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Analyse

Geoblocking-Verordnung: Was sich ab heute im Onlinehandel ändert – und was nicht

(Foto: Shutterstock)

Ab heute soll es dank der neuen Verordnung gegen Geoblocking einfacher werden, Waren aus dem Ausland zu bestellen. Für Händler und Kunden ergeben sich daraus einige neue Probleme.

Unterschiedliche Preise in verschiedenen EU-Ländern waren in der Vergangenheit nichts Ungewöhnliches – und ungefragt wurde der Kunde auf die deutsche Seite des Händlers umgeleitet, wo es beispielsweise nicht alle Größen- oder Farbvarianten eines Artikels gab oder deutlich höhere Preise verlangt wurden. Doch ab heute gilt: Verbraucher dürfen nicht mehr auf eine Website in ihrem Herkunftsland umgeleitet werden, wenn sie dies nicht wollen. Vielmehr sind Onlinehändler dazu verpflichtet, Verbrauchern in der EU zu gleichen Konditionen Waren und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Das klingt erst einmal nach der totalen Gerechtigkeit, ist unterm Strich aber eine Aufgabe, die Händler vor ernste Herausforderungen stellen wird – und da sie die nicht lösen können, wird in vielen Fällen alles beim Alten bleiben.

Doch der Reihe nach: Ein Kunde aus Portugal will in Deutschland eine Lampe bestellen. Für den deutschen Händler ist das erst einmal schön, dass er seinen Kundenkreis erweitern kann. Doch liefern kann er die Lampe dem Kunden nicht – das wäre gerade für kleinere Händler zu viel Rechercheaufwand und ohnehin reichlich teuer. Der Kunde hat nun die Möglichkeit, die Ware beim Händler abzuholen oder sich auf eigene Faust um einen Transportdienstleister zu kümmern. Das ist neu – und wird vielleicht für den einen oder anderen Sammler oder bei speziellen Waren eine Lösung sein. Wer dagegen als Kunde nur einen günstigen Preis bei einem Auslandshändler für eine auch in Deutschland gehandelte Ware abstauben will, steht weiterhin genauso da wie bisher, wenn der Händler sich auf den Standpunkt stellt, der Kunde solle sich doch selbst um den Transport kümmern.

Geoblocking: Schwer lösbare Hürden für Händler

Doch da ist noch eine weitere Herausforderung für Händler. Sie müssen, so sieht es die neue Verordnung vor, dem Kunden die Bezahlung auch mit einer ausländischen Kredit- oder Debitkarte ermöglichen. Das ist ein echter Fortschritt. In der Vergangenheit war es nämlich beispielsweise für einen in England lebenden Kunden schon oftmals nicht möglich, mit einer deutschen Kreditkarte eine Konzertkarte für ein Konzert in London zu erwerben. Ein Händler muss dabei weiterhin nicht alle möglichen Bezahlvarianten anbieten. Wenn er aber etwa Visa für seine deutschen Kunden bietet, muss er das auch für andere Länder tun.

Problematisch wird dies allerdings, wenn der Händler beispielsweise Kauf auf Rechnung anbietet. Dann nämlich muss er dies theoretisch auch für einen Kunden aus Griechenland oder Bulgarien tun – und hier im Falle eines Mahnverfahrens das Geld einzutreiben, dürfte schwieriger und kostenintensiver werden und oftmals schon an Sprachbarrieren scheitern. Was weiterhin erlaubt ist, sind Beschränkungen nach Kundengruppe, also beispielsweise ein Shop, der nur für Geschäftskunden gedacht ist. Eine Diskriminierung nach Wohnsitz oder Nationalität ist hingegen nicht mehr möglich.

Doch es wird einige Themen geben, bei denen wir weiterhin länderspezifische Angebote sehen werden, etwa der Bereich der Finanzdienstleistungen. Hier ist jeweils die Zulassung der nationalen Instanz für Finanzdienste erforderlich, also bei uns die der Bafin. Auch bei Verkehrsdienstleistungen wie Bahnfahrkarten und Streaming-Diensten wird es weiterhin Einschränkungen geben, auch wenn das ursprünglich mal anders gedacht war. Hier werden wir also weiterhin beispielsweise unterschiedliche Verfügbarkeiten für bestimmte TV-Serien und Filme finden und der Trick, einen Musikdienst über ein bestimmtes Land günstiger zu beziehen, wird weiterhin nur mit fiktiver Rechnungsadresse und VPN-Zugang beim Buchen möglich sein. Musik- und Filmunternehmen haben ihr über lange Jahre etabliertes System durchgesetzt, das in der Tat in Sachen Verwertungskette sonst einige Veränderungen auch bei den anderen Veröffentlichungsformen mit sich gebracht hätte. Das bedeutet aber auch, dass sich bei der Verfügbarkeit physischer Tonträger etwas geändert hat: Die Blu-rays oder DVDs der Lieblingsserie werden deutsche Kunden nun möglicherweise früher beispielsweise über einen UK-Versand bekommen.

Doch ist dieses Phänomen das Cross-Border-Shoppings überhaupt ein Thema für deutsche Kunden? Das hat das Preisvergleichsportal Idealo untersucht. Immerhin sieben von zehn Deutschen haben schon einmal gezielt eine Ware aus dem Ausland gekauft (71 Prozent) und die Hälfte (50 Prozent) hat dies bereits mehrfach getan. Die Rangfolge der Herkunftsländer überrascht dabei nicht: Der EU-Raum liegt vor China und den USA. Zu erwarten ist, das erkennen die Ersteller der Studie korrekt, dass der Umfang der Cross-Border-Käufe in den nächsten Jahren noch größer wird – weniger des Gesetzes wegen als aufgrund der Internationalisierung der Marktplätze von Ebay bis Amazon. Eine ältere Studie hatte bereits gezeigt, dass gerade aufgrund solcher Marktplätze viele Kunden quasi automatisch im Ausland kaufen.

Auslandsgeschäfte: Ausflüchte für Händler gibt es weiterhin

Unterm Strich ist die Neuerung also nicht ganz so bahnbrechend, wie es uns die EU-Kommission verkaufen will, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Rund ein Drittel aller Shops hat in der Vergangenheit Geoblocking betrieben, was jetzt zumindest in der Theorie vorbei ist. Händler werden also, wenn der Kunde etwas Durchhaltevermögen und Recherchefähigkeit beweist, verpflichtet sein, Waren auch in Länder zu liefern, in denen sie sonst nicht erhältlich wären. Für Dienste wie D-A-Packs, die eine Lieferadresse im jeweiligen Land zur Verfügung stellen und dann auf eigene Faust die Pakete über die deutsche Grenze kutschieren, wird sich somit einiges ändern. Sie sind in Zukunft vor allem für jene Kunden interessant, deren Händler horrende Aufpreise für die Lieferung beispielsweise von Österreich nach Deutschland erheben.

Denn gleichzeitig können Händler (und werden) auch weiterhin, wenn ihnen die Belieferung eines ausländischen Marktes nicht attraktiv genug erscheint, Möglichkeiten haben, es dem Kunden so schwer zu machen, dass es sich meist nicht lohnt, die Ware zu bestellen. Ablehnen dürfen sie einen Kunden oder einen Vertragsschluss auch weiterhin, sie brauchen allerdings bessere Gründe als bisher, denn die reine Nationalität oder der Wohnsitz reichen in Zukunft nicht mehr aus.

Immerhin dürften es Ketten, die in verschiedenen Ländern unterschiedliche Preise haben, schon aus rechtlicher Sicht schwerer haben, diese aufrechtzuerhalten. Überwachen werden dies die jeweiligen Netzaufsichtsbehörden, im deutschen Fall die Bundesnetzagentur. In wieweit dadurch noch Verbote von Waren in bestimmten Ländern aufrechtzuerhalten sind, ist eine spannende Frage. Denn einerseits ist beispielsweise der Verkauf bestimmter Waren (beispielsweise im Lebensmittelbereich) in Deutschland verboten, in anderen Ländern durchaus gestattet, andererseits gibt es EU-weit ja keinen Zoll, der die Einfuhr mitbekommen würde.

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2 Reaktionen
Helmut

Was für ein bescheuerter Artikel.
Im Onlinehandel sind nur die ausgehandelten Versandpreise interessant.
NICHTS anderes!
Der "Bericht" ist absoluter Blödsinn!

Antworten
Davut

Danke für die interessanten Informationen. Gut erklärt. Ich werde diesen Artikel gerne weiter empfehlen, weil dieser Artikel sehr hilfreich und interessant ist.

VG.

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