Millionen US­-Dollar nahm Blockstack beim ICO im Dezember 2017 ein. Zu den Investoren gehört mit Union Square Ventures eines der bekanntesten Venture-Capital-Unternehmen der Welt. Auch die Liste der weitere Investoren lässt sich sehen: Foundation Capital, Lux Capital, die Firma Winklevoss Capital der Winklevoss-Zwillinge, Blockchain Capital, Digital Currency Group, der Y-Combinator-Partner Qasar Younis, Techcrunch-Gründer Michael Arrington und Digg-Gründer Kevin Rose.

Wichtige Köpfe des Silicon Valleys mit viel Kapital im Rücken sind also offenbar immer noch von der Idee und der Überlegenheit der Dezentralität überzeugt. Das alleine ist noch keine Erfolgsgarantie der neuen Blockchain-basierten Ansätze. Es ist aber keineswegs ausgeschlossen, dass die kommende Tech-Welle wieder eine Gegenbewegung zur Zentralisierung wird.

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